Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Pressemitteilung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung

Weiterentwicklung der Beratenden Kommission

Datum 10.11.2016

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters hat in Ab­stim­mung mit den Län­dern und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den Kern­punk­te zur Wei­ter­ent­wick­lung der seit 2003 be­ste­hen­den „Be­ra­ten­den Kom­mis­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­ner Kul­tur­gü­ter, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz“ vor­ge­legt.

Dies sind:

  • die Mög­lich­keit, dass die Kom­mis­si­on auf Sei­ten des über das Kul­tur­gut Ver­fü­gen­den künf­tig auch durch Pri­va­te an­ge­ru­fen wer­den kann,
  • ei­ne grö­ße­re Trans­pa­renz, ins­be­son­de­re durch ei­ne Ver­öf­fent­li­chung der Ver­fah­rens­ord­nung der Kom­mis­si­on,
  • ei­ne Er­wei­te­rung der Kom­mis­si­on von acht auf zehn Mit­glie­der, dar­un­ter zu­min­dest ein jü­di­sches Mit­glied, das die Op­fer­per­spek­ti­ve di­rek­ter ein­brin­gen soll,
  • öf­fent­li­che Be­grün­dung der Emp­feh­lun­gen.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters: „Die rück­halt­lo­se Auf­ar­bei­tung des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kunst­raubs ist ei­ne blei­ben­de Ver­pflich­tung Deutsch­lands. Des­halb war es mir au­ßer­or­dent­lich wich­tig, die Be­ra­ten­de Kom­mis­si­on so wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, dass sie auch in Zu­kunft er­folg­reich und von al­len Sei­ten an­er­kannt ih­re sen­si­ble und schwie­ri­ge Auf­ga­be wahr­neh­men kann. Sie ist ein Ver­trau­ens­ga­rant da­für, dass Deutsch­land sei­ne Ver­gan­gen­heit ehr­lich und of­fen­siv auf­ar­bei­tet. Die Re­form­vor­schlä­ge sind ein wich­ti­ger Schritt zu ei­ner im­mer bes­se­ren Um­set­zung der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en, im In­ter­es­se der Op­fer des NS-Kunst­raubs und ih­rer Nach­kom­men, aber auch der Mu­se­en in Deutsch­land.“

Das Bun­des­ka­bi­nett hat in die­ser Wo­che die Wei­ter­ent­wick­lung der Kom­mis­si­on be­schlos­sen. Die Amts­chef­kon­fe­renz der Län­der hat heu­te ein­stim­mig zu­ge­stimmt und die Kern­punk­te an das Mi­nis­ter­ple­num der KMK zur end­gül­ti­gen Be­schluss­fas­sung über­wie­sen.

Als neue Mit­glie­der der Be­ra­ten­den Kom­mis­si­on wer­den der Di­rek­tor des Si­mon-Dubnow-In­sti­tuts für jü­di­sche Ge­schich­te und Kul­tur, Pro­fes­sor Ra­pha­el Gross, der Phi­lo­soph und frü­he­re Di­rek­tor der Ame­ri­can Aca­de­my in Ber­lin, Ga­ry Smith, und die ehe­ma­li­ge Prä­si­den­tin des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, Ma­ri­on Eckertz-Hö­fer, be­ru­fen.
Wei­te­re Än­de­run­gen bei der Kom­mis­si­on be­tref­fen die Be­gren­zung der Amts­dau­er für neu zu be­ru­fen­de Mit­glie­der auf zehn Jah­re so­wie die Mög­lich­keit für die Kom­mis­si­on, künf­tig im Be­darfs­fall Fach­gut­ach­ten in Auf­trag zu ge­ben. Die Kos­ten für die Er­stel­lung der Fach­gut­ach­ten über­nimmt die Be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Grüt­ters: „Ich er­war­te, dass aus­nahms­los al­le deut­schen Mu­se­en selbst­ver­ständ­lich zu ei­nem Ver­fah­ren vor der Be­ra­ten­den Kom­mis­si­on be­reit sind. Dies ge­bie­tet die mo­ra­li­sche und his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung ge­gen­über den Op­fern der NS-Ver­fol­gung. Und es liegt auch im ei­ge­nen In­ter­es­se der Ein­rich­tun­gen. Soll­te ein Ein­ver­ständ­nis der Par­tei­en über ei­ne An­ru­fung der Kom­mis­si­on nicht zu­stan­de kom­men, for­de­re ich die in­sti­tu­tio­nel­len Trä­ger der Ein­rich­tun­gen da­zu auf, nach den ver­ein­bar­ten und wirk­sa­men Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en auf ei­ne An­ru­fung hin­zu­wir­ken. Bei den von mei­nem Haus ge­för­der­ten Ein­rich­tun­gen wer­de ich mich wei­ter­hin per­sön­lich und ent­schie­den da­für ver­wen­den.“

Die Kom­mis­si­on war 2003 von Bund, Län­dern und kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den ein­ge­rich­tet wor­den, um bei Dif­fe­ren­zen über die Rück­ga­be von Kul­tur­gü­tern zu ver­mit­teln, die im Drit­ten Reich ih­ren Ei­gen­tü­mern, ins­be­son­de­re ver­folg­ten jü­di­schen Bür­gern, ent­zo­gen wur­den und sich heu­te in Mu­se­en, Bi­blio­the­ken, Ar­chi­ven oder an­de­ren öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land be­fin­den. Die Kom­mis­si­on über­nimmt ei­ne Me­dia­to­ren­rol­le zwi­schen den Trä­gern der Samm­lun­gen und den ehe­ma­li­gen Ei­gen­tü­mern der Kul­tur­gü­ter bzw. de­ren Er­ben, wenn dies von bei­den Sei­ten ge­wünscht wird. Zur Bei­le­gung der Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten kann sie Emp­feh­lun­gen aus­spre­chen.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Grüt­ters drück­te noch ein­mal ih­re ho­he Wert­schät­zung für die bis­he­ri­ge aus­ge­zeich­ne­te Ar­beit der Be­ra­ten­den Kom­mis­si­on und für das große und eh­ren­amt­li­che En­ga­ge­ment ih­rer Mit­glie­der aus. Das gilt ins­be­son­de­re für die jüngst ver­stor­be­ne ehe­ma­li­ge Prä­si­den­tin des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, Prof. Dr. Jut­ta Lim­bach, die seit der Ein­set­zung der Kom­mis­si­on de­ren Vor­sit­zen­de war.