Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Provenienzrecherche zum Gemäldebestand der Modernen Galerie

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Saarlandmuseum Saarbrücken Bundesland Saarland Website https://www.kulturbesitz.de/ Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Juni 2015 bis Mai 2016
  2. Juni 2016 bis Mai 2017
  3. Juli 2017 bis Januar 2019

Beschreibung

In den Beständen der Modernen Galerie des Saarlandmuseums finden sich heute rund 220 Gemälde aus dem Entstehungszeitraum vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1940er Jahre. Das Projekt untersucht die Eigentumsgeschichte der Gemälde vor und während der Jahre der NS-Herrschaft in Europa. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der 1980 an das Museum übergegangenen Privatsammlung Kohl-Weigand. Bei den 125 Werken des vormaligen saarländischen Privatsammlers Kohl-Weigand handelt es sich vor allem um Arbeiten von Künstlern des Südwestens: Max Slevogt, Albert Weisgerber und Hans Purrmann. Laut Auskunft der Voreigentümer und nach bisherigem Forschungsstand haben sich zu dieser Sammlung keinerlei Ankaufsunterlagen erhalten.

Mehrfach hat sich bereits erwiesen, dass Kohl-Weigand offenbar auch aus NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kunstbesitz gekauft hat. Dies erbrachten aufwendige Untersuchungen, die in Zusammenhang mit mehreren im Laufe der letzten Jahre an das Saarlandmuseum herangetragenen Bitten um Provenienzabklärung erfolgten. In einigen Fällen mündeten diese Recherchen in Restitutionen an die Rechtsnachfolger der ursprünglichen Eigentümer. Mit der aktuell betriebenen Provenienzrecherche geht die systematische Erschließung und Auswertung des umfangreichen Privatarchivs Kohl-Weigand einher, das wie die Kunstwerke in den Besitz des Saarlandmuseums übergegangen ist.

Im Verlauf der ersten beiden Projektjahre konnte bereits für die eigentumsgeschichtlich brisantere Hälfte der insgesamt 220 Objekte ein abschließendes Ergebnis der Provenienzprüfung erzielt werden. Im Falle von belasteten Werken ist eine Kontaktaufnahme mit den rechtmäßigen Eigentümern erfolgt. Die am Saarlandmuseum betriebene Provenienzforschung und ihre Resultate werden ab November 2017 im Rahmen einer Ausstellung und einer begleitenden Publikation dem Museumspublikum vorgestellt.

Im dritten Förderjahr geht es bei der Untersuchung schwerpunktmäßig um rund 95 Bilder, die aus dem europäischen – größtenteils deutschen – Kunsthandel angekauft wurden, davon 75 Objekte während der 1950er Jahre. Die Ankaufsunterlagen sind in der Regel im Archiv des Saarlandmuseums bzw. im Landesarchiv Saarbrücken erhalten. Jedoch fehlen bislang oftmals Kenntnisse über die Vorbesitzer und die Einlieferer bei den jeweiligen Kunsthändlern.

Die Untersuchung soll nun Sicherheit über die Eigentumsgeschichte der zu prüfenden Werke erbringen. Weiterhin werden die Forschungen zur Provenienz kontinuierlich in das wissenschaftliche Bestandsverzeichnis der Gemälde der Modernen Galerie eingearbeitet und in Sammlungskatalogen publiziert.

© Saarlandmuseum Saarbrücken