Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Beratende Kommission

Die „Be­ra­ten­de Kom­mis­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­ner Kul­tur­gü­ter, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz“ wur­de 2003 auf­grund ei­ner „Ab­spra­che“ zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung, den Bun­des­län­dern und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den ein­ge­rich­tet. Die Grund­la­ge ih­rer Tä­tig­keit sind die „Grund­sät­ze“ der Wa­shing­to­ner Kon­fe­renz von 1998 und die „Ge­mein­sa­me Er­klä­rung“ der Bun­des­re­gie­rung, der Län­der und der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de zur „Auf­fin­dung und Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­guts“ von 1999.

Die Kom­mis­si­on be­stand ur­sprüng­lich aus acht Per­so­nen. Seit der Neu­fas­sung der „Ab­spra­che“ zwi­schen Bund, Län­der und Kom­mu­nen En­de 2016 kön­nen ihr bis zu zehn Mit­glie­der an­ge­hö­ren. In die Kom­mis­si­on be­ru­fen wer­den un­ab­hän­gi­ge Per­sön­lich­kei­ten mit ju­ris­ti­schem, ethi­schem, kul­tu­rel­lem und his­to­ri­schem Sach­ver­stand, die kein her­aus­ge­ho­be­nes po­li­ti­sches Amt mehr be­klei­den. Die Kom­mis­si­ons­mit­glie­der sind eh­ren­amt­lich tä­tig. Ih­re Be­ru­fung er­folgt durch die Be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en im Ein­ver­neh­men mit der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den. Wäh­rend die Be­ru­fun­gen zu­nächst un­be­fris­tet er­folg­ten, sind Neu­be­ru­fun­gen seit 2016 auf ma­xi­mal zehn Jah­re be­fris­tet.

Die Kom­mis­si­on kann bei Strei­tig­kei­ten über die Rück­ga­be von Kul­tur­gü­tern an­ge­ru­fen wer­den, die wäh­rend der Herr­schaft des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus vom 30. Ja­nu­ar 1933 bis zum 8. Mai 1945 ih­ren Ei­gen­tü­mern, ins­be­son­de­re jü­di­schen Op­fern des NS-Ter­rors, ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den. Die An­ru­fung kann so­wohl durch die frü­he­ren Ei­gen­tü­mer und de­ren Er­ben als auch durch die­je­ni­gen Ein­rich­tun­gen und Per­so­nen, die ge­gen­wär­tig über das Kul­tur­gut ver­fü­gen, er­fol­gen. Auf Sei­ten der über das Kul­tur­gut Ver­fü­gen­den sind das öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen, für die die "Wa­shing­to­ner Grund­sät­ze" und die "Ge­mein­sa­me Er­klä­rung" un­mit­tel­bar gel­ten, so­wie pri­va­te kul­tur­be­wah­ren­de Ein­rich­tun­gen in Deutsch­land, die sich die­sen Grund­sät­zen bin­dend un­ter­wer­fen. Dar­über hin­aus kön­nen auch Pri­vat­per­so­nen, die über ent­spre­chen­des Kul­tur­gut ver­fü­gen, die Kom­mis­si­on an­ru­fen, wenn sie eben­falls ei­ne ver­bind­li­che Er­klä­rung im Sin­ne der "Wa­shing­to­ner Er­klä­rung" und der "Ge­mein­sa­men Er­klä­rung" ab­ge­ben. Vor­aus­set­zung für das Tä­tig­wer­den der Kom­mis­si­on ist das Ein­ver­ständ­nis bei­der Sei­ten, ei­ne Me­dia­ti­on durch die Kom­mis­si­on und ggf. ei­ne Emp­feh­lung der Kom­mis­si­on her­bei­füh­ren und die­se be­fol­gen zu wol­len.

