Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Das Instrumentenmuseum der Kölner Musikwissenschaft im Netzwerk der NS-Zeit

Zuwendungsempfänger Universität zu Köln Bundesland Nordrhein-Westfalen Website http://musikwissenschaft.phil-fak.uni-koeln.de/31911.html Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Januar 2017 bis Dezember 2017
  2. Januar 2018 bis Dezember 2018

Beschreibung

Das Instrumentenmuseum des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität zu Köln hat in seiner über achtzigjährigen Geschichte viele historische, universitäre und institutionelle Wandel durchlebt.  1932 auf Bestreben von Professor Theodor Kroyer, dem ersten ordentlichen Professor für Musikwissenschaft nach der Neugründung der Universität zu Köln im Jahre 1919 etabliert, wächst die Sammlung zwischen 1932 und 1991 auf über 180 Exponate - darunter historische Streich- und Blasinstrumente, außereuropäische Instrumente und Modelle zu Unterrichtszwecken -  an. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf historischen und modernen Tasteninstrumenten, welche den größten Teil des Bestands ausmachen. Im Rahmen des Projektes soll die Geschichte und Entwicklung der Sammlung als greifbares historisches Erbe der Universität zu Köln und ihres Musikwissenschaftlichen Institutes erarbeitet werden. Im Fokus stehen hierbei die Aufarbeitung von Akquisitionen für die Sammlung in der NS-Zeit im Zusammenhang mit lokalen, nationalen und internationalen Netzwerken, sowie die Aufklärung ungeklärter Akquisitionsverhältnisse.

Ziel des Projektes ist es, die historischen Hintergründe der Instrumente der Sammlung unter besonderer Berücksichtigung der NS-Vergangenheit aufzuarbeiten, und darauf aufbauend mikropolitische Prozesse im Kontext der Arbeit öffentlicher Institutionen zu betrachten. Die Ergebnisse des Projektes sollen zum hundertjährigen Jahrestag der Neugründung der Universität zu Köln im Jahr 2019 präsentiert werden.

Anzahl der Sammlungsobjekte und Einordnung

AnzahlProzent
102~56,98 %Die Provenienz ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 rekonstruierbar und
unbedenklich. Sie schließt einen NSverfolgungsbedingten Hintergrund aus, eine weitere Überprüfung ist nicht notwendig.
77~43,02 %Die Provenienz ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 nicht eindeutig geklärt, es bestehen Provenienzlücken oder ist nicht zweifelsfrei unbedenklich. Die Herkunft muss weiter erforscht werden.
00 %Die Provenienz ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 bedenklich, da Hinweise auf einen Zusammenhang auf einen NSverfolgungsbedingten Entzug vorliegen. Die Herkunft muss dringend weiter erforscht werden.
00 %Die Provenienz ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 eindeutig belastet.
Neben der Suche nach heutigen Erbanspruchsberechtigen ist eine Meldung in die LostArt-Datenbank eingestellt.

Auflistung der für das Projekt relevanten handelnden historischen Personen und Institutionen

  • Theodor Kroyer (Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität zu Köln 1932-1938)
  • Karl Gustav Fellerer (Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität zu Köln 1939-1970)
  • Ernst Bücken (außerplanmäßiger Professor für Musikwissenschaft an der Universität zu Köln 1921-1937)
  • Georg Kinsky (Lehrbeauftragter für Musikwissenschaft an der Universität zu Köln, Kustos der Musikhistorischen Sammlung Wilhelm Heyer, Köln)
  • Oscar Schlitter (Stifter, führende Position in der Deutschen Bank und der IG Farben)
  • Fa. J. C. Neupert (Instrumentenbauer und Stifter) Kuratorium der Universität zu Köln
  • Musikhochschule Köln
  • Stadtregierung Köln
  • Verein der Freunde und Förderer der Universität zu Köln
  • Universität Leipzig
  • Musikhistorisches Museum Wilhelm Heyer, Köln
  • Dienststelle des Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP (DBFU)
  • Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR)
  • Herbert Gerigk (Leiter der Hauptstelle Musik der DBFU und des Amtes Musik im ERR)
  • M-Aktion

Transparenz

Für die Veröffentlichung der Projektergebnisse soll im Rahmen der 100-jährigen Neugründung der Universität zu Köln ein bebilderter wissenschaftlicher Katalog der Sammlung erscheinen. Darüber hinaus soll eine online-Präsenz in Form einer digitalen Forschungsplattform die Sammlung für die Öffentlichkeit zugänglich machen und weitere Forschung auf dem Gebiet ermöglichen. Dazu soll auch die angelegte Datenbank integriert werden, um die vorliegenden Materialien soweit möglich und zulässig zu veröffentlichen. Diese virtuelle Forschungsplattform sowie der Katalog entstehen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Digital Humanities (Prof. Dr. Øyvind Eide) sowie dem Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln (Prof. Dr. Ekaterini Kepetzis). Dazu soll jeweils ein Seminar in Kooperation mit den beiden Instituten angeboten werden, in denen Studierende Konzepte für die Präsentation der Sammlung sowie die Darstellung und inhaltliche Vernetzung der Projektergebnisse erarbeiten können.
Neben diesen Veröffentlichungen soll in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Köln (Prof. Gerald Hambitzer) auch eine physische Ausstellung einzelner Instrumente organisiert werden, in deren Rahmen Konzerte gespielt werden sollen.

© Universität zu Köln, November 2017