Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Provenienzrecherche zur Sammlung Wilhelm Hack und zur städtischen Sammlung

Zuwendungsempfänger Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen am Rhein Bundesland Rheinland-Pfalz Website http://www.wilhelmhack.museum/de/sammlung/forschung/provenienz/ Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. April 2016 bis April 2017
  2. September 2017 bis August 2019

Beschreibung

Ausgangsfragen und Zielsetzung

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, jene Werke in der Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums ausfindig zu machen, die ihren Eigentümern während des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogen wurden und die daher zu restituieren sind. Die Überprüfung betrifft Werke der Sammlung von Wilhelm Hack sowie der städtischen Sammlung. Das Projekt konzentriert sich zunächst auf Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen. Die Druckgrafiken werden in einem anschließenden Projekt untersucht werden.

Projekt in Zahlen

Die Gesamtzahl der zu klärenden Werke liegt bei 317 Objekten. Im Fall der Sammlung von Wilhelm Hack sind die Provenienzen von 72 Werken des Mittelalters zu klären. Hinzu kommen 61 Werke der Moderne, die Wilhelm Hack der Stadt Ludwigshafen 1973 stiftete und die Harald Hack dem Museum aus dem Erbe seines Vaters in den 1980er-Jahren verkaufte. Aus den Beständen der städtischen Sammlung konzentriert sich das Forschungsprojekt auf die seit 1954 getätigten Ankäufe und erhaltenen Schenkungen moderner Kunst. Vereinzelt wurden auch vor diesem Zeitpunkt in die Sammlung gelangte Werke in die Liste aufgenommen. Derzeit recherchieren wir die Provenienz von 184 Werken der städtischen Sammlung.

Auflistung historischer Personen und Institutionen

25 Werke konnten von der Liste gestrichen werden, da sie nach 1945 entstanden sind. Von 8 mittelalterlichen Werken und 30 Werken der Moderne konnte der Verbleib zwischen 1933 und 1945 geklärt werden. Dabei hat sich herausgestellt, dass zwei Gemälde im Zuge der Beschlagnahme der „Entarteten Kunst“ 1937 aus dem Museum Folkwang, Essen (Erich Heckel, Die Mutter, 1920) und dem Museum Behnhaus, Lübeck (Xaver Fuhr, Der Dachreiter von St. Jakobi, 1928) entwendet wurden. Bei 17 Werken bestehen konkrete Verdachtsmomente. Bei 186 Werken gibt es derzeit Anhaltspunkte, die weiter recherchiert werden können.
Zu folgenden privaten Vorbesitzerinnen und Vorbesitzern wurde recherchiert: Joseph Brassinne, Edmond Cassel, Jean Germain Léon Baron Cassel, Margarete Collin (geb. Pohl, verwitwete Weisgerber), César Domela, Dr. Düssel, Max Elkann, Hjalmar Gabrielson (Töchter: Stina Gretzer und Kerstin Gabrielson), Clara Gonzales, Gustav Grobe, Wilhelm Hack, Willy Hahn, Wilhelm Haupt, Höltje (wohnhaft in Hamburg), Edmundo Cassio Horta, Fritz und Gertrud Knoche, Dr. Peter Koch, Jeanne Kosnick-Kloss (Lebensgefährtin von Otto Freundlich), Ludwig Lehmann, Fritz M. Neißer, Hilde Ochsenbein, Pierre Alexandre Regnault, Hans von Riesen, Dr. med. Albert Rohrbach (Witwe Senta Geißler), Joseph Raphael Theodor Schall, Else Schiff (geb. Borchardt), Emil Schiff, Martin Schiff, Robert Schnell, Friedrich Wilhelm Schulze-Buxloh, Max Seidel, Louise Straus-Ernst (erste Frau von Max Ernst), Maria Wachenheim, Hubert Wilm, Ferdinand Ziersch, Sammlung Faure.
Zudem wurden Recherchen zu folgenden in Verkäufe involvierten Kunsthändlern und Auktionshäusern durchgeführt: Galerie Aenne Abels, Galerie Bassenge, Kunsthandlung Böhler, Galerie Caspari, Galerie Charpentier Paris, Galerie L’Effort moderne (Léonce Rosenberg), Galerie Günther Franke, Galerie Gmurzynska, Auktionshaus Paul Graupe, Galerie Grosshennig, Kunsthaus Heinrich Hahn, Dr. Ernst Hauswedell, Kunsthandlung Ludwig Heinrich Heilbronner, Galerie Heinemann, Kunstkabinett Roman Ketterer, Arturo López Pérez, Auktionshaus Gerd Rosen, Galerie Rosengart, Sotheby’s, Auktionshaus Tanner und Weinmüller.

Transparenz

In den in Vorbereitung befindlichen Bestandskatalogen zur Sammlung Wilhelm Hack und zur städtischen Sammlung werden die Ergebnisse der Provenienzforschung detailliert publiziert.
Anlässlich des Jubiläums des Wilhelm-Hack-Museums 2019 ist eine Sammlungspräsentation in Planung, die auch die Provenienzen der Werke thematisiert.
Bei den jährlich wechselnden Sammlungspräsentationen werden die Provenienzen auf den Schildern der Exponate veröffentlicht.
Die Protokolle der Städtischen Kunstkommission zu den zwischen 1951 und 1989 getätigten Ankäufen der Stadt Ludwigshafen listen sämtliche Angebote auf, die die Kommission jeweils besprochen hat. Nur ein geringer Teil der angebotenen Werke wurde tatsächlich durch die Stadt angekauft. In Absprache mit dem Stadtarchiv Ludwigshafen ist eine Veröffentlichung dieser Listen in Planung.
Die unter Verdacht eines verfolgungsbedingten Entzugs stehenden Werke werden in die Datenbank Lost Art eingestellt.

© Wilhelm-Hack-Museum, Juli 2017