Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Recherche nach NS-Raubgut im Zeitschriftenzugang der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe 1942-1945

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Badische Landesbibliothek Karlsruhe Bundesland Baden-Württemberg Website https://www.blb-karlsruhe.de/aktuelles/projekte/2019-abgeschlossen/ Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Januar 2020 bis Dezember 2020

Beschreibung

Die aus der Büchersammlung der badischen Markgrafen und Großherzöge hervorgegangene Badische Landesbibliothek (BLB) ist eine der größten Regionalbibliotheken Deutschlands und blickt auf eine rund 500-jährige Geschichte zurück. Mit der Zerstörung des Bibliotheksgebäudes in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1942 wurden sowohl die Bestände als auch das Verwaltungsschriftgut der BLB beinahe vollständig vernichtet. Die Kostbarkeiten des Bibliotheksbestandes wie etwa Handschriften, Inkunabeln und rarifizierte Frühdrucke waren bereits 1939 in verschiedene Depots ausgelagert worden und überdauerten so die Zerstörung des Gebäudes.
Heute noch vorhandenes NS-Raubgut befindet sich in jenen Beständen, die sofort nach dem Bombenangriff und mit finanzieller Unterstützung durch die zuständigen Reichs- und Landesbehörden für einen späteren Wiederaufbau erworben wurden.
Eine handschriftlich geführte Steilkartei als Standortkatalog für die Periodika, die nach dem Bibliotheksbrand neu begonnen wurde, bildet den Zeitschriftenbestand weitgehend korrekt ab, enthält allerdings nur fallweise Lieferantendaten. Die Akzessionsjournale, die nach Erwerbungsart getrennt (Kauf, Geschenk, Pflicht) den jewei¬ligen Lieferanten nennen, liefern für den Zugang der Jahre 1942–1945 in nur wenigen Einzelfällen ergänzende Informationen. Somit ermöglichen die vorhandenen Verzeichnisse nur für einen Teil der Neuerwerbungen die Ermittlung von Herkunftsnachweisen. Die Provenienzklärung und die Ermittlung von NS-Raubgut in den für das Projekt ausgewählten Zeitschriftenzugängen von 1942-1945 ist auf die systematische Autopsie der Bände auf verdächtige Provenienzhinweise hin angewiesen.
Um die Tatsache zu belegen, dass die BLB wie andere Kulturgut verwahrende Institutionen von Beschlagnahmungen und Entwendungen profitierte, müssen zusätzlich die Akten der Bibliothek und die Unterlagen anderer Landesbehörden und Dienststellen in Bezug auf Abgabe- und Übernahmevorgänge gesichtet werden.
Falls Erben oder Rechtsnachfolger ermittelt werden können, ist geraubtes jüdisches Eigentum oder geraubtes Eigentum anderer politisch verfolgter Personen oder Institutionen zu restituieren.
Die BLB wird ihre Rechercheergebnisse zu verdächtigen Provenienzen in der Looted Cultural Assets-Datenbank dokumentieren. Auf diesem Weg werden die gewonnenen Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gleichzeitig wird eine vertiefte Kooperation zwischen den Provenienzforschung betreibenden Bibliotheken ermöglicht.
Zur Vorstellung des Projektes, der laufenden Arbeiten und der Ergebnisse wird auf Tagungen und Konferenzen oder durch Publikationen und im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bücherfunde in der Lounge“ berichtet.

© Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Februar 2020