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Presseerklärung 12.04.2012

Einigung zwischen den Erben von Alfred Flechtheim und dem Kunstmuseum Bonn Paul Adolf Seehaus, Leuchtturm mit rotierenden Strahlen

Datum 12.04.2012

Paul Adolf See­haus, Leucht­turm mit ro­tie­ren­den Strah­len
Ei­ni­gung zwi­schen den Er­ben von Al­fred Flecht­heim und dem Kunst­mu­se­um Bonn

Ge­mein­sa­me Er­klä­rung des Kunst­mu­se­ums Bonn und der Er­ben von Al­fred Flecht­heim

Er­freu­li­cher Aus­gang ei­nes schwie­ri­gen The­mas: Das Kunst­mu­se­um Bonn und die Er­ben von Al­fred Flecht­heim ha­ben ei­ne Ei­ni­gung für das Ge­mäl­de „Leucht­turm mit ro­tie­ren­den Strah­len“ von Paul Adolf See­haus er­reicht. Der Ver­ein der Freun­de des Kunst­mu­se­ums Bonn wird die da­zu nö­ti­ge Sum­me – die Hälf­te des ge­schätz­ten Markt­wer­tes – auf­brin­gen. „Wir sind froh und dank­bar, dass wir ei­nen ein­ver­nehm­li­chen Weg ge­fun­den ha­ben, ei­ne den ge­schicht­li­chen Er­eig­nis­sen ge­recht wer­den­de Lö­sung her­bei­zu­füh­ren“, sag­te Mu­se­ums­di­rek­tor Pro­fes­sor Dr. Ste­phan Berg.

 Im Sep­tem­ber 2009 hat­ten die Er­ben des jü­di­schen Kunst­samm­lers und Ga­le­ris­ten Al­fred Flecht­heim (1878-1937) das Kunst­mu­se­um Bonn um die Re­sti­tu­ti­on des 1913 ent­stan­de­nen Ge­mäl­des Leucht­turm mit ro­tie­ren­den Strah­len“ (Öl auf Lein­wand, 49 x 55,5 cm) von Paul Adolf See­haus (1891-1918) er­sucht. Dar­auf­hin hat­te das Kunst­mu­se­um Bonn durch ei­ge­ne Nach­for­schun­gen und durch die Be­auf­tra­gung von zwei Gut­ach­ten die An­sprü­che der Er­ben ge­prüft.

Es steht fest, dass das Ge­mäl­de von See­haus sich spä­tes­tens seit 1919 und nach­weis­lich noch im März 1932 im Ei­gen­tum von Al­fred Flecht­heim be­fand, als es als Leih­ga­be Flecht­heims im Ber­li­ner Kron­prin­zen­pa­lais ge­zeigt wur­de. Das Bild blieb nach der Emi­gra­ti­on Flecht­heims im Som­mer 1933 of­fen­bar bis 1949 im Be­sitz sei­nes frü­he­ren Mit­ar­bei­ters Alex Vö­mel, der im März 1933 in den Räu­men der Ga­le­rie Flecht­heim in Düs­sel­dorf un­ter sei­nem Na­men ei­ne ei­ge­ne Ga­le­rie er­öff­net hat­te. 1949 wur­de das Bild auf ei­ner Auk­ti­on des Stutt­gar­ter Kunst­ka­bi­netts Ket­te­rer vom Kunst­mu­se­um Bonn er­wor­ben, in des­sen Samm­lung des Rhei­ni­schen Ex­pres­sio­nis­mus das Bild als ein Haupt­werk von See­haus be­son­de­re Be­deu­tung be­sitzt.

Trotz in­ten­si­ver Re­cher­chen lässt sich heu­te nicht mehr mit Be­stimmt­heit fest­stel­len, wann und un­ter wel­chen Um­stän­den das Bild Flecht­heim oder sei­nen Er­ben mög­li­cher­wei­se ent­zo­gen wur­de, ob Flecht­heim es Vö­mel viel­leicht über­eig­net hat­te oder in Ver­wah­rung gab, oder ob Vö­mel das Bild viel­mehr wi­der bes­se­ren Wis­sens und un­recht­mä­ßig ein­be­hal­ten hat­te, be­vor es schließ­lich 1949 ver­kauft wur­de.

Nach al­le­dem, und un­ge­ach­tet der of­fe­nen Fra­gen, er­kennt das Kunst­mu­se­um Bonn aus­drück­lich das Ver­fol­gungs­schick­sal Flecht­heims an. Flecht­heim war ein Op­fer des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ter­ror­re­gi­mes. Ge­ra­de ihn als Ju­den und als en­ga­gier­ten Ver­fech­ter der von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten als „ent­ar­tet“ be­kämpf­ten Kunst traf der Hass der Macht­ha­ber mit al­ler Här­te be­reits vor und so­dann un­mit­tel­bar nach der „Machter­grei­fung“. Hät­te es die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ge­walt­herr­schaft nicht ge­ge­ben, so wä­re Flecht­heim nicht ge­zwun­gen ge­we­sen, Deutsch­land zu ver­las­sen und hät­te nach frei­em Wil­len über sein Ei­gen­tum ver­fü­gen kön­nen. Dann wä­ren sein Le­ben, die Ge­schich­te sei­ner Samm­lung und sei­ner Ga­le­rie und auch die Ge­schich­te des Bil­des von Paul Adolf See­haus an­ders ver­lau­fen. Ein NS-ver­fol­gungs­be­ding­ter Ver­lust des Bil­des von See­haus ist vor die­sem Hin­ter­grund nicht aus­zu­schlie­ßen.

Da­her ha­ben die Stadt Bonn und die Er­ben Flecht­heims ei­ne „fai­re und ge­rech­te Lö­sung“ im Sin­ne der „Ge­mein­sa­men Er­klä­rung der Bun­des­re­gie­rung, der Län­der und der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de“ von 1999 und der ihr fol­gen­den „Hand­rei­chung“ ge­sucht. Die güt­li­che Ei­ni­gung sieht vor, dass das Kunst­mu­se­um Bonn den Er­ben oh­ne An­er­ken­nung ei­ner Rechts­pflicht und un­ter Aus­schluss wei­te­rer An­sprü­che die Hälf­te des ge­schätz­ten Markt­wer­tes des Ge­mäl­des als Ent­schä­di­gung zahlt.

 Die Er­ben und das Kunst­mu­se­um Bonn sind sich eben­falls ei­nig dar­in, dass die Be­su­cher zu­künf­tig bei der Prä­sen­ta­ti­on des Bil­des durch ei­nen be­glei­ten­den Text über die Pro­ve­ni­enz und wech­sel­vol­le Ge­schich­te des Bil­des in­for­miert wer­den.

 Das Kunst­mu­se­um Bonn dankt dem Ver­ein der Freun­de des Kunst­mu­se­ums Bonn, der die ge­trof­fe­ne Re­ge­lung be­grüßt und durch sein En­ga­ge­ment er­mög­licht, dass ein wich­ti­ges Ge­mäl­de des Rhei­ni­schen Ex­pres­sio­nis­mus im Ei­gen­tum des Kunst­mu­se­ums Bonn ver­bleibt.

Kon­takt
KUNST­MU­SE­UM BONN
Fried­rich-Ebert-Al­lee 2
53113 Bonn

www.kunst­mu­se­um-bonn.de