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Sammlung Gervais

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Staatsgalerie Stuttgart Bundesland Baden-Württemberg Website https://www.staatsgalerie.de/sammlung/forschung/provenienzforschung.html Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner
  • Dr. Anja Heuß
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionProvenienzforschung
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAila.heuss@staatsgalerie.de
  • Dr. Ina Conzen
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionStellvertretende wissenschaftliche Direktorin
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAili.conzen@staatsgalerie.de
Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Erschließung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. August 2015 bis Juli 2016

Beschreibung

Die Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart besitzt ein Konvolut mit 143 Graphiken von Ernst Ludwig Kirchner. Gemäß dem Inventareintrag stammen die Blätter aus dem Besitz des Ehepaars Dr. Gervais (Zürich/Lyon) und gelangten 1957 über die unbekannte Académie Internationale Davos in den Besitz der Staatsgalerie Stuttgart.

Roman Norbert Ketterer veröffentlichte wiederholt die Geschichte der Sammlung Gervais (u.a. Dialoge, Bd. 1, Stuttgart 1988, S. 251f.); demnach habe die Stuttgarter Malerin Maria Lemmé (1880-1943) ab 1935 Werke von Kirchner aus deutsch-jüdischen Sammlungen dem Ehepaar Gervais in Zürich verkauft. Maria Lemmé selbst wurde 1943 im KZ Theresienstadt ermordet.

Trotz der umfangreichen Recherchen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz konnte das Ehepaar Gervais nicht identifiziert werden. Es ist ausgeschlossen, dass die Gervais‘ bereits zu Lebzeiten Kirchners eine umfassende Sammlung seiner Werke zusammengetragen haben, denn das Sammlerehepaar lässt sich in den zahlreichen überlieferten Dokumenten nicht nachweisen. Aufgrund der Rückseitennummerierung lässt sich der Umfang der Sammlung auf 924 Blätter rekonstruieren, jedoch bleibt ein Großteil der Graphiken verschollen, hier konnte nur ein Bruchteil ausfindig gemacht werden. Die Académie Internationale Davos versuchte die Sammlung bereits ab 1947 zu verkaufen. In einem Schreiben der Stadt Aschaffenburg an die Académie Internationale wird erwähnt, dass es sich um den „künstlerischen Nachlass“ Kirchners handele. Der Kirchner-Nachlass wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Deutsches Feindvermögen deklariert, und sollte durch die Schweizer Verrechnungsstelle liquidiert werden. Aufgrund der negativen Befunde zum Ehepaar Gervais ist es wahrscheinlich, dass das Sammlerehepaar eine Erfindung der nicht minder ominösen Académie Internationale war, um die Werke nach Deutschland transferieren zu dürfen.

Nach der Autopsie der Blätter lässt sich der Verdacht, dass es sich um unrechtmäßig erworbene Blätter handelt, nicht bestätigen: Keine Graphik der Sammlung ist in der Lost Art-Datenbank gemeldet, und Sammlerstempel o.ä. sind nicht vorhanden. Aus diesen Gründen schließt die Staatsgalerie einen verfolgungsbedingten Entzug der Graphiken aus.

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