Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Provenienzrecherche/-forschung Kunstsammlung Jena

Zuwendungsempfänger Kunstsammlung Jena Bundesland Thüringen Website http://www.jena.de/sixcms/detail.php?id=75201&_nav_id1=58181&_lang=de Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Januar 2014 bis Januar 2015
  2. Januar 2015 bis Dezember 2015
  3. Februar 2016 bis Januar 2018

Beschreibung

Ausgangsfragen und Zielsetzungen

Die Kunstsammlung Jena hat erstmals im Jahr 2014 die Möglichkeit genutzt, die eigenen Bestände systematisch auf ihre Provenienz zu untersuchen. Aufbauend auf die Sammlung des Jenaer Kunstvereins, die dieser in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zusammentragen konnte und die später in den Besitz des Stadtmuseums überging, befinden sich heute Werke unterschiedlichster Herkunft im Besitz der Kunstsammlung.
Die Provenienzrecherche soll nicht nur Gewissheit darüber verschaffen, ob sich Werke aus NS-Raubgut unter den Sammlungsgegenständen befinden. Vielmehr soll auch der Kenntnisstand über die eigene Sammlung erweitert und bestehende Wissenslücken hinsichtlich der Umstände und des Zeitpunktes der einzelnen Zugänge geschlossen
werden.

Projekt in Zahlen

Die Kunstsammlung Jena besitzt heute etwa 4.000 Werke, bestehend aus 400 Gemälden, 3.400 Arbeiten auf Papier sowie etwa 200 plastische Werken und Multiples. Aus diesem Konvolut konnten bereits ca. 2.900 Arbeiten von der Recherche ausgeschlossen werden, da sie entweder nach 1945 angefertigt wurden oder vor 1933 in die Sammlung gelangten. Den größten Anteil der noch unter Verdacht stehenden Arbeiten machen Werke aus privater Herkunft durch Schenkung, Nachlass oder Ankauf aus. Hierbei handelt es sich um 428 Arbeiten. Die Herkunft der übrigen Werke setzt sich wie folgt zusammen: 160 Arbeiten aus dem Bestand des ehemaligen Kunstvereins, 213 Arbeiten aus staatlichem Eigentum, 33 Arbeiten aus altem Museumsbesitz, 9 Arbeiten aus der Sammlung des Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (ZIMET), die seit 1992 von den städtischen Museen Jena verwaltet werden, 121 Arbeiten aus dem Kunsthandel und 110 Arbeiten aus unbekannter Herkunft. Darüber hinaus gibt es Arbeiten, die auf unterschiedlichstem Wege in das Museum gelangten, wie etwa durch Tausch mit anderen Museen, als Schenkung von der Volkshochschule oder des Stadtarchivs.

Relevante historische Personen und Institutionen

Unter den Kunstwerken gibt es einen großen Anteil, der von Privatpersonen aus dem Jenaer Raum an das Museum gegeben wurde – im Rahmen einer Schenkung, aus Nachlässen oder durch Ankauf von Seiten des Museums. Daneben ist, vor allem im Hinblick auf die Sammlung des Kunstvereins, der Geschäftsführer des Kunstvereins von 1936 bis 1940, Werner Meinhof, eine Schlüsselfigur. Dieser war nicht nur NSDAP-Mitglied, sondern auch verantwortlich für eine fragwürdige Ankaufs- und Anschaffungspolitik. Von weiterem Interesse sind Galerien, von denen die Kunstsammlung Jena bis Anfang der 2000er Jahre kontinuierlich Werke erworben hat, darunter die Kunsthandlung Kühl aus Dresden und die Galerie am Sachsenplatz in Leipzig.

Transparenz

Sollte aus den Recherchearbeiten hervorgehen, dass sich in der Kunstsammlung Jena Werke mit belasteter Provenienz bezüglich NS-Raubkunst zwischen 1933 und 1945 befinden, werden Schritte zur Auffindung von Erbanspruchsberechtigen eingeleitet sowie eine Meldung in der Lost Art Datenbank vorgenommen. Darüber hinaus werden die Ergebnisse der Untersuchung in einem noch zu veröffentlichenden Werkverzeichnis der Kunstsammlung Jena präsentiert.

© Kunstsammlung Jena, Februar 2015