Website of the German Lost Art Foundation

Provenienzrecherche zu Otto Dix Bildnis Max John, 1920

funding area Nazi confiscated art Grant recipient Städtische Museen Freiburg (Freiburg im Breisgau) State Baden-Wuerttemberg Website http://www.freiburg.de/pb/,Lde/265394.html Contact person
  • Christiane Grathwohl-Scheffel M.A.
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionWissenschaftliche Mitarbeiterin/Provenienzforschung, Museum für Neue Kunst/Städtische Museen Freiburg
    Telephone: +49 (0) 761 201 2586
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilchristiane.grathwohl-scheffel@stadt.freiburg.de
Project type Kurzfristiges Projekt aufgrund von aktuellem Recherchebedarf Funding duration
  1. June 2009 to August 2009

Description

Otto Dix
Bildnis Max John, 1920
Öl auf Pappe
63 x 43 cm
Wvz. 1920/16

Seit 1959 befindet sich das „Bildnis Max John“ in den Städtischen Museen Freiburg. Es wurde in der 33. Auktion des Stuttgarter Kunstkabinetts von Roman Norbert Ketterer aus der Sammlung Dr. Conrad Doebbeke angeboten. In dieser Auktion wurde es vom Städtischen Augustinermuseum ersteigert. 1985 fand es seinen Platz im Museum für Neue Kunst, das sich in diesem Jahr aus der Sammlung des Augustinermuseums als Städtischem Museum für Moderne und zeitgenössische Kunst gegründet hatte. Das Bildnis nahm – gleichsam als Fokus der Abteilung expressionistischer und neusachlicher Malerei – seit damals einen zentralen Platz in der ständigen Sammlungspräsentation ein.

Ausgelöst durch eine Anfrage der Erbin des Dresdner Sammlers Dr. Fritz Salo Glaser begannen 2004 die ersten Recherchen zur Provenienz des Bildes. Der Hinweis auf einen Dresdner Ausstellungskatalog von 1929, in dem das Bild erstmals mit der entsprechenden Besitzerangabe aufgeführt ist, belegte seine Herkunft aus der Sammlung Glaser eindeutig. Als die Erbin 2007 ihre Rückgabeforderung an die Stadt Freiburg formulierte, war die entscheidende Frage für alle weiteren Überlegungen, welchen Weg das Bild seit seiner ersten Erwähnung 1929 genommen hatte. Trotz weiterer Nachforschungen beider Seiten konnte die Provenienz nicht restlos geklärt werden. So blieb bis heute unklar, wann das Bild in den Besitz von Conrad Doebbeke kam. Die Kopie eines im Nachlass aufgetauchten undatierten Brieffragments Glasers, das auf Grund seiner Anmerkungen zum Kriegsverlauf und zur Zerstörung deutscher Städte mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 1942 und 1944 entstanden ist, gibt jedoch einen Hinweis. In diesem Brief schreibt Glaser von der Absicht, das Bild zu verkaufen, und äußert die Hoffnung, bereits einen möglichen Käufer gefunden zu haben. Weitere Hinweise auf einen genaueren Zeitpunkt und die Verkaufssumme fehlen. Die schwierigen Lebensumstände Glasers als Jude im Nationalsozialismus machen jedoch einen verfolgungsbedingten Verkauf wahrscheinlich.

Zu diesem Schluss kommt die externe Provenienzforscherin in ihrem umfangreichen Gutachten, das - zusätzlich zu den eigenen Recherchen – von der Stadt Freiburg in Auftrag gegeben wurde. Das Gutachten endet mit der Empfehlung, im Sinne der „Washingtoner Konferenz“ von 1998 und der sich darauf beziehenden gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände von 1999 zu verfahren und einen fairen und gerechten Ausgleich herbeizuführen. Die Stadt Freiburg sah sich daher in der Verpflichtung, einen solchen Ausgleich herzustellen. In Verhandlungen mit der Erbin von Dr. Fritz Salo Glaser gelang es, eine für beide Seiten ausgewogene und interessengerechte Lösung zu finden. So bleibt das „Bildnis Max John“, eines der wichtigsten Werke von Otto Dix, nicht zuletzt Dank der substantiellen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder sowie der Ernst von Siemens Kunststiftung nun auf Dauer im Museum für Neue Kunst und damit der Stadt Freiburg und einer breiten Öffentlichkeit erhalten.

© Museum für Neue Kunst