Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Klassik Stiftung Weimar, Pressemitteilung v. 08. Februar 2013

Klassik Stiftung restituiert Almanach-Sammlung

Datum 11.02.2013

Klas­sik Stif­tung er­zielt Ei­ni­gung über den dau­er­haf­ten Ver­bleib der Al­ma­nach­samm­lung
Ar­thur Gold­schmidts

Der Leip­zi­ger Un­ter­neh­mer Ar­thur Gold­schmidt (1883–1951) war ein pas­sio­nier­ter Samm­ler von Bü­chern. Sei­ne Bi­blio­thek zähl­te 40.000 Bän­de. 1932 pu­bli­zier­te er ein Buch über »Goe­the im Al­ma­nach«. Im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus war Gold­schmidt 1936 ge­zwun­gen, sei­ne Al­ma­nach­samm­lung weit un­ter Wert für 2.000 Reichs­mark an das Goe­the-und Schil­ler-Ar­chiv zu ver­kau­fen. Gold­schmidt wur­de in der Fol­ge­zeit vor­über­ge­hend in­haf­tiert, sein Sohn wur­de ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald de­por­tiert. Die Fa­mi­lie über­leb­te und konn­te emi­grie­ren. Im Zu­ge der Grün­dung der Na­tio­na­len For­schungs- und Ge­denk­stät­ten ge­lang­te die Al­ma­nach­samm­lung 1955 in die Zen­tral­bi­blio­thek der Deut­schen Klas­sik, der heu­ti­gen Her­zo­gin An­na Ama­lia Bi­blio­thek.

His­to­ri­sche Al­ma­na­che als jähr­lich er­schei­nen­de, meist bi­blio­phi­le Schrif­ten zu sehr un­ter­schied­li­chen The­men die­nen heu­te als wich­ti­ge Quel­len zur zeit­ge­nös­si­schen Kul­tur. Die Pa­let­te in Gold­schmidts Samm­lung reicht von den be­kann­te­ren li­te­ra­ri­schen Mu­senal­ma­nach­en über Bal­lett­tanz, Tra­ves­ti­en, Kar­ne­val und Mas­ken, Kir­chen und Ket­zer, Leip­zi­ger Frau­en­zim­mer bis hin zu ei­nem sa­ti­ri­schen Mückenal­ma­nach von 1797, da­ne­ben fin­den sich auch fach­kund­li­che Ka­len­der für Forst- und Jagd­freun­de, Schau­spie­ler und Schau­spiel­freun­de so­wie Mi­li­tärs. Un­ter den Al­ma­na­chen sind et­li­che Ti­tel über­lie­fert, die auf dem An­ti­qua­ri­ats­markt nicht mehr er­hält­lich sind. Erst­aus­ga­ben von Goe­the und Schil­ler, aber auch heu­te sehr sel­te­ne his­to­ri­sche The­men­ka­len­der ma­chen den Be­stand für die Wei­ma­rer Bi­blio­thek und die For­schung so kost­bar.

Wäh­rend und in­fol­ge des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ist es in Ein­rich­tun­gen der Klas­sik Stif­tung zu Er­wer­bun­gen von un­recht­mä­ßig ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut ge­kom­men. Der­zeit be­müht sich die Stif­tung im Rah­men ei­nes For­schungs­pro­jekts, sol­che Pro­ve­ni­en­zen zu klä­ren. Die­se Ar­beit ist schwie­rig und auf­wen­dig. Sie muss in der Klas­sik Stif­tung lang­fris­tig per­so­nell und fi­nan­zi­ell ab­ge­si­chert wer­den. Prä­si­dent Hell­mut See­mann er­klär­te, dass die Stif­tung hier ei­nen Schwer­punkt ih­rer ei­ge­nen Ar­beits­pla­nung setzt. Zu­gleich wies er dar­auf hin, dass man die Ver­pflich­tung, zwei­fel­haf­te Be­stän­de flä­chen­de­ckend zu klä­ren, nur dann er­fül­len kön­ne, wenn die Pro­ve­ni­enz­for­schung der In­sti­tu­tio­nen, die öf­fent­li­che Hand und die deut­sche Öf­fent­lich­keit in die­ser Ver­pflich­tung, die sich aus der Wa­shing­to­ner Er­klä­rung von 1998 er­gibt, ei­ne ge­mein­sa­me Auf­ga­be er­ken­nen. Die Klas­sik Stif­tung sei, wie al­le öf­fent­li­chen Ar­chi­ve, Bi­blio­the­ken und Mu­se­en, weit da­von ent­fernt, die­se Auf­ga­be aus ei­ge­ner Kraft und oh­ne wei­te­re Un­ter­stüt­zung meis­tern zu kön­nen.