Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Recherche nach NS‐Raubgut in den Beständen der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe

Zuwendungsempfänger Badische Landesbibliothek Karlsruhe Bundesland Baden-Württemberg Website http://www.blb-karlsruhe.de/blb/blbhtml/besondere-bestaende/ns-raubgut.php Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Januar 2017 bis Dezember 2018

Beschreibung

Die aus der Büchersammlung der badischen Markgrafen und Großherzöge hervorgegangene Badische Landesbibliothek (BLB) ist eine der größten Regionalbibliotheken Deutschlands und blickt auf eine rund 500-jährige Geschichte zurück. Mit der Zerstörung des Bibliotheksgebäudes in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1942 wurden sowohl die Bestände als auch das Verwaltungsschriftgut der BLB beinahe vollständig vernichtet. Die Kostbarkeiten des Bibliotheksbestandes wie etwa Handschriften, Inkunabeln und rarifizierte Frühdrucke waren bereits 1939 in verschiedene Depots ausgelagert worden und überdauerten so die Zerstörung des Gebäudes.

Heute noch vorhandenes NS-Raubgut befindet sich in jenen Beständen, die sofort nach dem Bombenangriff und mit finanzieller Unterstützung durch die zuständigen Reichs- und Landesbehörden für einen späteren Wiederaufbau erworben wurden. Wie vermutet hat sich daher die Zahl der einschlägigen Verdachtsfälle in diesem Bestandsbereich im Verlauf der ersten Phase des Projektes erhöht.

Bei einem ersten Abgleich des Akzessionsjournals, des handschriftlich geführten Standortkatalogs und der aktuellen Katalogdatenbank für den Zugang des Jahres 1943 wurde offensichtlich, dass die beiden ersteren die tatsächlichen Neuzugänge seit Ende 1942 nicht vollständig abbilden; über die ersten Annahmen hinaus sind im Verlauf des Projektes für eine steigende Anzahl der damals übernommenen Bände keinerlei Herkunftsnachweise im Bibliotheksinventar vorhanden. Da die Bestände nach Numerus Currens aufgestellt wurden und dabei keine Unterscheidung nach der jeweiligen Erwerbungsart vorgenommen wurde, muss zur Ermittlung von NS-Raubgut der für das Projekt ausgewählte Bestandsbereich für die Jahre 1942–1945 per Autopsie systematisch auf verdächtige Provenienzmerkmale hin untersucht werden.

Um die Tatsache zu belegen, dass die BLB wie andere Kulturgut verwahrende Institutionen von Beschlagnahmungen und Entwendungen profitierte, müssen zusätzlich die Akten der Bibliothek und die Unterlagen anderer Landesbehörden und Dienststellen in Bezug auf Abgabe- und Übernahmevorgänge gesichtet werden. Falls Erben oder Rechtsnachfolger ermittelt werden können, ist geraubtes jüdisches Eigentum oder geraubtes Eigentum anderer politisch verfolgter Individuen oder Institutionen zu restituieren.

Die BLB wird ihre Rechercheergebnisse zu verdächtigen Provenienzen in der Looted Cultural Assets-Datenbank dokumentieren. Auf diesem Weg werden die gewonnenen Erkenntnisse einer breiteren Öffent-lichkeit zugänglich gemacht. Gleichzeitig wird eine vertiefte Kooperation zwischen den Prove-nienzforschung betreibenden Bibliotheken ermöglicht.

Zur Vorstellung des Projektes, der laufenden Arbeiten und der Ergebnisse sind zudem Artikel in Fachzeitschriften oder/ und Beiträge für Konferenzen vorgesehen.

© Badische Landesbibliothek Karlsruhe, März 2018