Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Provenienzforschung "Armbruster Sammlung"

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Domäne Dahlem - Landgut und Museum (Berlin) Bundesland Berlin Website http://www.domaene-dahlem.de/museum/aktuelle-projekte/provenienzforschung/ Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Februar 2014 bis Januar 2015
  2. Februar 2015 bis Januar 2016
  3. Februar 2016 bis Juli 2016

Beschreibung

Im Jahr 2012 wurden der Domäne Dahlem vom Förderkreis der Naturwissenschaftlichen Museen Berlins die letzten Objekte aus einer kulturhistorisch bedeutenden naturwissenschaftlichen Sammlung übergeben: es handelt sich um bienenkundliche Objekte, die der Wissenschaftler Ludwig Armbruster seit 1923 am Institut für Bienenkunde in Berlin-Dahlem zusammengetragen hatte. Bereits 1934 wurde er aufgrund seines regimekritischen Verhaltens zwangspensioniert. Er protestierte gegen die „Braunhemden“ an der Universität, arbeitete mit Bienenforschern in Palästina zusammen und unterstützte jüdische Emigranten bei der Ausreise. Die bienenkundliche Sammlung verblieb am Dahlemer Institut und wurde von seinem Nachfolger, dem „SS-Ahnenerbe“-Mitglied, Werner Ulrich fortgeführt.

Bei näherer Beschäftigung mit den an die Domäne Dahlem gelangten Gegenständen, stellten sich folgende Fragen: Woher stammen die Objekte, die nach 1934 an das Institut für Bienenkunde gelangten? Unter welchen Bedingungen wurden sie Bestandteil der Sammlung? Welche Objekte stammen aus der Ursprungssammlung von Ludwig Armbruster und wurden sie ihm NS-verfolgungsbedingt entzogen?

Das Projekt untersuchte die Vorgänge am Institut für Bienenkunde vor und während der Zeit des Nationalsozialismus und konnte diese Fragen zum Teil klären.

Die verfügbaren Quellen ermöglichten es weitestgehend die Sammlungszugänge in die Zeit vor 1934 und danach zu kategorisieren. Dieser Arbeitsschritt war ein aufwendiger Rekonstruktionsprozess, der vor allem aufgrund einer umfangreichen historischen Fotosammlung aus dem Besitz Armbrusters erst möglich war. Für 65 % der untersuchten Objekte ergab sich ein gesicherter Zugang vor 1934.

Bei den Sammlungszugängen nach 1934 hat sich der Anfangsverdacht, dass es einen nationalsozialistisch motivierten Sammlungsauftrag gab, nicht erhärtet. Auch die Mitgliedschaft Werner Ulrichs in der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe der SS stand in keinem nachweisbaren Zusammenhang mit der Sammlungstätigkeit am Institut für Bienenkunde.

Die genauen Zugangsumstände der zu Kriegszeiten gesammelten Objekte ließen sich trotz intensiver Recherchen nicht rekonstruieren. Bekannt ist jedoch, dass von einem Institutsmitarbeiter Objekte in besetzten Gebieten, unter anderem Polen und Frankreich, gesammelt wurden. Ob es sich dabei um Raubgut handelt, ist nicht zu verifizieren. Dies mag auch dem Aspekt geschuldet sein, dass die gesammelten Objekte eher als Alltagsgegenstände betrachtet wurden und zum Zeitpunkt des Sammelns keinen nennenswert höheren Wert darstellten.

Die Frage, ob Armbruster die Sammlungsbestände NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden, lässt sich mit relativer Sicherheit verneinen. Anders verhält es sich möglicherweise mit seiner Korrespondenz, die jedoch nicht Bestandteil dieser Untersuchung war.

© Domäne Dahlem - Landgut und Museum, Oktober 2016