Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Koordinierungsstelle Magdeburg - Pressemitteilung vom 07.07.2012

Restitution von Carl Blechens Gemälde "Waldlichtung mit kleinem Weiher und liegendem Hirten"

Datum 07.06.2012

Mag­de­burg, 07. Ju­ni 2012. Ein wei­te­res Ge­mäl­de aus der Samm­lung Som­mer­guth, das über das Auk­ti­ons­haus Lan­ge im Sep­tem­ber 1939 zwangs­ver­stei­gert wur­de, wur­de aus dem Fürst-Pück­ler-Mu­se­um der Stadt Cott­bus an die Er­ben von Al­fred und Ger­trud Som­mer­guth re­sti­tu­iert.

Al­fred Som­mer­guth leb­te mit sei­ner zwei­ten Frau Ger­tru­de in Ber­lin. Bei­de wa­ren lei­den­schaft­li­che Kunst­samm­ler - ih­re Samm­lung be­stand aus über 150 Wer­ken. Nach der Macht­über­nah­me durch die Na­zis muss­te die Fa­mi­lie all Ih­ren Be­sitz in ei­ner Ver­mö­gensauf­stel­lung auf­lis­ten. Ein großer Teil der Samm­lung wur­de 1939 im Auk­ti­ons­haus Lan­ge in Ber­lin zwangs­ver­stei­gert. 1940 ver­lo­ren die Som­mer­gut­hs ih­re Bür­ger­rech­te und es wur­de 1941 ihr kom­plet­tes Ver­mö­gen kon­fis­ziert. Das Paar floh vor der be­vor­ste­hen­den De­por­ta­ti­on in ein Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger aus Deutsch­land, da es die­se nicht über­lebt hät­te. Al­fred Som­mer­guth starb 1950 in New York.

Re­bec­ca Fried­mann vom Ho­lo­caust Claims Pro­ces­sing Of­fi­ce in New York (HC­PO) spür­te 2010 das Bild in der Samm­lung des Fürst Pück­ler Mu­se­ums der Stadt Cott­bus auf. An­fäng­lich ent­stand ei­ni­ge Ver­wir­rung, weil das Mu­se­um zwei Bil­der mit dem­sel­ben Ti­tel be­saß. Nach­dem das Mu­se­um ei­ge­ne Re­cher­chen an­ge­stellt hat­te, ent­schied es schließ­lich, dass es sich bei dem in sei­nem Be­sitz be­find­li­che Bild von Carl Ble­chen "Wald­lich­tung mit klei­nem Wei­her und lie­gen­dem Hir­ten, Öl auf Holz 15,5 x 20,3 cm) tat­säch­lich um das Werk aus der Samm­lung Som­mer­guth han­del­te.

Das Fürst Pück­ler Mu­se­um ver­öf­fent­lich­te zu die­ser Pro­ve­ni­enz ei­ne Fund­mel­dung über die Lo­start-Da­ten­bank der Ko­or­di­nie­rungs­stel­le Mag­de­burg. Das Ble­chen-Ge­mäl­de war ur­sprüng­lich als Er­satz für ei­nen Kriegs­ver­lust des Mu­se­ums er­wor­ben wor­den, bei dem es sich um ein Werk Carl Ble­chens mit sehr ähn­li­chem Mo­tiv und Ti­tel han­delt. Das im Zu­ge des Zwei­ten Welt­kriegs ab­han­den ge­kom­me­ne Ge­mäl­de wur­de von der Stadt Cott­bus als Such­mel­dung über Lo­start.de ver­öf­fent­licht.
Die Er­ben der Fa­mi­lie Som­mer­guth do­ku­men­tie­ren den im Zu­ge der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­fol­gung be­schlag­nahm­ten Kunst­be­sitz ih­rer Fa­mi­lie über die Mag­de­bur­ger Lo­start-Da­ten­bank.
Dank des auf al­len Sei­ten trans­pa­ren­ten Vor­ge­hens, ge­lang es nicht nur, die Pro­ve­ni­enz des Som­mer­guth-Ge­mäl­des zu re­kon­stru­ie­ren, son­dern dar­über hin­aus ei­ne für al­le Be­tei­lig­te güt­li­che Ei­ni­gung zu er­zie­len.

