Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Recherche nach NS-Raubgut in den Beständen der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart

Zuwendungsempfänger Württembergische Landesbibliothek Stuttgart Bundesland Baden-Württemberg Website http://www.wlb-stuttgart.de/NS-Raubgut in der Württembergischen Landesbibliothek Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Erschließung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Juni 2016 bis Mai 2017
  2. Juni 2017 bis Mai 2019

Beschreibung

Die 1765 gegründete Württembergische Landesbibliothek ist die größte wissenschaftliche Bibliothek Baden-Württembergs. Mit ihren über fünf Millionen Medien nimmt sie wichtige Aufgaben der regionalen und überregionalen Informations- und Literaturversorgung wahr.

Seit Juni 2016 untersucht die Bibliothek ihre Bestände systematisch nach NS-Raubgut. Hierfür stehen Sondermittel des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie Mittel des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste für drei Jahre zur Verfügung.

Bei einem Luftangriff im September 1944 wurde das Gebäude der Württembergischen Landesbibliothek weitgehend zerstört, dabei gingen auch so gut wie alle Erwerbungen der Jahre 1933 bis 1945 verloren. NS-Raubgut dürfte sich daher in erster Linie in den nach 1944 antiquarisch erworbenen Beständen befinden, mit denen man die verlorenen Bestände zu ersetzen versuchte. Ein Teil dieser wiederbeschafften Bestände wird im aktuellen Projekt nach Provenienzmerkmalen durchsucht.

Der zu untersuchende Gesamtbestand umfasst ca. 60.000 Bände, davon wurden bis zum 30.5.2017 schon über 33.000 Bände durchgesehen. In Anlehnung zur Farbskala des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste wurden die Provenienzmerkmale folgenden Kategorien zugeordnet: 1=geklärt kein Raubgut, 2=wahrscheinlich kein Raubgut, 3=unspezifisch, 4=verdächtig, 5=Raubgut, 6=entschädigt.

Bis jetzt kamen dabei schon Exlibris von jüdischen Vorbesitzern, Stempel von Logen oder anderen verfolgten Institutionen zutage. Darunter zum Beispiel das Hamburger jüdische Ehepaar Georg und Irma Baruch, die jüdische Stuttgarter Ärztin Hilde Adler, die Loge Johannes zum wiedererbauten Tempel Ludwigsburg und das Karl Marx-Haus-Trier.

Das Projekt und erste Ergebnisse wurden beim 6. Arbeitskreistreffen „Provenienzforschung und Restitution - Bibliotheken“ vorgestellt. Ein ausführlicher Bericht erschien im April 2017 in der hausinternen Zeitschrift „Forum“ der WLB. Auf dem 106. Bibliothekartag in Frankfurt am Main wurde das Projekt in einem Vortrag einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

© Württembergische Landesbibliothek, Juni 2017