Website of the German Lost Art Foundation

Damen-Sekretär, Fa. Spindler, ehemals Besitz Fa. Altkunst

funding area Nazi confiscated art Grant recipient Stiftung Stadtmuseum Berlin State Berlin Website http://www.stadtmuseum.de/Provenienzforschung Contact person
  • Dr. Martina Weinland
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionDirektorin Abt. Sammlung, verantwortlich für Provenienzrecherche
    Telephone: +49 (0) 30 240 02 167
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilweinland@stadtmuseum.de
Project type Short-term project to investigate matter of current interest Funding duration
  1. September 2014 to November 2014

Description

Es handelt sich um einen Schrägklappen-Damensekretär, der in Berlin und Potsdam als Damenschreibtisch typisch für die Zeit um 1770 war. Für das zierliche Möbel wurde als Blindholz Palisander und Weißbuche verwendet; die Innenaufteilung ist in Zeder gearbeitet. Beim Furnier wurden verschiedene Obsthölzer verarbeitet, die gebeizt und vielleicht auch eingefärbt waren. Die Beschläge bestehen aus ziselierter und feuervergoldeter Bronze.

Die Erben nach dem Ehepaar Jakob und Rosa Oppenheimer forderten 2013 von der Stiftung Stadtmuseum Berlin den Damensekretär (Inv. VI 20848) nach den Richtlinien der „Washingtoner Prinzipien“ als ihr Eigentum zurück.

Im April 1935 hatte das Märkische Museum, eine Vorläufereinrichtung der heutigen Stiftung Stadtmuseum Berlin, den Damensekretär auf einer Auktion bei Paul Graupe ersteigert. In der Auktion kamen Liquidationsbestände der Fa. Altkunst zum Aufruf. Die Fa. Altkunst gehörte zu einer von drei Kunsthandlungen des Berliner Margraf-Konzerns. Der Konzern wurde 1912 von Albert Loeske gegründet und sukzessive bis zu seinem Tod 1928 weiter ausgebaut. In seinem Testament bestimmte Loeske seine Lebensgefährtin Rosa Beer sowie den Geschäftsführer des Konzerns, Jakob Oppenheimer und seine Frau Rosa, zu Erben. 1928 verstarb Loeske und sein Testament wurde angefochten. Die Rechtstreitigkeiten konnten erst Anfang 1933 beigelegt werden. Der Schwiegersohn Oppenheimers und zugleich seit 1932 Geschäftsführer des Markgraf-Konzerns, Ivan Bloch, sah sich der schwierigen Aufgabe gegenüber, die 1932 vom Finanzamt geforderte Erbschaftssteuer des seit 1929 laufenden Prozesses um das Loeske Erbe von knapp 5.000.000,- Mio. RM aus dem laufenden Geschäftsbetrieb zu begleichen.
Oppenheimers emigrierten 1933 nach Frankreich. Ivan Bloch wurde deshalb in Berlin bis 1938 zur maßgeblich handelnden Person des Margraf-Konzerns. Die Geschäfte des Konzerns waren, wie er 1939 berichtete, seit der Weltwirtschaftskrise (1929) beeinträchtigt. Die Zahlung der Erbschaftssteuer brachte den Margraf-Konzern daher in Schwierigkeiten. Daher entschloss sich Bloch 1934 zur Aufgabe der drei Kunsthandlungen. Damit konnte der Bankkredit bei Jacquier & Securius Ende 1935 getilgt werden. Die Erbschaftssteuerschuld wurde ratenweise bis 1937 abgebaut. Bloch hatte damit zwischen 1933 und 1938 den Margraf-Konzern wieder rentabel gemacht. Die Verkäufe waren notwendig geworden, um die Erbschaftssteuer entrichten zu können. Sie sind unabhängig von der NS-Zeit zu bewerten. Anders verhält es sich mit dem privaten Besitz der Familie Bloch. Sie musste am 13. November 1938 aus Berlin unter Zurücklassung ihrer gesamten Habe fliehen. Der Damensekretär hatte nicht dazu gehört.

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