Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Die Kunsthandlungen und Auktionshäuser von Adolf Weinmüller in München und Wien 1936-1945

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Zentralinstitut für Kunstgeschichte (München) Bundesland Bayern Website http://www.zikg.eu/forschung/provenienzforschung-werte-von-kulturguetern Ansprechpartner
  • PD Dr. Christian Fuhrmeister
    E-Mailc.fuhrmeister@zikg.eu

  • Dr. Stephan Klingen
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionLeiter der Photothek, Leiter EDV
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAils.klingen@zikg.eu
Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Erschließung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. November 2009 bis Februar 2011

Beschreibung

Das Forschungsprojekt untersucht im Rahmen einer Public Private Partnership erstmals die Geschichte des "Münchener Kunstversteigerungshauses Adolf Weinmüller", der Vorgängerinstitution des heutigen Münchener Kunstauktionshauses Neumeister.

Der Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Adolf Weinmüller im nationalsozialistischen Kunsthandel. Seit 1921 betrieb Weinmüller einen Kunsthandel; 1931 trat er der NSDAP bei. Nachdem der jüdische Kunsthändler Hugo Helbing im Jahr 1936 sein alteingesessenes Münchner Auktionshaus aufgrund der veränderten Gesetzeslage schließen musste, eröffnete Weinmüller das in den Folgejahren nahezu konkurrenzlose Münchener Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller im Leuchtenberg-Palais am Odeonsplatz. Zu seinem Kundenkreis gehörten hochrangige Funktionäre wie Martin Bormann aber auch einflussreiche Händlerkollegen wie die Galeristin Maria Almas-Dietrich, die gezielt Kunstgegenstände an den „Sonderauftrag Linz“ vermittelte. Im Jahr 1939 wurde Weinmüller von der Devisenstelle München als „Sachverständiger des Reichspropagandaministeriums für Kunstgut“ geführt.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 „arisierte“ Adolf Weinmüller das Traditionshaus der jüdischen Kunsthändlerfamilie Kende in der Rotenturmstraße 14 in Wien. Geschäftsführer des Wiener Kunstversteigerungshaus Adolph Weinmüller wurde der Kunsthistoriker Dr. Franz Kieslinger (1891-1955), einer der führenden Experten auf dem österreichischen Kunstmarkt. Kieslinger arbeitete ab 1941 als Sachverständiger für die „Dienststelle Kajetan Mühlmann“ in Den Haag.

Im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft, setzte Weinmüller seine Tätigkeit von 1948 bis zu seinem Tod im Jahr 1958 fort. Im Juli 1958 übernahm Rudolf Neumeister das Versteigerungshaus des verstorbenen Auktionators.
Das aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderte Projekt ergänzt Arbeitsvorhaben des ZI, die sich mit der Münchner Kunstszene der 1930er und 1940er Jahre beschäftigen.

Veröffentlichung

Meike Hopp: Kunsthandel im Nationalsozialismus. Adolf Weinmüller in München und Wien (Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, 30), Köln [u.a.]: Böhlau 2012.

Meike Hopp: Die Kunsthandlungen und Auktionshäuser von Adolf Weinmüller in München und Wien 1936 – 1945, in: NS-Raubgut in Museen, Bibliotheken und Archiven.

Viertes Hannoversches Symposium, Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek - Niedersächsische Landesbibliothek, hrsg. Regine Dehnel, Frankfurt am Main: Klostermann 2012 (Viertes Hannoversches Symposium ), S. 395-407.

Meike Hopp: Der Kunsthändler Adolf Weinmüller (München/Wien) und seine Rolle bei der "einheitlichen Neuregelung des Deutschen Kunsthandels", in: Kunst sammeln, Kunst handeln , hrsg. Eva Blimlinger, Monika Mayer, Wien [u. a.]: Böhlau 2012 (Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung), S. 65-77.

Fund von annotierten Auktionskatalogen der Firma Adolf Weinmüllers in München 1936-1943 und Wien 1938-1944. Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München. [http://www.zikg.eu/projekte/projekte-zi/annotierte-auktionskataloge-weinmueller]

Datenbank Kunst- und Kulturgutauktionen 1933-1945. Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg. [http://www.lostart.de/Webs/DE/Provenienz/AuktionNavRaubkunst.html]

weitere Projekte dieser Einrichtung

© Zentralinstitut für Kunstgeschichte München