Die Kom­mis­si­on wirkt zu je­dem Zeit­punkt des Ver­fah­rens auf ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung zwi­schen den Par­tei­en hin. Sie kann zur Bei­le­gung des Streits Emp­feh­lun­gen aus­spre­chen. Bei ih­ren Be­ra­tun­gen und Emp­feh­lun­gen be­rück­sich­tigt sie ins­be­son­de­re die Um­stän­de, un­ter de­nen es zum Ei­gen­tums­ver­lust des Kul­tur­guts ge­kom­men ist, und die Um­stän­de, un­ter de­nen das Kul­tur­gut von den heu­te dar­über Ver­fü­gen­den er­wor­ben wur­de, so­wie die Nach­for­schun­gen, die zur Pro­ve­ni­enz des Kul­tur­guts un­ter­nom­men wur­den. Die Par­tei­en er­hal­ten ei­ne schrift­li­che Fas­sung der Emp­feh­lung der Kom­mis­si­on und ih­rer Be­grün­dung. Bei­des wird auch auf der Web­si­te des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te ver­öf­fent­licht.

In die Kom­mis­si­on be­ru­fen wur­den 2003 der frü­he­re Bun­des­prä­si­dent Dr. Ri­chard von Weiz­sä­cker, die ehe­ma­li­ge Bun­des­tags­prä­si­den­tin Pro­fes­sor Dr. Ri­ta Süss­muth, die ehe­ma­li­ge Prä­si­den­tin des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts Pro­fes­sor Dr. Jut­ta Lim­bach, der Kunst­his­to­ri­ker Pro­fes­sor Dr. Tho­mas Gaeth­gens, der Phi­lo­soph Pro­fes­sor Dr. Gün­ter Pat­zig, der Rechts- und So­zi­al­phi­lo­soph Pro­fes­sor Dr. Diet­mar von der Pford­ten, der His­to­ri­ker Pro­fes­sor Dr. Rein­hard Rü­rup und die Phi­lo­so­phin Pro­fes­sor Dr. Ur­su­la Wolf. 2008 wur­de der Kunst­his­to­ri­ker Pro­fes­sor Dr. Wolf Te­get­hoff als Nach­fol­ger von Pro­fes­sor Dr. Gaeth­gens be­ru­fen, 2011 der Di­plo­mat und frü­he­re Jus­tiz­mi­nis­ter Dr. Hans-Ot­to Bräu­ti­gam als Nach­fol­ger von Pro­fes­sor Dr. Pat­zig und An­fang 2016 der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts Pro­fes­sor Dr. Hans-Jür­gen Pa­pier als Nach­fol­ger von Bun­des­prä­si­dent Dr. von Weiz­sä­cker. En­de 2016 wur­den die ehe­ma­li­ge Prä­si­den­tin des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts Ma­ri­on Eckertz-Hö­fer (als Nach­fol­ge­rin von Pro­fes­sor Dr. Lim­bach), der His­to­ri­ker Pro­fes­sor Dr. Ra­pha­el Gross und der frü­he­re Di­rek­tor der Ame­ri­can Aca­de­my Ber­lin Dr. Ga­ry Smith neu be­ru­fen. Ei­ne Über­sicht der ak­tu­el­len Mit­glie­der fin­den Sie hier.

Ge­wähl­te Vor­sit­zen­de der Kom­mis­si­on war von 2003 bis zu ih­rem Tod im Sep­tem­ber 2016 Pro­fes­sor Dr. Lim­bach. Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sitz wur­de bis 2008 von Pro­fes­sor Dr. Gaeth­gens wahr­ge­nom­men, dem 2008 Pro­fes­sor Dr. Rü­rup folg­te, der seit En­de 2015 auf­grund der Er­kran­kung und des To­des von Pro­fes­sor Dr. Lim­bach als am­tie­ren­der Vor­sit­zen­der tä­tig war. Am 09.11.2017 wur­de Pro­fes­sor Dr. Pa­pier als neu­er Vor­sit­zen­der der Kom­mis­si­on und Pro­fes­sor Dr. Te­get­hoff als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der ge­wählt.

Die Stif­tung Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te un­ter­stützt die Be­ra­ten­de Kom­mis­si­on als Ge­schäfts­stel­le für or­ga­ni­sa­to­ri­sche Auf­ga­ben. Dem Ge­schäfts­füh­rer (Dr. Mi­cha­el Franz) ob­liegt die Vor­be­rei­tung, Durch­füh­rung und Nach­be­rei­tung der Kom­mis­si­ons­sit­zun­gen. Zu­dem steht er als An­sprech­part­ner für An­trag­stel­ler zur Ver­fü­gung.