Website of the German Lost Art Foundation

Jüdisches Eigentum in nichtjüdischen Haushalten - Herausforderung für die deutschen (nichtstaatlichen) Museen

funding area Nazi confiscated art Grant recipient Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (München) State Bavaria Website https://www.museen-in-bayern.de/die-landesstelle/projekte/provenienzforschung.htmlForschungsverbund Provenienzforschung Bayern Contact person Project type Long-term project Funding duration
  1. June 2019 to October 2020

Description

Das meiste verfolgungsrechtlich entzogene Kulturgut ist zwischen 1933 und 1945 nicht in öffentliche Institutionen gelangt, sondern in private nichtjüdische Haushalte. Die historische Forschung hat dies als den größten Eigentumstransfer in der Geschichte beschrieben. Hunderttausende oder gar Millionen Alltagsgegenstände – Bettwäsche, Ess-Service, Handtücher, Möbel oder Kleidung – konnten vor allem nach Beginn der Massendeportationen auf öffentlichen Versteigerungen erworben werden. Der illegitime Eigentumstransfer umfasste das gesamte Spektrum der deutschen nichtjüdischen Gesellschaft: jede soziale Schicht, jede Altersgruppe, jedes Geschlecht und jede Region. Das Forschungsprojekt wird einerseits untersuchen, in welchem Ausmaß dieses verfolgungsbedingt entzogene Kulturgut in Privathaushalte gewandert ist. Es will andererseits darstellen, wie die neuen Besitzer/innen mit ihren Erwerbungen umgegangen sind und ob der Besitz und das Wissen um das Schicksal der rechtmäßigen Eigentümer diesen Umgang beeinflusste.

Die Gegenstände befinden sich heute vielfach noch in den Familien, mittlerweile in der dritten oder vierten Generation. Immer häufiger werden diese Objekte an lokale Museen herangetragen. Dies geschieht vielfach anonym, weil die Scham über den langjährigen Besitz offensichtlich nicht ab-, sondern tendenziell eher zugenommen hat. Die Objekte werden deshalb zunehmend zu einer Angelegenheit für die öffentlichen Einrichtungen, da gerade die kleinen, städtischen oder jüdischen Museen als geeignete ‚neutrale‘ Anlaufstellen mit öffentlichem Auftrag und Verpflichtung betrachtet werden. Die Gegenstände besitzen in den meisten Fällen eine hochbelastete Provenienz, sodass dies die Häuser vor zusätzliche Probleme und Herausforderungen stellt, für die es noch keine geeigneten Instrumentarien und Handlungsansätze gibt.

Das Projekt wird in wechselnden nichtstaatlichen Häusern ‚Sprechstunden‘ für Privatpersonen anbieten, in denen die Geschichten der Objekte erzählt, dokumentiert und aufgearbeitet werden soll. Ziel ist es auch, faire und gerechte Lösungen für diese hochkomplexen Fälle gemeinsam mit den Museen zu erarbeiten.

© Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, July 2019