Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Systematische Überprüfung von Eingängen der 1960er bis zu den 1990er Jahren: Ankäufe beim Kunst- und Buchhandel, auf Flohmärkten sowie von Tübinger Privatpersonen

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Stadtmuseum Tübingen Bundesland Baden-Württemberg Website http://www.tuebingen.de/stadtmuseum/Provenienzforschung Ansprechpartner
  • Daniela Übelhör
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionWissenschaftliche Sammlungsbetreuung
    Telefon: +49 (0) 7071 400 504
Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. April 2018 bis April 2019
  2. November 2019 bis Oktober 2020

Beschreibung

In Tübingen begann die kritische Aufarbeitung des Nationalsozialismus erst in den 1970er Jahren und ist bis heute nicht abgeschlossen. Schon vor der Machtübernahme Adolf Hitlers war ein antisemitisches Klima in der Stadt und der Universität verbreitet und es gab mehr NSDAP-Wähler als im Reichsdurchschnitt. 1933 lebten unter den circa 20.000 Einwohnern Tübingens etwa 100 jüdische Bürgerinnen und Bürger.

Im Zusammenhang mit der in der Pogromnacht 1938 geplünderten und zerstörten Synagoge steht eine bis 2011 im Besitz des Stadtmuseums befindliche Thorascheibe. Sie wurde in die Datenbank Lost Art eingestellt und konnte den Nachfahren mittlerweile zurückgegeben werden. Doch ist die Frage aufgetreten, ob es mehr Gegenstände aus jüdischem Besitz im Bestand des Stadtmuseums gibt, die NS-Raubgut sind.

Das Stadtmuseum erfasst den Bestand in der Museumsdatenbank Primus, jedoch sind die Informationen zur Objektgeschichte in zahlreichen Fällen sehr lückenhaft. Durch die Förderung des Zentrums für das Projekt „Langfristige Aufarbeitung der frühen Sammlungsankäufe und Schenkungen der 1940er und 1950er Jahre“ (2015–2018) wurden bereits viele Lücken geschlossen. Unter anderem wurde auch Auktionshäusern und Privatpersonen, von denen Kunst nach 1945 erworben wurde und die in den NS-Kulturgutraub involviert waren, nachgegangen. Solche Ankäufe ziehen sich bis in die 1990er Jahre. Auch bei den Ankäufen aus dem regionalen Kunsthandel erhärten sich Verdachtsmomente. Die Untersuchung der Eingänge ab den 1960er Jahren bis in die 1990er Jahre ist daher Bestandteil dieses Projekts.

Seit Förderungsbeginn im April 2018 wurden die Sichtung der insgesamt ca. 1.500 zu prüfenden Objekte und die Vervollständigung der Informationen in der Sammlungsdatenbank zu weiteren Hinweisen auf Vorbesitzer begonnen. Die Suche nach den Einzelobjekten schließt sich an. Die geplante Sonderausstellung „Abgestaubt! Museumsschätze erzählen Geschichten“ und der zugehörige Katalog stehen kurz vor dem Abschluss; die Ausstellung wird noch im Rahmen des ersten Förderungsjahres am 8. Februar 2019 eröffnet. Im zweiten Förderungsjahr schließen sich die weitere Sichtung der Objekte, die Recherche nach Vorbesitzern und Kunsthändlern in einschlägigen Archiven und die abschließende Auswertung der Ergebnisse an.

© Stadtmuseum Tübingen, April 2019