Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Bücher aus der NS-verfolgungsbedingt entzogenen Bibliothek von August Liebmann Mayer in der Bibliothek des ZI

Zuwendungsempfänger Zentralinstitut für Kunstgeschichte (München) Bundesland Bayern Website http://www.zikg.eu/forschung/provenienzforschung-werte-von-kulturguetern Ansprechpartner
  • PD Dr. Christian Fuhrmeister
    E-Mailc.fuhrmeister@zikg.eu

  • Dr. Stephan Klingen
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionLeiter der Photothek, Leiter EDV
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAils.klingen@zikg.eu
Projekttyp Kurzfristiges Projekt aufgrund von aktuellem Recherchebedarf Projektlaufzeit
  1. Februar 2016 bis Juli 2016

Beschreibung

Ausgangsfrage

Im Jahre 1942 beschlagnahmte der „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ (ERR) in Paris die Privatbibliothek des jüdischen Kunsthistorikers August Liebmann Mayer (1885-1944), der 1936 von München nach Frankreich emigriert war. Seine Fachbibliothek sollte an Hermann Göring gehen, wurde dann aber vom ERR aus Luftschutzgründen nach Schloß Kogl ausgelagert, wo die Amerikaner sie fanden und in den Central Collecting Point (CCP) nach München verbrachten. Der CCP übergab die Bücher am 3. Mai 1947 an die Bibliothek des gerade gegründeten Zentralinstituts für Kunstgeschichte (siehe Anlage 7 und Anlage 8 des Antrages).
Nach ersten Recherchen durch Susanne Kienlechner und PD Dr. Christian Fuhrmeister wurde klar, dass in der Bibliothek des ZI Bücher von Mayer verblieben sind und sich bis heute dort befinden.
Es handelt sich bei Mayers Privatbibliothek um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut, für das gemäß der Washington Principles von 1998 eine „gerechte und faire Lösung“ gefunden werden muss.

Zielsetzung

Ziel des (kurzfristigen) Projekts war, Gewissheit über einzelne Bücher aus dem Besitz von August Liebmann Mayer zu gewinnen, die sich in der Bibliothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte befinden und diese zu restituieren. Besondere Eile war und ist geboten, da die (kinderlose) Tochter bereits über 85 Jahre alt ist und seit 2014 in einem Alters- bzw. Pflegeheim in Los Angeles betreut wird. Zudem hatte der von ihr beauftragte Rechtsvertreter (RA Markus Stötzel, Marburg) angedeutet, dass er gegenüber dem ZI eine Forderung auf Herausgabe von Büchern mit Provenienz Mayer erwägt.

Projekt in Zahlen

Von den derzeit rund 573.000 Büchern im Bestand der ZI-Bibliothek stammen rund 52.000 aus der Einarbeitungszeit des vom CCP übertragenen Grundstocks der Bibliothek und waren daher zu prüfen.
Systematisch und detailliert wurden im Laufe des Projekts ca. 21.000 Bücher geprüft. Sie wurden deshalb fokussiert, weil ihre thematische Ausrichtung entweder mit Mayers eigenen Veröffentlichungen oder mit den von ihm bekanntermaßen besonders intensiv bearbeiteten Forschungsfeldern korreliert.
Soweit ersichtlich, sind
- sieben Werke eindeutig als aus dem Eigentum von A. L. Mayer stammend anzusprechen und
- 16 Werke mit hinreichenden Indizien versehen, die eine Zuordnung als sehr wahrscheinlich erscheinen lassen – und daher in Abwägung aller Faktoren und entsprechend der Maßgaben der Washington Principles unseres Erachtens ebenfalls als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut anzusprechen.

Bezogen auf die Prüfmenge von rund 21.000 Bänden beläuft sich der Anteil der an die Tochter von A.L. Mayer zu restituierenden Werke somit auf 0,1 Prozent.

Transparenz

  • Projektwebsite auf der Homepage des ZI: http://www.zikg.eu/projekte/projekte-zi/buecher-aus-der-ns-verfolgungsbedingt-entzogenen-bibliothek-von-august-liebmann-mayer-in-der-bibliothek-des-zi
  • Geplante öffentliche Restitution der Bücher an den Rechtsvertreter der Erbin Angelika Mayer im Rahmen des 8. Kolloquiums zur Provenienz- und Sammlungsforschung im ZI am 30. November 2016
  • Entsprechende Eintragung im OPAC des ZI bzw. kubikat (und damit auch im Art Discovery Group Catalogue)
  • Möglicherweise Präsentation des Projekts bei der internationalen Tagung „Where are the libraries that were looted by the Nazis? Identification and restoration: a work in progress“ in Paris im März 2017 (Bewerbung auf Call for Papers wurde fristgerecht eingereicht)

weitere Projekte dieser Einrichtung

© Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Oktober 2016