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Gemälde, Skulpturen, „Hollandmöbel“ Provenienzforschung am Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg Bundesland Niedersachsen Website http://www.landesmuseum-ol.de/ueber-das-museum/forschung/provenienzforschung.html Lost Art-Meldung zur Fundmeldung der Einrichtung Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Erschließung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Oktober 2012 bis September 2013
  2. Oktober 2013 bis September 2014
  3. Oktober 2014 bis September 2015

Beschreibung

Das mit den Mitteln der Staatsministerin für Kultur und Medien geförderte, langfristige Projekt zur systematischen Erschließung von Sammlungsbeständen mit dem Titel „Gemälde, Skulpturen, ‚Hollandmöbel’. Provenienzforschung am Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg“ hatte eine Gesamtdauer von drei Jahren und erstreckte sich über den Zeitraum vom 1. Oktober 2012 bis zum 30. September 2015. Grundlage des Projektes waren die bereits im Vorfeld vorgenommenen strukturellen Vorarbeiten und Vorrecherchen, die ab Februar 2011 im Rahmen der Qualifizierungsmaßnahme „Musealog“1 und einer Anschlussfinanzierung des Landes Niedersachsen für ein Jahr erfolgen konnten.
Die Erwerbungen der Jahre von 1933 bis 1945 wurden im Hinblick auf Anzeichen verfolgungsbedingter Erwerbungszusammenhänge überprüft, wobei nur einige besonders auffällige Eingänge gewissenhafter untersucht werden konnten. Die systematische und detaillierte Herkunftsüberprüfung aller übrigen Erwerbungen steht noch aus. Mit Projektbeginn wurde die Arbeit an den „Kernjahren“ eingestellt und sich gemäß der Themenstellung den folgenden Forschungsschwerpunkten gewidmet:

Untersuchung des Gemälde- und Skulpturenbestandes des Landesmuseums

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden die vor 1945 entstandenen und im Zeitraum von 1945 bis 1966 erworbenen Gemälde hinsichtlich ihrer Herkunft überprüft. Der gewählte Zeitraum geht auf das Bestandsverzeichnis „Gemäldegalerie Oldenburg“ von Herbert Wolfgang Keiser zurück, in welchem der Gemäldebestand des Landesmuseums bis 1966 verzeichnet ist. Einen Schwerpunkt stellten zum einen die Bilder der klassischen Moderne dar, die in diesen Jahren vermehrt erworben wurden – zweifelsohne auch, um die durch die Aktion „Entartete Kunst“ entstandenen Lücken zu schließen. Zum anderen wurde dem „Vermächtnis Helene und Arnold Blome“ besondere Aufmerksamkeit zuteil, mit welchem 35 Gemälde in die Sammlungen des Landesmuseums eingingen.
Darüber hinaus wurde der Skulpturenbestand des Landesmuseums auf den Prüfstand gestellt, wobei auch hier im Interesse einer systematischen Überprüfung die Eingangsjahre 1945 bis 1966 zugrunde gelegt wurden.

Untersuchung des Möbelbestandes des Landesmuseums

Angesichts der geografischen Lage Oldenburgs und der daraus resultierten Bedeutung von Stadt und Region während des Zweiten Weltkriegs wurden die Möbeleingänge der Jahre 1940 bis 1945 zum einen auf die Existenz sogenannter „Hollandmöbel“ untersucht, die möglicherweise im Rahmen der „M-Aktion“ in die hiesigen Sammlungen eingingen. Diese Annahme resultiert u. a. aus der Tatsache, dass die Stadt und das Land Oldenburg nachweislich zwischen 1942 und 1945 als Sammelstellen für „Hollandmöbel“ dienten. Zum anderen wurde nach Objekten gesucht, die aus der „Aktion 3“ stammen, also auf städtischen und regionalen sogenannten „Judenauktionen“ erworben wurden.

Vermittlung und Ausbildung

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg engagiert sich seit über vier Jahren mit einer bis heute erfolgreichen Vermittlungsarbeit dafür, Wege und Ergebnisse der Provenienzforschung einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen. So war es auch Anspruch des Projektes, didaktische Methoden zu entwickeln, um mit Museumsführungen, Fachvorträgen, Seminaren und Workshops sowohl interessierte Besucherinnen und Besucher des Landesmuseums als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses sowie Auszubildende zu erreichen. Wie kann Provenienzforschung im Museum für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht und vor dem Hintergrund historischer und aktueller Debatten in Politik und Gesellschaft vermittelt werden? Darüber hinaus wurde und wird mithilfe der Vermittlungsarbeit das Ziel verfolgt, die Provenienzforschung als Arbeitsmethode in die Sammlungsbereiche zu implementieren und dauerhafte Strukturen zu schaffen, die gewährleisten, dass die Provenienzforschung am Landesmuseum Oldenburg als ein selbstverständlicher Bestandteil der musealen Arbeit fungiert.
Auch der Ausbildungsaspekt ist von großer Bedeutung für die Provenienzforschung am Landesmuseum Oldenburg. So erhalten Auszubildende im Rahmen des Volontariats, des Studienpraktikums und der Fortbildung „Musealog“ regelmäßig Einführungen in die Provenienzforschung und werden in Rechercheprozesse mit einbezogen. Seit 2012 besteht außerdem eine Kooperation zwischen dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und der Carl von Ossietzky Universität, die es Studierenden ermöglicht, Theorie und Praxis der Provenienzforschung während des Studiums kennenzulernen.

1 Musealog ist eine achtmonatige Fortbildung zur/zum Fachreferenten/-in für Sammlungsmanagement und Qualitätsstandards in Museen und wird vom Verein zum Erfassen, Erschließen und Erhalten der historischen Sachkultur im Weser-Ems-Gebiet e.V. angeboten. Vgl. http://www.musealog.de.

Veröffentlichung

Herkunft verpflichtet! : Die Geschichte hinter den Werken. Katalog zur Ausstellung. Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg. Oldenburg, 2017.

Ausstellung

Herkunft verpflichtet! : Die Geschichte hinter den Werken. Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg. 04.11.2017 - 25.02.2017 [Link]

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