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Provenienzerschließung Sammlung Kunstmuseum Stuttgart

Zuwendungsempfänger Kunstmuseum Stuttgart Bundesland Baden-Württemberg Website http://www.kunstmuseum-stuttgart.de/Provenienzforschung am Kunstmuseum Stuttgart Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Juli 2014 bis Juni 2016
  2. Juli 2016 bis Juni 2017

Beschreibung

Ausgangsfragen und Zielsetzungen des Projektes

In der Zeit vom 1.7.2014 bis zum 30.6.2017 hat das Kunstmuseum Stuttgart erstmals damit begonnen, die Herkunftsgeschichte seiner Werke zu untersuchen. Das längerfristige Ziel ist die systematische Prüfung der Provenienzen der ab 1933 erworbenen und bis 1945 entstandenen Kunstwerke und die Ermittlung verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts. Für die insgesamt dreijährige Förderungszeit musste das Vorhaben eingegrenzt werden. Kriterien der Bearbeitungsreihenfolge waren die Dringlichkeit der Fälle und die Erwerbschronologie.

Aus dem ersten genannten Grund wurden die Werke von Otto Dix prioritär behandelt. Zum einen gab es dort bei einzelnen Arbeiten Verdachtsmomente. Zum anderen ist gerade dieser Sammlungsteil als Sammlungsschwerpunkt des Museums und anerkannter „bedeutendster geschlossener Bestand an Arbeiten auf Papier und Gemälden“ von Otto Dix stark in den internationalen Leihverkehr eingebunden.1 Dabei galt das Hauptaugenmerk zunächst den Gemälden, aber auch den Zeichnungen.

Um am Ende des Projekts die Möglichkeit einer aussagekräftigen Bilanz zu eröffnen, wurden die Untersuchungen in der Reihenfolge der Erwerbschronologie am sonstigen – durch regionale Bezüge charakterisierten – Gemäldebestand fortgesetzt, zunächst für den Erwerbungszeitraum 1933-1945. Vereinzelt wurden Kunstwerke, vornehmlich Gemälde, auch außerhalb dieses Erwerbungszeitraums berücksichtigt, wenn bereits Verdachtsmomente vorlagen oder im Zuge von Leihanfragen ermittelt wurden, aber auch umfangreichere Quellenauswertungen dies als sinnvoll erscheinen ließen.

Im Laufe der drei Projektjahre ist es – trotz extrem lückenhafter Quellenlage – gelungen, einen Großteil des Bestands der Dix-Gemälde und der zwischen 1933 und 1945 erworbenen Gemälde nach festgelegten Prüfkriterien zu untersuchen, zu Werken und zentralen Personen Informationen zusammenzutragen und zu weiterführenden Forschungsergebnissen zu kommen.

Projekt in Zahlen

Von den 437 eingestuften Kunstwerken, überwiegend Gemälden, erwiesen sich bislang
als unbedenklich: 96 (21,97 %)
als nicht eindeutig geklärt: 325 (74,37 %)
als bedenklich: 16 ( 3,66 %)
als eindeutig belastet: 0 ( 0,00 %)
Da die Recherche in vielen Fällen, vor allem aus Gründen der äußerst schwierigen Quellenlage, nicht als abgeschlossen betrachtet werden kann, ist die Statistik nur als eine Zwischenbilanz anzusehen.

Relevante handelnde historische Personen und Institutionen in Auswahl:

- Combé, Hermann (Kunsthändler)
- Cuhorst, Fritz (Kulturreferent)
- Dix, Otto (Künstler mit umfangreichem Netzwerk)
- Greiner, Otto (Kunsthändler)
- Hartmann, Paul (Kunsthändler)
- Hirrlinger, Firma (Kunsthandel/Photogeschäft)
- Kern & Co., Verlag (Verlag/Kunsthandel)
- Keuerleber, Eugen (Direktor der Galerie der Stadt Stuttgart)
- Krieg, Gotthilf (Kaufmann/Kunstsammler)
- Roth, Karl (Regulierungsbeamter/Kunstsammler)
- Schaller, Kunsthaus (Kunsthandel)
- Valentien, Fritz (Kunsthändler)
- Wunderlich, Albert (Kaufmann/Handelsvertreter/Kunstsammler/Maler)

Transparenz

Mehrfach wurden Führungen und Vorträge veranstaltet, um die Öffentlichkeit über die Arbeit der Provenienzforschung am Kunstmuseum Stuttgart zu informieren.

In die aktuelle Neuplanung der Dauerausstellung wird die Provenienzforschung einbezogen. Für eine Reihe von Gemälden, insbesondere von Otto Dix, wurden entsprechende Objekttexte erstellt, die über die jeweilige Provenienzgeschichte Auskunft geben.

Die Fortsetzung der Provenienzforschung am Kunstmuseum Stuttgart wird angestrebt, und damit die weitere Vermittlung der laufend erarbeiteten Forschungsergebnisse. Es wurden bereits konkrete Schritte eingeleitet, um auf eine längere Stellenfinanzierung hinzuwirken.

© Kunstmuseum Stuttgart, Oktober 2017