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Arnold Blome, Heinrich Glosemeyer und Hugo Oelze – drei Bremer Kaufleute und ihre Rolle im Kunsthandel von 1933 bis 1972. Provenienzforschung an der Kunsthalle Bremen

Zuwendungsempfänger Kunsthalle Bremen Bundesland Bremen Website Provenienzforschung Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner
  • Dr. Dorothee Hansen
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionStellvertretende Direktorin
    Telefon: +49 (0) 421 329 082 60
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilhansen@kunsthalle-bremen.de
Projekttyp Langfristiges Projekt zur Prüfung von Sammlungsbeständen und Kontextforschung Projektlaufzeit
  1. Dezember 2010 bis Dezember 2011
  2. Januar 2012 bis Dezember 2012
  3. Januar 2013 bis Dezember 2013

Beschreibung

Von Arnold Blome (1894 – 1972), Heinrich Glosemeyer (1896 – 1969) und Dr. Hugo Oelze (1892 – 1967) erwarb die Kunsthalle Bremen während der Zeit des Nationalsozialismus und bis in die spätere Nachkriegszeit zahlreiche, teilweise sehr wertvolle Kunstwerke. Dabei handelt es sich meistens um Ankäufe, insbesondere nach dem Krieg aber auch um großzügige Schenkungen und Vermächtnisse.

Ziel des Forschungsprojekts war es, für jedes der untersuchten Kunstwerke eine lückenlose Besitzerabfolge für die Zeit nach 1933 nachzuweisen. Auf diese Weise sollte überprüft werden, ob sich darunter Kunstwerke befinden, die während des Nationalsozialismus unrechtmäßig enteignet worden sind oder unter politischem Druck veräußert werden mussten.

Die Biografien und Sammlerprofile der drei Männer spiegeln die Geschichte des Museums während des
2. Weltkrieges und der Nachkriegszeit wider. Darüber hinaus bieten sie einen interessanten Einblick in den Kunsthandel dieser Jahre mit seinen regionalen, nationalen und internationalen Verflechtungen.

Arnold Blome (1894 – 1972)

Der Kunsthändler, Sammler und Künstler Arnold Blome verkaufte insgesamt sechs Gemälde, eine Skulptur und 541 Ar-beiten auf Papier, größtenteils Handzeichnungen des 19. Jahrhunderts, an die Kunsthalle Bremen. Nach dem Tod seiner Ehefrau Helene 1946 machte er dem Museum zudem 32 Gemälde und 82 Handzeichnungen als „Ver-mächtnis Helene & Arnold Blome, Bremen“ zum Geschenk.

Arnold Blome im Alter von ca. 65 Jahren in seiner Wohnung im Bremer Ostertor-Viertel Arnold Blome im Alter von ca. 65 Jahren in seiner Wohnung im Bremer Ostertor-Viertel Arnold Blome im Alter von ca. 65 Jahren in seiner Wohnung im Bremer Ostertor-Viertel Quelle:  Kunsthalle Bremen

Erste Forschungsergebnisse

Insgesamt lässt sich in Bezug auf den Gemäldebestand Blome in der Kunsthalle Bremen festzustellen, dass nach heutigem Wissensstand kein konkreter Verdacht auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug festzustellen ist.

Unter den 45 Handzeichnungen und Aquarellen, die Blome zwischen 1933 und 1940 im Auftrag der Kunsthalle Bremen auf verschiedenen Auktionen, wie 1938 bei Weinmüller in München (Sammlung Michael Berolzheimer und Sammlung Siegfried Lämmle) und 1933 bei Perl in Berlin (Sammlung Curt Glaser) ersteigert hatte, befanden sich hingegen sieben Papierarbeiten, die nachweislich aus Sammlungen stammten, deren jüdische Eigentümer während der NS-Zeit verfolgt wurden. Dabei handelt es sich vorwiegend um italienische und französische Zeichnungen aus dem 17. – 19. Jahrhundert.

Im April 2013 wurde die Zeichnung Rückenfigur einer Frau im faltigen Gewande von Giacomo Cavedone (1577–1660), an die Erben des ursprünglichen Eigentümers Dr. Michael Berolzheimer restituiert. Die übrigen sechs Zeichnungen aus den Sammlungen Berolzheimer, Siegfried Lämmle und Curt Glaser waren während des 2. Weltkriegs auf Schloss Karnzow in Brandenburg ausgelagert und werden seitdem als kriegsbedingte Kulturgutverluste der Kunsthalle vermisst. Ihre Suchmeldungen in der Lost Art-Datenbank wurden entsprechend der Provenienzen aus den jüdischen Sammlungen aktualisiert.

Heinrich Glosemeyer (1896 – 1968)

Von dem Bremer Großhandelsvertreter für Süsswaren Heinrich Glosemeyer erwarb das Museum zehn wertvolle Gemälde, fünf davon als Geschenk.

Schreiben von Heinrich Glosemeyer an die Kunsthalle Bremen vom 15. April 1953 Schreiben von Heinrich Glosemeyer an die Kunsthalle Bremen vom 15. April 1953 Schreiben von Heinrich Glosemeyer an die Kunsthalle Bremen vom 15. April 1953 Quelle:  Kunsthalle Bremen

Hugo Oelze (1892 – 1967)

Der Jurist Hugo Oelze stammte aus einer angesehenen Bremer Kaufmannsfamilie und lebte seit den 1920er-Jahren in Amsterdam, wo er im engen Kontakt zu seiner Heimatstadt Bremen mit Kunst handelte und seine private Sammlung aufbaute. Neben dem Verkauf eines Gemäldes und der Schenkung einer Plakette vermachte er dem Museum nach seinem Tod fünf bedeutende Gemälde.

Hugo Oelze in seiner Wohnung in Amsterdam, 1950er Jahre Hugo Oelze in seiner Wohnung in Amsterdam, 1950er Jahre Hugo Oelze in seiner Wohnung in Amsterdam, 1950er Jahre Quelle:  Kunsthalle Bremen

Informationen zu den untersuchten Gemälden und Skulpturen sind im Online-Katalog der Kunsthalle Bremen abrufbar.

Prinzipien, Methoden und aktuelle Ergebnisse der Provenienzforschung werden durch regelmäßige museumspädagogische Veranstaltungen wie Führungen, Kunstpausen und Vorträge auch dem breiten Publikum vermittelt. Die spezielle Fort- und Weiterbildung in diesem Arbeitsbereich für Praktikanten, Volontäre und Restauratoren ist der Kunsthalle Bremen ein wichtiges Anliegen.

Die Ergebnisse der Kontextforschung zu den drei Bremer Sammlern und die ausführlichen Einzelfall-Analysen zur Provenienz der Kunstwerke wurden in einer Ausstellung der Kunsthalle Bremen mit Begleitkatalog im Herbst 2014 präsentiert.

Dr. Brigitte Reuter

Veröffentlichung

Online-Katalog. Provenienzforschung an der Kunsthalle Bremen. Kunsthalle Bremen. [Link]

Ausstellung

Eine Frage der Herkunft. Drei Bremer Sammler und die Wege ihrer Bilder im Nationalsozialismus. 22. Oktober 2014 bis 4. Januar 2015. [Link]

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