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Provenienzrecherche zu dem Gemälde „Badende“ von Erich Heckel im Kunstmuseum Bonn

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Kunstmuseum Bonn Bundesland Nordrhein-Westfalen Website http://www.kunstmuseum-bonn.de/ Ansprechpartner
  • Dr. Volker Adolphs
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionAusstellungsleiter und Kurator
    Telefon: +49 (0) 228 776 225
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilvolker.adolphs@bonn.de
Projekttyp Kurzfristiges Projekt aufgrund von aktuellem Recherchebedarf Projektlaufzeit
  1. Oktober 2019 bis Januar 2020

Beschreibung

Im Sammlungsbestand des Kunstmuseum Bonn befindet sich seit November 1968 das 1914 entstandene Gemälde „Badende“ von Erich Heckel (1883-1970). Das Landschaftsgemälde zeigt im Vordergrund vier weibliche Akte an einem Strand, drei stehend, einer sitzend. Der Bildhintergrund wird von einem tiefblauen Meer, welches in einer ebenso tiefblauen Landschaft mündet, dominiert.
Die Städtischen Kunstsammlungen, Bonn (heute: Kunstmuseum Bonn) erwarben das Gemälde im November 1968 von dem Düsseldorfer Kunsthändler Wilhelm Großhennig (1893-1983). Ein auf dem rückseitigen Keilrahmen des Gemäldes angebrachtes Klebeetikett verweist auf die Herkunft aus der Sammlung von Wilhelm R. Valentiner, Detroit. Der deutsche Kunsthistoriker und Museumsdirektor Wilhelm Reinhold Valentiner (1880-1958) hatte schon früh Kontakte in die USA und war seit 1924 Direktor des Detroit Institute of Arts. Ein weiteres Klebeetikett auf der Rückseite deutet auf die Leihgabe des Gemäldes aus der Sammlung Valentiner für eine Ausstellung: „Museum of Modern Art Loan 51.1231 Detroit Valentiner“. Bislang unbekannt ist, seit wann sich das Gemälde von Erich Heckel in der Sammlung Valentiner befand und zu welchem Zeitpunkt Valentiner das Werk verkauft hat.
Im Rahmen der Ankaufsverhandlungen hatte auch Wilhelm Großhennig die Städtischen Kunstsammlungen auf die Herkunft des Gemäldes aus der Sammlung Valentiner hingewiesen. Über die weiteren Besitzverhältnisse vor Valentiner beziehungsweise Großhennig besitzt das Kunstmuseum Bonn keinerlei Unterlagen.
Das kurzfristige Forschungsprojekt zur Provenienz des Gemäldes ist vor allem deshalb notwendig, weil sich mit Schreiben vom 6. April 2019 der Ururenkel des jüdischen Sammlers und Bankiers Hugo Simon (1880-1950) an das Kunstmuseum Bonn gewandt hat und das Museum um Auskunft zur Provenienz des Heckel-Gemäldes ersucht hat. Hugo Simon floh mit seiner Ehefrau im März 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten über die Schweiz nach Paris, und von dort 1941 weiter nach Brasilien. Da ein früheres Eigentum von Hugo Simon an dem Gemälde „Badende“ nicht ausgeschlossen werden kann, das Museum aber bislang über keine detaillierten Kenntnisse zur Provenienz verfügt, die diese Annahme bestätigen oder widerlegen, wurde eine weitergehende Recherche zu dem Gemälde nötig, vor allem um dem Auskunftsersuchen des Erben nachkommen zu können.

© Kunstmuseum Bonn, 11.2019