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Sammlung Eduard und Margarete Fuchs: Rekonstruktion der geraubten Kunstwerke der Sammlung

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Dr. med. Bernhard Kosel - Sammlung Eduard und Margarete Fuchs (Erbach) Bundesland Hessen Ansprechpartner Projekttyp Sammlungsrekonstruktion Projektlaufzeit
  1. Februar 2018 bis Februar 2020
  2. Mai 2020 bis April 2022

Beschreibung

Die Beschlagnahmung der Sammlung Eduard und Margarete Fuchs war einer der quantitativ größten Kunstraubaktionen gegen eine Privatperson in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Auf fünf Auktionen wurden mindestens 25.000 Kunstobjekte weit unter Wert versteigert. Die einzige Tochter Gertraud Fuchs war 1937 gezwungen, im Auftrag ihres Vaters die Sammlung zu liquidieren, um die vom Finanzamt Zehlendorf geforderte Reichsfluchtsteuer mit Verzugszinsen zu begleichen. Dabei stand das Ehepaar Fuchs 1932 kurz vor Vertrags-abschluss der Schenkung ihrer Sammlung und der Mies von der Rohe Villa an die Stadt Berlin, womit das „Haus eines Sammlers“ als Sammlermuseum der Öffentlichkeit zugänglich werden sollte. Die Quellenlage ist sehr gut, insbesondere durch den Fund des Nachlasses von Eduard Fuchs aus der Pariser Emigrationszeit, der sich inzwischen an der Stanford Universität befindet und durch die Akten der Finanzdirektion im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. So besteht die Chance, die einzigartige Sammlung des renommierten Autors Fuchs in weiten Teilen zu rekonstruieren. Fuchs war als Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) sowie enger Freund von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Wladimir I. Lenin, ein politisch Verfolgter des NS-Regimes.

Die Zusammensetzung der Sammlung Fuchs

Die Sammlung des Schriftstellers Fuchs zeichnet sich dadurch aus, dass er fünf bis zehn Jahre vor einer seiner Buchpublikationen zeitgenössische Bildquellen wie Lithografien, Radierungen, Plakate, Fotografien oder auch chinesische Dachreiter und Tang Grabplastiken sammelte, um diese Bücher zu illustrieren. Das von der Reproduktionsqualität ausgezeichnete Bildmaterial aus den Büchern von Eduard Fuchs ist neben den Abbildungen aus den Auktionskatalogen die wichtigste Quelle, um Gemälde, Plastiken und Druckgraphiken aus der Sammlung zu bestimmen. Im Projektverlauf wurden darüber hinaus annotierte Kataloge (Mit Käufernamen, teilweise schriftlichen Geboten von Händlern sowie Verkaufs- und Schätzpreisen) der Versteigerungen bei Lepke in der Bibliothek des kunsthistorischen Instituts in Den Haag gefunden. Die Sammlung Fuchs umfasste nach einer von ihm persönlich im Exil (1933) verfassten Liste:
1) Bildende Kunst: Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen: rund 274 Objekte; Plastiken: rund 430 Objekte
2) Kunstgewerbe: insgesamt rund 4.000 Nummern umfassend
3) Graphik: 20.000 – 25.000 Nummern.

Emigration und Widerstand: Die historischen Personen und Institutionen

Das Emigrationsschicksal von Eduard und Margarete Fuchs konnte durch die gute Quellenlage detailliert rekonstruiert werden. So konnte Fuchs zu Beginn juristische Erfolge erzielen, die als „Wunder von Zehlendorf“ bezeichnet wurden. Nach einem Urteil des Reichsfinanzhofs in München vom 11.07.1934 mussten der Reichsfluchtsteuerbescheid für Fuchs und der Steuersteckbrief zumindest vorläufig aufgehoben werden. Über Anatol de Monzie (französischer Bildungsminister) und Prof. Henri Lichtenberger (Universität Sorbonne) gelang es Fuchs persönliche Kontakte zum Direktor der Berliner Nationalgalerie Prof. Eberhard Hanfstaengl aufzunehmen. Eine wichtige Rolle in diesen Auseinandersetzungen spielte auch das Künstlerehepaar Lilli und Ewald Vetter, die von Fuchs zu Bevollmächtigten seiner Sammlung ernannt worden waren und die in seinem Auftrag mit der Gestapo verhandelten. In den Akten werden interne Differenzen der Gestapo zwischen Diels und Himmler deutlich. Himmler setzte Heydrich als Gestapochef durch und Diels wurde entlassen, mit ihm verschwanden die Fuchs-Akten bei der Gestapo. Letztlich führte dies zu einem ungewöhnlichen Vergleich mit Fuchs, der seine Klagen über ein Londoner Anwaltsbüro zurückzog und im
Gegenzug freigegeben wurde. Danach gelang es Fuchs über Verwandte und Freunde Kunstwerke der Sammlung nach Paris ins Exil zu schmuggeln bzw. in Berlin zu verstecken. Doch Anfang 1937 wurde vom Reichsfinanzhof letztinstanzlich festgestellt, dass Fuchs ausgewandert sei. Das Finanzamt erließ einen neuen Reichsfluchtsteuerbescheid in Höhe von 29.552,00 RM und zwang damit Fuchs zur Liquidation seiner Sammlung.

© Dr. Dipl. journ. Ulrich Weitz