Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Projekt zur systematischen Überprüfung nach NS-verfolgungsbedingt entzogenen Gemälden

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Kunsthalle Bremen Bundesland Bremen Website Provenienzforschung Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner
  • Dr. Dorothee Hansen
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionStellvertretende Direktorin
    Telefon: +49 (0) 421 329 082 60
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilhansen@kunsthalle-bremen.de
Projekttyp Langfristiges Projekt zur Prüfung von Sammlungsbeständen und Kontextforschung Projektlaufzeit
  1. April 2014 bis Januar 2015
  2. April 2015 bis April 2016
  3. Mai 2016 bis April 2017

Beschreibung

Das Forschungsprojekt überprüft den Gemäldebestand der Kunsthalle Bremen, um die dringende Frage zu klären, ob sich darunter Werke befinden, die während des Nationalsozialismus ihren Eigentümern verfolgungsbedingt entzogen wurden.

Als vorrangiges Ergebnis wird ein strukturierter und statistisch fundierter Überblick in Form von Fallgruppen zum Provenienzstatus erarbeitet. Insbesondere geht es darum, diejenigen Kunstwerke mit einer bedenklichen Herkunft zu definieren und in einem daran anschließenden weiteren Arbeitsschritt detaillierte Einzelfallanalysen zu erarbeiten und gegebenenfalls die Restitution des Kunstwerks einzuleiten.

Seit März 2013 ist der komplette Gemäldebestand der Kunsthalle Bremen erstmals online zugänglich: http://www.kunsthalle-bremen.de/sammlung/online-katalog/ .

Damit veröffentlicht die Kunsthalle auch sämtliche Gemälde, die sie während des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit erworben hat und entspricht so einer der grundlegenden Forderungen der Berliner Erklärung (1999). Diese Datenbank wird als eine der ersten Online-Kunstsammlungen die aktuellen Forschungsergebnisse über vorausgegangene Eigentumsverhältnisse der Werke zur Verfügung stellen.

Der zu untersuchende Gemäldebestand von 614 Werken teilt sich wie folgt auf:

Erwerbungen von 1933 – 1944 (NS-Zeit) 114 Gemälde
Erwerbungen von 1945 – 1972 (Nachkriegszeit) 315 Gemälde
Erwerbungen von 1973 – 2012 (Gegenwart) 185 Gemälde

Etwa ein Drittel der Erwerbungen stammen aus dem Kunsthandel. Dabei handelt es sich erfahrungsgemäß um eine Erwerbungsgruppe, die besonders kritischer Überprüfung bedarf. Die meisten Gemälde stammen jedoch aus Privatbesitz, häufig von Mitgliedern des Kunstvereins, der Träger der Kunsthalle ist. Teilweise handelt es sich dabei um alten Familienbesitz, der bereits seit Jahrzehnten in der Kunsthalle als Leihgabe für Ausstellungen oder über Publikationen anzutreffen ist. Ebenso häufig lassen sich jedoch auch Hinweise dafür finden, dass die Kunstwerke aus Privatbesitz erst nach 1933 im Kunsthandel erworben wurden. Besonders brisant erscheinen in diesem Zusammenhang die Erwerbungen einiger Bremer Privatsammler in besetzten Ländern wie Frankreich und den Niederlanden von 1940-44.
Das geplante Forschungsvorhaben steht im direkten inhaltlichen Zusammenhang mit dem AfP-Projekt Arnold Blome, Heinrich Glosemeyer und Hugo Oelze – drei Bremer Kaufleute und ihre Rolle im Kunsthandel von 1933 bis 1972, das im Dezember 2013 erfolgreich abgeschlossen wurde. Dessen Forschungsergebnisse bieten eine ideale Grundlage und bestmögliche Voraussetzung zur Einschätzung des Erwerbungsprofils der übrigen seit 1933 erworbenen Gemälde der Kunsthalle Bremen.

Dr. Brigitte Reuter

© Kunsthalle Bremen