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Provenienzforschung zu Werken aus dem Bestand der graphischen Sammlung des Deutschen Theatermuseums, die im Zeitraum zwischen 1936 und 1940 in Auktionen der Auktionshäuser Helbing und Weinmüller in München erworben worden sind

Zuwendungsempfänger Deutsches Theatermuseum (München) Bundesland Bayern Website Provenienzforschung Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Mai 2018 bis April 2020

Beschreibung

Nach der Restitutionsforderung der Erben Michael Berolzheimers im Jahr 2012 konnte das Deutsche Theatermuseum durch Provenienzrecherchen im Jahr 2014 zwei graphische Blätter restituieren. Informationen aus annotierten Auktionskataloge ließen 2016 sieben graphische Objekte aus dem graphischen Bestand des DTM als aus der Sammlung Siegfried Lämmle stammend erkennbar werden. Nach Sachverhaltsprüfung und Kontaktaufnahme mit den Erben beabsichtigt das Deutsche Theatermuseum derzeit auch diese 7 Objekte an die Erben zu restituieren. In beiden Fällen wurden die Graphiken in einer Auktion von Weinmüller des Jahres 1937 erworben und gaben so Anlass zu proaktiver Provenienzforschung. Diese richtet sich gezielt auf den eingegrenzten Zeitraum von 1936 bis zum Kriegsende. Die erste Auswertung unseres Zugangsjournals der Jahre 1936 bis 1944 ließ eine auffällige Häufung von Ankäufen erkennen, die im Zusammenhang mit den Namen „Helbing“ bzw. „Weinmüller“ stehen. Sie betrifft Ankäufe in insgesamt 12 Auktionen. Wie inzwischen hinreichend bekannt, musste der als jüdisch denunzierte und durch die Nürnberger Gesetze ausgegrenzte Kunsthändler Hugo Helbing die Tätigkeit seines Auktionshauses schon 1936 drastisch einschränken. Meike Hopp stellte in ihrer Publikation über Weinmüller (2012) dar, dass Adolf Weinmüller die Abwicklung des Kunsthandels Hugo Helbings seit 1936 zu seinem Nutzen gestaltete. Hinsichtlich der vorliegenden und andauernden Forschung zu beiden Auktionshäusern und ihren Betreibern verfolgt das Projekt den Ansatz, die in unserem Zugangsbuch als Ankäufe aus diesen Häusern herausgefilterte Objektgruppe systematisch auf ihre Provenienzen zu prüfen. Übergeordnetes Ziel ist die Erforschung der Herkunft und der Umstände des Erwerbs dieser Zugänge, die Klärung von NS-verfolgungsbedingtem Entzug bzw. der Zusammenhänge von Zwangs- und Notverkäufen jüdischer Bürger, an denen Auktionshäuser beteiligt waren.

Dazu sollen die Originale des beziffer- und benennbaren Bestand von ca. 358 Objekten nach Herkunftshinweisen untersucht, das hauseigene Quellenmaterial im Deutschen Theatermuseum gesichtet und ausgewertet sowie andere Quellen (Durchsicht von Auktionskatalogen und (Sichtung von Akten im Bayerischen Staatsarchiv und anderen Münchner Archiven, im Bundesarchiv Koblenz, in Berliner Archiven) herangezogen werden. Unter ca. 358 herausgefilterten Objekten, die in Auktionen der Auktionshäuser Helbing und Weinmüller angekauft wurden, befinden sich 59 Bücher/Bände, 298 graphische Objekte (darunter ein umfangreicher ins 17. Und 18. Jahrhundert zu datierender Blattbestand) sowie ein Ölgemälde. Derzeit ist die Herkunft von 349 Objekten (97,5 %) für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 nicht eindeutig geklärt, es bestehen Provenienzlücken oder die Provenienz ist nicht zweifelsfrei unbedenklich. Die Herkunft dieser Objekte muss weiter erforscht werden. Für 9 Objekte (2,5%) ist die Provenienz für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 eindeutig belastet.

Die in einer Datenbank gesammelten Ergebnisse sollen sukzessive im Austausch mit anderen Forschungsstellen (u.a. Meldung der betreffenden DTM-Objekte bei lost Art, Austausch mit dem Arbeitskreis Provenienzforschung und dem Forschungsverbund Provenienzforschung Bayern) kommuniziert und erweitert werden.

© Deutsches Theatermuseum, Januar 2019