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Provenienzforschung zur anthropologischen Schädelsammlung im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg (LMNM)

Förderbereich Koloniale Kontexte Zuwendungsempfänger Museum Natur und Mensch Oldenburg Bundesland Niedersachsen Website https://www.naturundmensch.de/museum/forschung/ Projekttyp Forschung zu Objektkategorie Projektlaufzeit
  1. Dezember 2019 bis November 2021

Beschreibung

Übergeordnetes Projektziel ist die interdisziplinäre anthropologische und historische Erforschung kolonialer Provenienzen der menschlichen Schädel außereuropäischer Herkunft. Dabei gilt es die Schädel zu identifizieren und mit nicht-invasiven anthropologischen Methoden zu untersuchen. Aus historischer Perspektive werden Archivalien wie Eingangsbücher, Schriftwechsel, Erwerbs- und Verkaufslisten ausgewertet, sodass im Zusammenführen beider Forschungsstränge im Idealfall eine Re- Biografisierung der Menschen möglich sein wird.

In der Sammlung befinden sich 30 Schädel und zwei Gipsabgüsse. Nach dem Verzeichnis „Scelette und Menschenschädel“ von 1894 stammen 24 Schädel sowie die beiden Gipsabgüsse aus kolonialen Kontexten. Sechs weitere Schädel sind den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in Peru erworben worden. Bei ihnen stehen Fragen des Nachwirkens kolonialen Gedankenguts sowie daraus resultierende Praxis im Fokus.

Das heutige Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, seit 1836 Museum, verzeichnete während der deutschen Kolonialzeit gemäß der Zeitpraxis unter dem Direktor Johannes Martin einen sprunghaften Objektzuwachs. Dieser wurde sowohl durch private Sammler und Händler als auch durch andere Institutionen und Militärangehörige befördert.

Im Zuge der Aufarbeitung der Provenienzen soll mit den Herkunftsgesellschaften ein Dialog über Fragen von Aufbewahrung, Zugänglichkeit und möglichen Restitutionen begonnen werden, wie bereits für zwei aus Australien stammende Schädel initiiert. Weiterhin sollen die gewonnenen Erkenntnisse dazu beitragen, dass sich im Haus selbst die Haltung zu dem Thema weiterentwickelt, die in der Vermittlung nach außen Wirkung entfaltet und sensibilisiert. Ergebnisse werden, sofern es sich nicht um sensible Daten handelt, zunächst über die Website des Museums kommuniziert und regelmäßig aktualisiert. Im Februar 2020 wird das Projekt auf dem Netzwerktreffen Provenienzforschung, das in Oldenburg stattfinden wird, vorgestellt.

© Museum Natur und Mensch