Website of the German Lost Art Foundation

Systematische Provenienzforschung für die Erwerbungen des Leopold-Hoesch-Museums zwischen 1946 und 1968

funding area Nazi confiscated art Grant recipient Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren State North Rhine-Westphalia Website http://www.leopoldhoeschmuseum.de/ Project type Long-term project to systematically investigate collection holdings Funding duration
  1. May 2015 to May 2016
  2. May 2016 to May 2018

Description

Gibt es unter den seit 1946 vom Leopold-Hoesch-Museum (LHM) erworbenen Kunstwerken NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut? Welche Erwerbungen machte das Museum 1933-1945? Wie setzte sich die Vorkriegssammlung zusammen? Das Ziel ist die systematische Erforschung der Provenienzen (Gemälde, Plastiken, Graphiken) und ihre wissenschaftliche Dokumentation

2040 Werke werden auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut untersucht. Darin eingeschlossen ist der Altbestand, soweit er ab 1933 in die Sammlung kam und noch vorhanden ist. Bis Mai 2016 wurden 505 Werke (111 Gemälde, 11 Skulpturen, 383 Arbeiten auf Papier) untersucht. Ab Februar 2016 war mit der Untersuchung der Graphiksammlung begonnen worden. Bis Mai waren 394 Werke untersucht worden, darunter 205 Blätter aus der 462 Blätter umfassenden Graphiksammlung des Dürener Sammlers Hans Beckers, die im Zeitraum 1951-1961 erworben wurde. Von allen bisher untersuchten Objekten des Untersuchungszeitraums sind 23% unbedenklich, 41% nicht zweifelsfrei unbedenklich, 2% bedenklich und 34% eindeutig belastet.

Priorität hatten zu Beginn die aktuellen zwei Restitutionsbegehren (Ernst Ludwig Kirchner, Frauen auf der Straße, Pastell, aus der Sammlung Prof. Dr. Curt Glaser, Berlin, und Heinrich Campendonk, Bild mit Tieren / Tiere, Öl/Leiwand, aus der Sammlung Alfred / Hans Hess, Erfurt). Das 1905 gegründete und vom Museumsverein und der Stadt Düren getragene LHM wurde 1944 bei Luftangriffen schwer beschädigt. Ein Großteil seiner Sammlung wurde zerstört oder ist seitdem verschollen. Nach der 1949 erfolgten Neugründung des Museumsvereins Düren wurde die Kunstsammlung durch Neuerwerbungen, Stiftungen und Schenkungen wieder aufgebaut und insbesondere eine Expressionismussammlung zusammengetragen. Beide Restitutionsbegehren sind aus diesem Bereich. Unter den ca. 50 Kunsthändlern, Galerien und Auktionshäusern, mit denen das LHM in der Vor- und Nachkriegszeit zusammenarbeitete, waren Händler, die nachweislich mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut handelten: Hermann Abels / Köln, C. G. Boerner Düsseldorf / vormals Leipzig, Karl Buchholz / Berlin, Wilhelm Grosshennig / Düsseldorf, Hildebrand Gurlitt Düsseldorf / Hamburg, Dr. Hans Helmut Klihm / München, Alexander Vömel / Düsseldorf.
Für die Graphiksammlung wurden ab 1934 Werkkonvolute u. a. auf Auktionen von Max Perl, Berlin, und C. G. Boerner, Leipzig, erworben. Sowohl in diesen als auch in der Graphiksammlung Beckers konnte Raubkunst identifiziert werden.

Vorstellung des Projekts zusammen mit Dr. Uwe Hartmann, auf einer Pressekonferenz am 06.08.2016.1 Vorstellung erster Forschungsergebnisse bei einem Pressetermin am 18.01.2016.2 Vom 04.12.2016-19.03.2017 zeigt das LHM Zwischenergebnisse des Projekts in der Ausstellung „Unsere Werte? Provenienzforschung im Dialog: Leopold-Hoesch-Museum und das Wallraf-Richartz-Museum“, an der sich das Wallraf-Richartz-Museum, Köln, beteiligt. Auf der Internetseite des LHM soll ein Link zur Provenienzforschung des Hauses eingerichtet und über die bisher identifizierten Raubkunstfälle informiert werden.

1 WDR am 06.08.2016: Silke Oettershaben, NS-Raubkunst auf der Spur. Leopold-Hoesch-Museum untersucht 600 Werke.
2 Eckhard Hoog, Leopold-Hoesch-Museum: Raubkunst-Detektiv findet Zweifelsfälle, in: „Aachener Zeitung“ am 21.01.2016.

© Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren, August 2016