Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Systematische Erforschung der Provenienzen sämtlicher Erwerbungen der stadtgeschichtlichen Sammlung Stuttgart zwischen 1933 und 1945

Zuwendungsempfänger Museum für Stuttgart Bundesland Baden-Württemberg Website http://www.stadtmuseum-stuttgart.de/sammlung-ns.htmlSammlung im Nationalsozialismus – Provenienzforschung im Stadtmuseum Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Juni 2016 bis Mai 2017
  2. Oktober 2017 bis August 2020

Beschreibung

Ausgangsfragen und Zielsetzungen

Der 2007 gegründete Planungsstab Stadtmuseum Stuttgart ist mit der wissenschaftlichen und administrativen Verwaltung der im Eigentum der Stadt Stuttgart befindlichen dreidimensionalen Objekte der Stadtgeschichtlichen Sammlung betraut. Die Sammlung wurde 1928 mit der Gründung des Archivs der Stadt Stuttgart kontinuierlich aufgebaut. Eine Vielzahl der Objekterwerbungen fällt in die Zeit des Nationalsozialismus. Im bewilligten Förderzeitraum soll die systematische Erforschung der Erwerbungen zwischen 1933 und 1945 erfolgen, um diejenigen Objekte zu identifizieren, die unter den Verdacht von NS-verfolgungsbedingtem Entzug fallen. Ziel des Projekts ist es, die Herkunft und die Umstände ihres Erwerbs möglichst lückenlos zu klären. Die Ergebnisse sollen auch einen Beitrag zur Erforschung des Netzwerks des organisierten NS-Kulturgutraubs, insbesondere in Stuttgart, leisten.

Projekt in Zahlen

Von den über 12.000 in der Stadtgeschichtlichen Sammlung befindlichen Objekten wurden mindestens 1.401 Objekte zwischen 1933 und 1945 erworben. Bei über 2.287 weiteren Objekten wurde darüber hinaus versucht, den Erwerbszeitpunkt zu klären. Für 103 dieser Gruppe konnten Erwerbsdaten ermittelt werden, von denen 41 in die Zeit des Nationalsozialismus fallen. Dadurch ergab sich eine Objekterweiterung auf 1442 Objekte (Stand September 2016), deren Provenienzen systematisch erforscht werden sollten. Bei den übrigen 2184 konnten bis auf Weiteres keine Erwerbsdaten ermittelt werden, sie bleiben vorerst unberücksichtigt.

Bisher ermittelte Provenienzen der 1442 Erwerbungen im Zeitraum 1933-1945, Stand Mai 2017

AnzahlProzent
281,9%Die Provenienz ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 rekonstruierbar und
unbedenklich. Sie schließt einen NSverfolgungsbedingten Hintergrund aus, eine weitere Überprüfung ist nicht notwendig.
109575,95%Die Provenienz ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 nicht eindeutig geklärt, es bestehen Provenienzlücken oder ist nicht zweifelsfrei unbedenklich. Die Herkunft muss weiter erforscht werden.
34323,7%Die Provenienz ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 bedenklich, da Hinweise auf einen Zusammenhang auf einen NSverfolgungsbedingten Entzug vorliegen. Die Herkunft muss dringend weiter erforscht werden.
40,2%Die Provenienz ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 eindeutig belastet.
Neben der Suche nach heutigen Erbanspruchsberechtigen ist eine Meldung in die LostArt-Datenbank eingestellt.

Auflistung der für das Projekt relevanten handelnden Personen und Institutionen

Becker, Ernst, Einlieferer
Brenner, unbekannt, Einlieferer
Brockensammlung Stuttgart, Einlieferer
Bubser, Karl, Händler
Burger, Otto, Händler
Buttersack, unbekannt, Einlieferer
Deicher(t), unbekannt, Einlieferer
Diegenbroich, Händler
Eitel, unbekannt, Einlieferer
Fecht, unbekannt, Einlieferer
Gallion, Hanna, Einlieferer
Georgii, unbekannt, Einlieferer
Glücksmann, unbekannt, Einlieferer
Hartmann, Paul, Händler
Hempe, Lothar, Händler
Henne, unbekannt
Hezel, Karl, Händler
Kapff, unbekannt, Händler
Kaupp, Max, Händler
Klinckerfuss, Margarete, Einlieferer
Knoblauch, Jakob, Einlieferer
Krebs, Richard, Händler
Kurtz, Paul, Einlieferer
Landesgewerbemuseum Stuttgart
Luz, August Wilhelm, Händler
Meier, unbekannt, Einlieferer
Mittelstandshilfe Stuttgart, Einlieferer
Müller, unbekannt, Einlieferer
Oberle, unbekannt, Einlieferer
Oehrle, unbekannt, Einlieferer
Pfandleihanstalt Stuttgart, Einlieferer
Reichardt, unbekannt, Einlieferin
Reichardt, unbekannt, Archivmitarbeiter
Riggauer, Konrad, Händler
Roth, Julius, Einlieferer
Sauter, Karl, Händler
Schleehauf, Karl, Händler
Scholl, Eduard, Einlieferer
Starnitzki, unbekannt, Archivmitarbeiter
Straßburger, Alice
Stubenvoll, Eugen, Händler, komm. Archivdirektor
Stargardt, J. A., Händler
Stenzel, Karl, (Dr.), Archivdirektor
Valentien, F. C., Händler
Vietzen, Hermann, (Dr.), Archivdirektor
Vogler, unbekannt, Archivmitarbeiter
Von Maur, Paul, Transportunternehmen
Weise, Julius, Buchhandlung
Widmann, Antonie, Einlieferin
Widmann, unbekannt
Wohlfahrtsamt Stuttgart

Transparenz

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden auf der Website des Museums laufend präsentiert. Zudem werden auf dem Blog des Museums in regelmäßigen Abständen Beiträge zu Ergebnissen und zur Methode der Provenienzforschung veröffentlicht. Am Ende des Projekts wird ein Beitrag im Kulturund Medienbericht der Landeshauptstadt Stuttgart publiziert. Für den Beitrag wurde ein Text verfasst. Da der Erscheinungs- und der Berichtzeitraum des Kultur- und Medienberichts immer um ein Jahr versetzt ist, wird der Beitrag jedoch erst im Kultur und Medienbericht 2018 zum Berichtszeitraum 2016/2017 erscheinen.

Für die Darstellung der Ergebnisse in der künftigen Dauerausstellung wird ein spezielles Führungsformat für die Provenienzgeschichte mithilfe des Mediaguides installiert. Dafür wurde bereits ein Grundentwurf konzipiert. Zudem wurde laufend die Berichterstattung in der Presse angestrebt. Mehrfach wurden Presseanfragen beantwortet und Interviews gegeben. So wurde in der Stuttgarter Zeitung, den Stuttgarter Nachrichten, der Cannstatter Zeitung, der BILD-Zeitung sowie der SWR-Landesschau ein Beitrag über das Projekt veröffentlicht.

Veröffentlichung

Gand, Helena: Stichwort Provenienz. In: Stadtmuseum Stuttgart [Blog], 15.06.2016. [Link]
Gand, Helena: Viele Wege führen ... in die Sammlung. In: Stadtmuseum Stuttgart [Blog], 22.09.2016. [Link]
Gand, Helena: Die Suche nach Mr. Unbekannt. In: Stadtmuseum Stuttgart [Blog], 25.01.2017. [Link]

Presse

© Stadtmuseum Stuttgart, Mai 2017