Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Langfristige Aufarbeitung der frühen Sammlungsankäufe und Schenkungen der 1940er und 1950er Jahre

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Stadtmuseum Tübingen Bundesland Baden-Württemberg Website http://www.tuebingen.de/stadtmuseum/Provenienzforschung Ansprechpartner
  • Daniela Übelhör
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionWissenschaftliche Sammlungsbetreuung
    Telefon: +49 (0) 7071 400 504
Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. April 2015 bis April 2016
  2. April 2016 bis April 2017
  3. April 2017 bis April 2018

Beschreibung

In der Sammlung des Stadtmuseums Tübingen erhärten verschiedene Ankaufskonvolute Verdachtsmomente in Bezug auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Raubgut. Dabei handelt es sich um drei verschiedene Bereiche: Zum einen geht es um die regulären Eingänge ins Museum in der Zeit zwischen 1933 bis 1945, zum anderen um die Ankäufe in der unmittelbaren Nachkriegszeit der 1950er Jahre und zuletzt um Schenkungen von NSbelasteten Universitätsprofessoren Tübingens. Diese drei Konvolute gilt es sukzessive zu erschließen, um die Provenienzen der Einzelobjekte zu recherchieren und solche mit belasteter Herkunft zu ermitteln.


Zugänge zwischen 1933-1944: Bei diversen Ankäufen der 1930er und 1940er Jahren gibt es keinen Vermerk über die Provenienz in den Inventar- und Eingangsbüchern, häufig findet sich nur der Name des Verkäufers. Bei Schenkungen ist der Name des Schenkers verzeichnet, nicht aber die zurückliegende Objektgeschichte. Um nachweisen oder ausschließen zu können, dass Besitztümer in die Städtische Sammlung Tübingens eingegangen sind, die zuvor aufgrund von Druck entäußert werden mussten, wird hier intensiv nach den Vorbesitzern und dem Hintergrund der Veräußerung recherchiert.


Ankäufe nach 1945: Der Kulturamtsleiter Dr. Rudolf Huber baute nach Kriegsende eine Städtische Kunstsammlung auf und hat Anfang der 1950er Jahre vor allem
expressionistische Grafik des 19. und 20. Jahrhunderts sowie hochwertige, mittelalterliche und barocke Kunst zu teils sehr günstigen Preisen angekauft. Viele der Personen aus dem Kunsthandel, von denen Objekte gekauft wurden, sind laut der Datenbank LostArt belastet und am NS-Kunstraub beteiligt gewesen, so vor allem das Stuttgarter Kunstkabinett Ketterer, dessen Gründer neben dem Namensgeber Roman Norbert Ketterer der Kunsthistoriker Dr. Rüdiger war, der im NS-Kunstbetrieb aktiv und 1945 als Hauptbelasteter eingestuft wurde, oder auch das Kunstkabinett Klihm, dessen Eigentümer, Dr. Hans Helmut Klihm, ein Mitarbeiter von Hans Posse war, dem Leiter, der seit 1939 mit dem Aufbau des Führermuseums „Sonderauftrag Linz“ betraut war. Zum belasteten Personenkreis zählt auch
Adolf Weinmüller in München, der während der Zeit der nationalsozialistischen Regierung eine Monopolstellung im Münchner Auktionswesen hatte und der viele beschlagnahmte und geraubte Kunstwerke verkaufte.


Schenkungen von Tübinger Persönlichkeiten nach 1945: Zahlreiche Personen von Stadt und Universität waren eng mit dem Nationalsozialismus verbunden und haben gleichzeitig Schenkungen an die Städtischen Sammlungen gemacht. In diese Kategorie gehören zwei Judaica: eine bereits restituierte Thorascheibe und ein jüdisches Tuch, die in LostArt eingestellt sind. Bei vielen weiteren Schenkungen der 1950er Jahre ist selbst der Schenkende oftmals nicht genannt, und es finden sich keine weiteren Aufzeichnungen über die Objektgeschichte.

© Stadtmuseum Tübingen, Juli 2017