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Provenienzforschung Asiatika-Sammlung Philipp Fürchtegott Reemtsma

funding area Nazi confiscated art Grant recipient Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg State Hamburg Website http://www.mkg-hamburg.de/de/das-mkg/provenienzforschung.html Lost Art-Report to the Found-Object Reports of the institution Contact person Project type Langfristiges Projekt zur Kontextforschung Funding duration
  1. May 2010 to December 2011
  2. January 2012 to December 2012

Description

Die Asiatika-Sammlung des Hamburger Tabakindustriellen Philipp F. Reemtsma (1893 – 1959) wurde innerhalb einer Kernzeit von sechs Jahren zwischen 1934 und 1940 aufgebaut und umfasste 342 überwiegend aus China stammende Kunstgegenstände. Da frühere und spätere Ankäufe jedoch nicht generell auszuschließen sind, ist der Zeitraum der Recherche innerhalb der Fachliteratur und der Auktionskataloge auf eine Zeitspanne von 1925 bis nach 1940 ausgedehnt worden. Bewegungen auf dem Kunstmarkt konnten so berücksichtigt werden. In Einzelfällen konnten Sammlungsgegenstände aus dem Kunstbesitz von Reemtsma deutlich vor ihrem Eingang in diese Sammlung ermittelt werden.

Insgesamt wurden für die Zeitspanne 1926 bis 1940 vierzehn Auktionen nachgewiesen, auf denen Objekte aus der Sammlung Reemtsma gehandelt wurden. Mit Hilfe der großenteils annotierten Kataloge in der Bibliothek des MKG, konnten acht große Sammlungen ermittelt werden, aus denen Reemtsma Asiatika erworben hat. Dazu zählen unter anderem die Bestände der Berliner Kunsthandelsfirma Dr. Otto Burchard & Co., die Sammlung von Margarete Oppenheim, die Kunstbestände des Reiseschriftstellers Georg Wegener sowie die Sammlungen des Dresdener Chirurgen Dr. Friedrich Hesse und des Berliners Ingenieurs Johannes Bousset. Während seiner aktiven Zeit als Sammler ließ Reemtsma entweder vor Ort steigern oder kaufte die aus den Auktionen in den Kunsthandel gelangten Stücke dort an.

Zu seinen Beratern zählten Martin Feddersen (1888-1964), der Leiter Ostasienabteilung im MKG und Leopold Reidemeister (1900-1987), der seit 1938 amtierende Direktor des Ostasiatischen Museums in Berlin. Reidemeister führte Reemtsma in den Berliner Kunsthandel ein, der Drehscheibe im Geschäft mit ostasiatischer Kunst. Die erste Adresse für Asiatika war China-Bohlken. Das Geschäft handelte mit Direktimporten aus Fernost und wurde von Reemtsma regelmäßig besucht. Dass er einen Großteil seiner Sammlung dort erwarb, ist zu vermuten, aber nur in zwei Fällen konnte aufgezeigt werden, dass die Auktionsware über China-Bohlken an Reemtsma weiter veräußert wurde. Die Geschäftsunterlagen der Kunsthandlung wurden 1945 bei einem Bombenangriff vernichtet. Dadurch ist der Provenienzforschung eine bedeutende Quelle verloren gegangen.

Die Asiatika verblieben nach Reemtsmas Tod 1959 in Familienbesitz. Als Gertrud Reemtsma (1916-1996) den Hamburger Kunsthändler Hans-Jörgen Heuser 1969 damit beauftragte, anlässlich des 10jährigen Todestages ihres Mannes einen Katalog zu erstellen, wurde die Sammlung erstmals publiziert. Gemäß Katalog umfasste die Sammlung 342 Positionen, von denen 304 an das Museum geschenkt worden sind. Eine Diskrepanz zur tatsächlichen Stückzahl der Sammlung ergibt sich daraus, dass manche Objekte paarweise unter einer Sammlungsnummer subsumiert worden sind. Daraus ergibt sich ein tatsächlicher Zugang von 319 Objekten. Ziel des Projektes ist es gewesen, die Herkunft dieser Kunstgegenstände zu ermitteln und im Bedarfsfall Wiedergutmachung zu leisten.

Insgesamt konnte die Provenienz von 91 Objekten der Sammlung Reemtsma geklärt oder eingegrenzt werden. Hinzu kommen 25 Museumsankäufe von Martin Feddersen aus der Abteilung Ostasien, für die im Zuge einer projektübergreifenden Recherchearbeit Herkunftsnachweise erbracht werden konnten. Drei unbelastete Ankäufe aus dem Bereich europäisches Kunstgewerbe wurden ebenfalls ermittelt. Zwei weitere Zugänge aus dieser Abteilung konnten der Sammlung List zugeordnet werden, für die jedoch noch Recherchebedarf besteht. Auf weitere Porzellane werden derzeit Ansprüche geltend gemacht. Bei zwei Stücken konnte trotz des Verdachts eines belasteten Erwerbs der Nachweis über die Ankaufsquelle nicht gesichert erbracht werden. Eine chinesische Bronze, für die gleichfalls Restitutionsbedarf ermittelt wurde, gehört zu den Kriegsverlusten des Museums. Insgesamt konnten im Zuge der Recherche für das Museum für Kunst und Gewerbe 125 Herkunftsnachweise erbracht werden. Alle ungeklärten Zugänge der Sammlung Reemtsma wurden bei Lost Art gemeldet.

© Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg