Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Untersuchung der 1945 aus der ehemaligen Luftkriegsakademie Gatow an die UB der TU Berlin übernommenen Bücher und Zeitschriften auf NS-Raubgut

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Bibliothek der Technischen Universität Berlin Bundesland Berlin Website http://www.ub.tu-berlin.de/Projekt: NS-Raubgutforschung Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Erschließung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. November 2012 bis Oktober 2013
  2. November 2013 bis Juni 2014
  3. November 2014 bis Oktober 2015

Beschreibung

Im November 1945 wurden der Bibliothek der Technischen Hochschule Berlin (seit April 1946 Technische Universität Berlin) durch die britische Besatzungsbehörde ca. 10.000 Bände – Bücher, Broschüren und Zeitschriften – vornehmlich naturwissenschaftlicher und technischer Literatur überstellt. Sie stammten vom Gelände der ehemaligen Luftkriegsakademie in Berlin-Gatow. Ziel des Projekts war, diese Bände im heutigen Bestand der Universitätsbibliothek der TU aufzufinden und auf NS-Raubgut zu untersuchen. Bei Abschluss des Projekts sollten die Ergebnisse der Recherchen online abrufbar sein.

Wie sich bald zeigte, waren bei weitem nicht mehr alle diese Bände in der Bibliothek auffindbar. Erfasst wurden letztendlich 2118 Bände, die bis auf die unten genannten polnischen Bände den auf dem Gelände der ehemaligen Luftkriegsakademie Berlin-Gatow lagernden Bibliotheken zuzuordnen sind. Von diesen 2118 Bänden wurden 342 als NS-Raubgut-verdächtig bewertet. Für weitere 442 ist diese Frage derzeit nicht entscheidbar. Die übrigen 1334 Bände sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als legale Erwerbungen zu betrachten.

Vorbesitzer der Bücher, Broschüren und Zeitschriften, waren – lässt man die sowjetischen und britischen Truppen bzw. Besatzungsbehörden, die das Gelände in Berlin-Gatow bei Kriegsende und im Sommer 1945 besetzten, einmal außer Acht – die Bibliotheken der Luftkriegsakademie in Berlin-Gatow, der Deutschen Akademie der Luftfahrtforschung und des Reichsamts für Wetterdienst, vereinzelt auch Privatleute, die zur Luftkriegsakademie in Berlin-Gatow einen Bezug hatten. Ein Teil der untersuchten Literatur lässt sich in seiner Herkunftsgeschichte darüber hinaus zurückverfolgen. Als Ersteigentümer hervorzuheben ist die Bibliothek des Seeflugzeug-Versuchskommandos in Warnemünde, die nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zu sammeln aufhörte und von der Bibliothek der Luftkriegsakademie 1935 ganz oder zu einem großen Teil übernommen wurde. Überdies erhielt die Bibliothek der Luftkriegsakademie ältere Militärliteratur aus anderen, nach dem Ersten Weltkrieg aufgelösten Bibliotheken, deren Bestände in der Deutschen Heeresbücherei gesammelt wurden. Durch institutionelle Vorbesitzer, nachweislich oder vermutlich durch die Reichstauschstelle vermittelt, ergänzte sie ihre Zeitschriftenreihen.

Die NS-Raubgut-verdächtige Literatur gehörte vor allem belgischen und französischen Militärbibliotheken oder wurde anderweitig in Belgien, Frankreich und den Niederlanden erworben. Zwei Zeitschriftenbände stammen aus der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften in Kiew.

Bei den Recherchen wurden überdies etwa 20 Bände aus polnischen Militärbibliotheken entdeckt, die mit großer Wahrscheinlichkeit in Polen geraubt und an das Heereswaffenamt und die Heeresgasschutz-Laboratorien in Spandau verteilt wurden und nach Kriegsende in die TH/TU Berlin gelangten.

Projektergebnisse

Veröffentlichung

Angelika von Knobelsdorff: Zuckerliteratur und Nazi-Raubgut. Mit zwei Drittmittelprojekten erforscht die Universitätsbibliothek ihre Geschichte. In: TU intern. Nr. 11/12 November 2012, S. 5

Forscher suchen nach NS-Raubgut in Unibibliothek. Deutschlandradio Kultur, Kulturnachrichten, 21. November 2012

Regine Dehnel/Cornelia Briel: Forschung nach geraubten Büchern: wie findet man sie? Vortrag und Führung im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften an der TU Berlin, 10. Mai 2014. [ Link]

Cornelia Briel/Regine Dehnel: Kriegsbeute in der Bibliothek der Technischen Universität Berlin? Der Bestand „Luftkriegsakademie Berlin-Gatow“. Vortrag auf dem 103. Deutschen Bibliothekartag in Bremen, 3. – 6. Juni 2014
[Link]

Ausrichtung des zweiten Arbeitstreffens des Arbeitskreises "Provenienzforschung und Restitution - Bibliotheken" am 13. und 14. November 2014 in der Universitätsbibliothek der TU Berlin

Regine Dehnel/Cornelia Briel (Berlin), NS-Raubgut in Bibliotheken, Museen und Archiven. Vortrag auf der Fachtagung „Wissenschaftspolitik, Forschungspraxis und Ressourcenmobilisierung im NS-Herrschaftssystem“ des Zentrums für Zeithistorische Forschung/Potsdam und des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte/Berlin, 5. und 6. Febr. 2015 im Zentrum für Zeithistorische Forschung/Potsdam

Cornelia Briei/Regine Dehnel/Jürgen Ruby: Kriegswichtig! Die Bücher der Luftkriegsakademie Berlin-Gatow (=Veröffentlichungen des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, Texte & Materialien; 15), Berlin: Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Flugplatz Berlin-Gatow 2015
[Link]

Zu Ausstellung und Publikation: Patricia Pätzold: Geraubtes Hab und Gut. Mit dem Projekt "Kriegswichtig!" konnte NS-Raubgut identifiziert werden. Ziel ist die Rückgabe. ln: TU intern. Nr. 11/November 2015, S. 10

Die Einordnung hinsichtlich NS-Raubgut, die Vorbesitzer und die Provenienzmerkmale der aufgefundenen und untersuchten Bände werden im Wissensportal Primo der Universitätsbibliothek der TU angezeigt. Die jeweilige Eintragung ist mit Fotos der Provenienzmerkmale verlinkt.

Ausstellung

KRIEGSWICHTIG! Die Bücher der Luftkriegsakademie Berlin-Gatow. Ausstellung vom 1.10.2015 bis 14.11. 2015.

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