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Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Pressemitteilung 18/2011 vom 06.04.2011

Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden übergibt als Raubkunst identifiziertes Gemälde an die Nachfahren der früheren Eigentümerinnen

Datum 11.04.2011

Die Ga­le­rie Neue Meis­ter der Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den hat das Ge­mäl­de „Jun­ge Da­me mit Zei­chen­ge­rät“ (auch be­kannt un­ter dem Ti­tel „Bild­nis ei­ner jun­gen Da­me“) von Chris­ti­an Vo­gel von Vo­gel­stein an die „Com­mis­si­on for Loo­ted Art in Eu­ro­pe“ als Ver­tre­te­rin der ehe­ma­li­gen Ei­gen­tü­me­rin­nen über­ge­ben.

Das 1816 in Rom ge­mal­te Bild zeigt die rot­ge­wan­de­te jun­ge Grä­fin The­kla Lu­dolf, ge­bo­re­ne Weys­sen­hoff, mit Zei­chen­block und Stift auf ei­nem Ses­sel sit­zend; im Hin­ter­grund blickt man durch ein al­ter­tüm­lich an­mu­ten­des Er­ker­fens­ter auf die ber­gi­ge Land­schaft am Golf von Nea­pel. Es han­delt sich um ein Früh­werk des spä­ter als Por­trä­tist des säch­si­schen Ho­fes und als Pro­fes­sor an der Dresd­ner Kunst­aka­de­mie be­kannt ge­wor­de­nen Ma­lers Chris­ti­an Vo­gel von Vo­gel­stein (1788-1868).

Jah­re­lan­ge in­ten­si­ve Re­cher­chen in deut­schen und ös­ter­rei­chi­schen Ar­chi­ven durch die von den Nach­fah­ren der Ei­gen­tü­me­rin­nen be­auf­trag­te „Com­mis­si­on for Loo­ted Art in Eu­ro­pe“ (Lon­don) so­wie die Be­stands­über­prü­fung der Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den im Rah­men ih­res „Daph­ne“-Pro­ve­ni­enz­for­schungs­pro­jekts er­ga­ben, dass die­ses Ge­mäl­de sei­nen Ei­gen¬tü­me­rin­nen 1938 in Wien auf­grund der ras­sis­ti­schen Ver­fol­gung jü­di­scher Bür­ger ent­zo­gen wor­den war. Über ei­ne Wie­ner Händ­le­rin kam das Ge­mäl­de in den Münch­ner Kunst­han­del, wo es 1940 von Hans Pos­se, dem Di­rek­tor der Dresd­ner Ge­mäl­de­ga­le­rie, er­wor­ben wur­de und seit¬her zum Ga­le­rie­bes­tand ge­hör­te.

Die drei Wie­ner Schwes­tern Mal­vi­ne, Jen­ny und Ber­t­ha Ro­sau­er wur­den 1938 aus ih­rer Woh­nung ver­trie­ben und ih­res Ei­gen­tums, dar­un­ter ei­ner Kunst­samm­lung, be­raubt. Mal­vi­ne Ro­sau­er starb 1940 in Wien, ih­re bei­den Schwes­tern wur­den 1942 in das Ver­nich­tungs­la­ger Treb­lin­ka de­por­tiert und dort er­mor­det.

Nach der ein­deu­ti­gen Fest­stel­lung des so­ge­nann­ten ver­fol­gungs­be­ding­ten Ent­zu­ges war es für die Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den und die Säch­si­sche Staats­re­gie­rung selbst­ver­ständ¬lich, auf der Grund­la­ge der „Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en“ von 1998 zu han­deln, die von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land un­ter­zeich­net wor­den wa­ren und al­le Trä­ger öf­fent­li­cher Mu­se­en zur Su­che nach Raub­kunst und ge­ge­be­nen­falls zu de­ren Rück­ga­be ver­pflich­ten.

Dr. Ste­phan Adam
Pres­se­spre­cher und Lei­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on
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