Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

NS-Raubkunst in den Beständen der Görlitzer Sammlungen

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur, Kulturhistorisches Museum Bundesland Sachsen Website http://www.museum-goerlitz.de/ Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Juli 2016 bis Juli 2017

Beschreibung

Von Juli 2016 bis Juli 2017 untersucht das zu den Görlitzer Sammlungen gehörende Kulturhistorische Museum Görlitz systematisch alle Neuzugänge aus den Eingangsjahren 1933 bis 1945 hinsichtlich ihrer Provenienz und Erwerbungsumstände. Bisher wurden solche Recherchen nur punktuell im Zusammenhang mit Restitutionsverfahren der Jahre 1999 und 2000 getätigt. Durch diese früheren Forschungen sowie durch Sondierungen in Vorbereitung des laufenden Projekts ergaben sich zahlreiche weitere Verdachtsfälle. Dabei rücken bedeutende Sammlungen jüdischer Kunstsammler wie jene von Carl Sachs, Leo Smoschewer und Wilhelm Perlhöfter in Breslau (Wrocław), von Adolph List in Magdeburg oder von Max Pinkus in Neustadt/Oberschlesien (Prudnik) in den Blick, aus denen während der NS-Zeit Objekte für die Vorgängerinstitution des Kulturhistorischen Museums erworben wurden. Im Rahmen des Projekts werden umfangreiche Quellen vor Ort, vor allem die lückenlos erhaltenen historischen Inventarunterlagen sowie die überlieferten Verwaltungsakten ausgewertet. Ergänzend werden einschlägige Quellenbestände im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, im Staatsarchiv Breslau (Archiwum Państwowe we Wrocławiu) sowie im Stadtarchiv Leipzig herangezogen. Gleichzeitig muss den umfangreichen Kriegsverlusten des Museums im Rahmen der Untersuchungen Aufmerksamkeit geschenkt werden, da vermutlich zahlreiche Objekte, zu denen im Rahmen der Inventarauswertung der Verdacht eines unrechtmäßigen Erwerbs nachgewiesen werden kann, nicht mehr im Bestand des Kulturhistorischen Museums vorhanden sind, eine systematische Bestandsrevision nach 1945 aber nicht erfolgt ist. Alle noch in Görlitz vorhandenen Sammlungsobjekte, bei denen sich im Laufe der Recherchen der Verdacht eines unrechtmäßigen Erwerbs erhärtet hat bzw. nicht gänzlich ausgeräumt werden konnte, sollen im Anschluss an die Forschungsarbeit in der Lost Art-Datenbank veröffentlicht werden.

© Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur, Kulturhistorisches Museum, März 2017