Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Provenienzforschung der vor 1945 geschaffenen Werke im Bestand der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf Bundesland Nordrhein-Westfalen Website http://www.kunstsammlung.de/forschen/provenienzforschung.html Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Erschließung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. September 2009 bis August 2010
  2. September 2010 bis August 2011
  3. November 2011 bis September 2012

Beschreibung

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ist mit ihrer Gründung 1961 ein verhältnismäßig junges Museum für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Alle Erwerbungen erfolgten in der Zeit nach 1945. Unter ihrem ersten Direktor Werner Schmalenbach existierte in den 1960er bis 1980er Jahre ein für die Zeit relativ ausgeprägtes Bewusstsein für Provenienzfagen, auch wenn diese noch nicht im Sinne der Provenienzforschung, wie sie heute etabliert ist, bearbeitet wurden. Nach der Washingtoner Erklärung setzte ab 1999 eine Intensivierung der Provenienzforschung mit eigenen Kräften in der Person der Sammlungskuratorin ein. Sie konzentrierte sich auf die Zeit von 1933 bis 1945. Hierbei ging es vornehmlich um Einzelfälle wie z. B. 2002 das Gemälde Drei Katzen, 1913, von Franz Marc. Das vorliegende Restitutionsersuchen erwies sich durch die Recherchen als unbegründet. Die Ergebnisse wurden im museumseigenen Periodikum veröffentlicht.

Da es sich jedoch bald zeigte, dass eine systematische Erforschung des Bestände auf ihre Provenienzen zwischen 1933 und 1945 vonnöten war und die eigenen Kräfte bei der Vielzahl und Komplexität der Fälle nicht ausreichten, wurden in den Jahren 2009-2012 zwei ausgewiesene Provenienzforscherinnen auf einer Stelle eingestellt. Ermöglicht wurde dies mit wesentlicher Unterstützung durch Bundesmittel in Form von zwei Projekten 2009 bis 2012 beziehungsweise 2010. Ziel der Erforschung war im ersten Projekt eine Prüfung des Gesamtbestandes von 179 Kunstwerken im Hinblick auf die Besitzverhältnisse zwischen 1933-1945. Hierbei handelt es sich zum überwiegenden Teil um Gemälde. Das zweite Projekt war einer umfangreicheren Recherche zu den 98 Arbeiten von Paul Klee, einschließlich der zahlreichen Arbeiten von Paul Klee, dem Grundstock der Sammlung, gewidmet. Dies nicht zuletzt deshalb, weil seit 2009 Restitutionsbegehren für zwei Werke von Klee vorlagen.

Durch die Recherchen beider Projekte konnten in 146 Fällen die Provenienzen weitgehend und abschließend geklärt, das heißt ein verfolgungsbedingter Verlust ausgeschlossen werden. Bei 33 Kunstwerken sind die Eigentumsverhältnisse zwischen 1933 und 1945 noch nicht lückenlos belegt und werden weiterhin geprüft. Bei acht Arbeiten hiervon liegt nach dem bisherigen Forschungsstand eine tendenzielle Belastung vor. Weitere Recherchen sind erforderlich. Diese erfolgten und erfolgen durch zeitlich befristete Rechercheaufträge an ausgewiesene Provenienzforscherinnen zu einzelnen Werken und bestimmten Fragekomplexen beziehungsweise durch eine dauerhafte Beratung und gegebenenfalls Recherche einer weiteren Forscherin auf Honorarbasis. Bis dato hat noch keine Restitution stattgefunden. Die Recherchen zu den beiden Werken, für die Restitutionsbegehren vorliegen, nähern sich dem Abschluss.

Was die Transparenz ihrer Provenienzforschung angeht, hat die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2012 alle Arbeiten, die Lücken in der Provenienz zwischen 1933 und 1945 aufweisen, in der Lost Art-Datenbank veröffentlicht. Darüber hinaus werden seit 2013 kontinuierlich alle Arbeiten mit ihren Provenienzen auf der eigenen Website ins Netz gestellt. Seit 2012 beteiligt sich die Kunstsammlung zusammen mit 14 weiteren Museen am Internetprojekt www.Alfred-Flechtheim.de, in dem unter anderem die Provenienzen jener Kunstwerke in den teilnehmenden Museen aufgeführt sind, die im Zusammenhang mit diesem Kunsthändler und Sammler gestanden haben.

Veröffentlichung

Sammlung Online

www.alfredflechtheim.com

© Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Stand: 1. Dezember 2014