Der An­walt der Stadt Cott­bus, Herr Rechts­an­walt Dr. Cat­ti­en, kon­tak­tier­te Rechts­an­walt Jo­el Le­vi und Cor­ne­lia Mug­gentha­ler, die die Er­ben nach Al­fred Som­mer­guth ver­tre­ten, und in­for­mier­te sie dar­über, dass sein Kli­ent zur Re­sti­tu­ti­on be­reit sei. Die Er­ben Som­mer­gut­hs ent­schie­den sich, dem Mu­se­um ei­nen Pro­zent­satz aus dem an­ste­hen­den Ver­kaufs­er­lös, ab­zu­ge­ben, da es das Bild in gu­tem Glau­ben ge­kauft hat und der Re­sti­tu­ti­on vor­be­halt­los zu­ge­stimmt hat. Die­ser Aus­gleich soll auch an­de­ren Mu­se­en als An­reiz die­nen, sich eben­so kor­rekt wie die Stadt Cott­bus zu ver­hal­ten.

Die Er­ben­ge­mein­schaft Som­mer­guth dankt dem An­walt der Stadt Cott­bus und sei­nem Team, dem Team des Fürst Pück­ler Mu­se­ums und Re­bec­ca Fried­mann für Ih­re Mü­hen und Un­ter­stüt­zung.

Das Ge­mäl­de wird am 9. Ju­ni 2012 bei So­t­he­by´s in Lon­don ver­stei­gert.

Zu den Lo­start-Ein­trä­gen:
http://www.lo­start.de/Webs/DE/Da­ten­bank/Su­che­Sim­pel­Er­geb­nis.html?pa­ram=SU­CHE_ID%3D1752159

Die Ko­or­di­nie­rungs­stel­le Mag­de­burg, zu­vor Ko­or­di­nie­rungs­stel­le für Kul­tur­gut­ver­lus­te, wur­de 1994 ge­grün­det und ist ei­ne Ein­rich­tung des Bun­des und der Län­der für Kul­tur­gut­do­ku­men­ta­ti­on und Kul­tur­gut­ver­lus­te beim Kul­tus­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Sach­sen-An­halt. Sie be­treibt die In­ter­net-Da­ten­bank und Web­si­te www.lo­start.de, hat die Fachad­mi­nis­tra­ti­on der Da­ten­bank zum na­tio­nal wert­vol­len Kul­tur­gut so­wie der Web­si­te www.kul­tur­gut­schutz-deutsch­land.de in­ne. Sie ist die zen­tra­le deut­sche Ser­vice-Ein­rich­tung für Kul­tur­gut­do­ku­men­ta­ti­on und Kul­tur­gut­ver­lus­te.

Kon­takt:

Mug­gentha­ler Re­se­arch, Frau Cor­ne­lia Mug­gentha­ler, Stra­da dei tre Ca­mi­ni 18, 60013 Co­ri­nal­do, Ita­li­en; Pho­ne+3907167689 / Fax +39071679296; E-Mail: mug­gentha­ler@mug­gentha­ler­re­se­arch.com; www.mug­gentha­ler­re­se­arch.com
Rechts­an­walt Jo­el Le­vi , Mig­dal Ha'teo­mim 1, 33 Ja­bo­tin­ski Street, Ra­mat Gan 52511, Is­rael
Tel. +972 3 5754255; in­fo@jl-la­w­firm.com; www.jl-la­w­firm.com
Rechts­an­walt Dr. Chri­stoph Cat­ti­en, Tau­ben­stras­se 37; 03046 Cott­bus; Tel. +49 (0)355/ 381250;
www.cat­ti­en-pp.de
Ko­or­di­nie­rungs­stel­le Mag­de­burg - Ei­ne Ein­rich­tung des Bun­des und der Län­der
für Kul­tur­gut­do­ku­men­ta­ti­on und Kul­tur­gut­ver­lus­te beim Kul­tus­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Sach­sen-An­halt
Dr. An­drea Ba­re­sel-Brand; Turm­schan­zen­stra­ße 32; D-39114 Mag­de­burg; Tel. +49 (0) 391 - 567 3893;
Fax +49 (0) 391 - 567 3899; E-Mail: an­drea.ba­re­sel-brand@mk.sach­sen-an­halt.de; www.lo­start.de

In­for­ma­ti­on:

Stif­tung Fürst-Pück­ler-Mu­se­um Park und Schloss Bra­nitz; Ro­bi­ni­en­weg 5; 03042 Cott­bus;
Tel: +49 (0)355 7 51 50; Fax: +49 (0)355 7515 230; in­fo@pueck­ler-mu­se­um.de; ww.pueck­ler-mu­se­um.de
Ho­lo­caust Claims Pro­ces­sing Of­fi­ce / New York State De­part­ment of Fi­nan­ci­al Ser­vices; One State Street, New York, NY 10004-1511, U.S.A; www.dfs.ny.gov