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Erstellung eines Provenienzdossiers zu einem Gobelin "Römer mit zwei Gefangenen auf Wagen", um 1530 aus dem Eigentum der Max-Planck-Gesellschaft, München

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (Garching bei München) Bundesland Bayern Website http://www.ipp.mpg.de/ Ansprechpartner
  • RA Armin Scherber
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionLeiter der Abteilung Soziales und Interner Dienst
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilarmin.scherber@ipp.mpg.de
Projekttyp Kurzfristiges Projekt aufgrund von aktuellem Recherchebedarf Projektlaufzeit
  1. November 2015 bis Februar 2016

Beschreibung

In den Beständen des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in München-Garching befindet sich seit 1989 ein Gobelin mit der Darstellung einer römischen Triumphzugsszene: „Römer mit zwei Gefangenen auf Wagen - Triumphzugsszene“ (4,70 x 3,45 m), vermutlich aus einer Brügger Manufaktur, entstanden um 1530. Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik erwarb den Gobelin Ende Juli 1989 zum Preis von 20.000 DM von der Oberfinanzdirektion München. Dem Max-Planck-Institut lagen zur Provenienz des Gobelins keine zusammenhängenden Informationen vor. Bekannt war, dass der Gobelin mit der München-Nr. 44792 aus „ehemaligem Reichsbesitz“ stammte. Erst neuere Nachforschungen führten zu der Erkenntnis, dass der Gobelin für die Sammlung des von Adolf Hitler in Linz geplanten „Führermuseums“ vorgesehen war und mit der Linz-Nr. 914 in diesen Bestand aufgenommen wurde. Bekannt wurde zudem, dass sich der Gobelin bis 1940 in der Münchner Kunst- und Antiquitätenhandlung Bernheimer befand.
Nachdem sich damit aufgrund der Mitte 1939 erfolgten „Arisierung“ dieses Unternehmens Anhaltspunkte ergaben, dass es sich möglicherweise um historisch belastetes Kulturgut handeln könnte, entschloss man sich, die Provenienz des Gobelins detailliert erforschen zu lassen. Das Hauptaugenmerk des beantragten Forschungsvorhabens lag auf den bislang unbekannten Besitzverhältnissen des Gobelins in den Jahren von 1933 bis 1945 und der zentralen Frage, ob der damalige Eigentümer des Gobelins diesen unter Zwang verkauft hat, oder ob im benannten Zeitraum ein NS-verfolgungsbedingter Entzug vollzogen wurde. Im Rahmen der Recherche wurden die zum Schicksal der L. Bernheimer KG während der Herrschaft der Nationalsozialisten überlieferten Archivbestände im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, München, im Staatsarchiv, München und im Stadtarchiv München systematisch überprüft. Darüber hinaus wurden die Akten zu dem Gobelin im Bundesarchiv Koblenz eingesehen.

© Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik