Website of the German Lost Art Foundation

Bereitstellung von archivischen Quellen aus deutschen, französischen und englischsprachigen Archiven für die deutsche und internationale Provenienzforschung zu Kunstschutz und Kunstraub im Zweiten Weltkrieg

Grant recipient Vereinigte Adelsarchive im Rheinland e.V. Pulheim (Pulheim-Brauweiler) State North Rhine-Westphalia Website http://www.afz.lvr.de/de/archivberatung/adelsarchive_1/vereinigte_adelsarchive_im_rheinland/vereinigte_adelsarchive.html Contact person Project type Langfristiges Projekt zur Grundlagenforschung Funding duration
  1. September 2016 to August 2018
  2. September 2018 to December 2019

Description

Zum Kontext des Privatnachlass Franziskus Graf Wolff Metternich:
Franziskus Graf Wolff Metternich (1893-1978) war von 1940 bis 1943 Leiter des bei der Militärverwaltung (OKH - Oberkommando des Heeres) angegliederten deutschen militärischen Kunstschutzes, sein Stellvertreter und Vertrauter Bernhard von Tieschowitz (1902-1968) wurde sein Nachfolger. Im Nachlass befinden sich neben dem persönlichen Nachlass Wolff Metternichs (und in Fragmenten ein Nachlass Tieschowitz) auch Arbeitsakten des Kunstschutzes, die in engen Absprachen derselben ab 1943 von Paris nach Bonn ins rheinische Amt für Denkmalpflege verschickt worden sind.
Dieser bislang nicht greifbare zentrale Archivbestand zum Kunstschutz im Nachlass Franziskus Graf Wolff Metternich (NL FGWM) ist Teil des Familienarchivs der Grafen Wolff Metternich zur Gracht und befindet sich im Archivdepot der Vereinigten Adelsarchive im Rheinland e.V. auf Schloss Ehreshoven. Er ist über das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum in der Abtei Brauweiler (Stadt Pulheim bei Köln) einsehbar und steht der Forschung uneingeschränkt zur Verfügung.

Projektgegenstand:
Ziel des Projekts ist die Erstellung eines archivischen Sachinventars zur wesentlichen Überlieferung des Kunstschutzes im Zweiten Weltkrieg, das die ergänzenden Archivquellen in deutschen, französischen, belgischen und englischsprachigen Archiven um den zentralen Nachlass Wolff Metternich aufzeigt.
Im Fokus der Fragestellung stehen die Rekonstruktion der überlieferten Aktenpläne und die virtuelle Zusammenführung der ursprünglichen Aktenbestände sowie dementsprechend die Nachvollziehbarkeit der Arbeitsabläufe und Tätigkeit des Kunstschutzes um Wolff Metternich und Tieschowitz beim OKH, den Referaten und Mitarbeitern beim Militärbefehlshaber und in die Zusammenarbeit mit den Stellen in den Verwaltungsbezirken mit Schwerpunkt Frankreich.

Die Aufarbeitung dieser Archivalien und der Abgleich mit der Gegenüberlieferung im Rahmen eines archivischen Sachinventars sollen darüber hinaus Rückschlüsse auf Netzwerke und Strukturen des Kunstschutzes im Zweiten Weltkrieg aufzeigen. Außerdem sollen Listen der französischen Kunstschutzdepots und Hinweise auf Künstler und Kunstwerke betreffend jüdische Sammlungen herauskristallisiert werden. Dabei handelt es sich insbesondere um die Überprüfung von ca. 15 Listen in einer sogenannten „Geheimakte Bunjes“ (NL FGWM Nr. 187) und deren Quellenwert. Die Depot-Listen im Nachlass FGWM sollen erfasst werden und überprüft werden, wie diese mit der Gegenüberlieferung in den Archiven der Musées Nationaux in den Archives Nationales in Frankreich korrelieren.

Um die Vielzahl an Quellenbeständen, insbesondere aus privaten Nachlässen und der Gegenüberlieferung in zusätzlichen internationalen Archiven, einzubeziehen, wurde das Forschungsprojekt um ein drittes Projektjahr verlängert. In diesem Rahmen werden außerdem weitere inhaltliche Forschungsansätze vertieft, wichtige Quellen wie Tagebücher und Kalender erfasst sowie Interviews mit Zeitzeugen und Nachfahren geführt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Personen-Netzwerk.

Publikation des Sachinventars zum Kunstschutz:
Das Sachinventar wird als Online-Version publiziert; mit einer wissenschaftlichen Einleitung in Deutsch, Englisch und Französisch soll für die wissenschaftliche Forschung und internationale Provenienzforschung der Überblick und der Zugang zur Quellenüberlieferung wesentlich vereinfacht werden. Die wissenschaftliche Einleitung beschreibt diesen virtuell zusammengeführten „Gesamt“-Bestand zum militärischen Kunstschutz im Zweiten Weltkrieg.
In der Datenbank werden die Archive mit ihren Beständen und Unterbeständen in den entsprechenden Archivstrukturen dargestellt und themenspezifisch beschrieben. Für die Thematik relevante Akten werden inhaltlich erschlossen und in die Datenbank aufgenommen. Die Bestände und Akten werden thematisch miteinander verzahnt, so dass auch Themenkomplexe archivübergreifend dargestellt werden können. Die Volltextsuche und Indexierung nach Orten, Institutionen und Namen (wenn vorhanden auch Kunsthändler und Kunstsammler etc.) bieten eine Hilfestelle für Suchanfragen. Der gesamte Nachlass FGWM wird über die Datenbank recherchierbar sein.

Eine Druckpublikation in der Schriftenreihe der Vereinigten Adelsarchive im Rheinland e.V. wird neben der dreisprachigen wissenschaftlichen Einführung in das Sachinventar und einem thematischen Literaturverzeichnis auch die Biografien bzw. Beschreibungen der wichtigsten Akteure und Institutionen des Kunstschutzes enthalten, um die personellen Netzwerke sichtbar werden zu lassen.

Nach Projektende wird vom 19. bis 21.9.2019 eine wissenschaftliche Tagung zum Thema „Kulturgutschutz in Europa und im Rheinland: Franziskus Graf Wolff Metternich und der Kunstschutz während des zweiten Weltkriegs“ (Arbeitstitel) im LVR-Kulturzentrum Abtei Brauweiler stattfinden. Der Tagungsband wird im Anschluss publiziert.

© Vereinigte Adelsarchive im Rheinland e.V. Pulheim, August 2018