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Berliner Mäzenatentum. Die Kunstsammlung Rudolf Mosse (1843—1920). Aufbau — Bedeutung — Verlust

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Kunsthistorisches Institut der Freien Universität (Berlin) Bundesland Berlin Website http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/khi/forschung/projekte/drittmittelprojekte/mari/index.html Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur Kontextforschung Projektlaufzeit
  1. März 2017 bis Februar 2019

Beschreibung

Gegenstand der Recherche und Projektstruktur

Das Projekt erforscht die Kunstsammlung des deutsch-jüdischen Verlegers Rudolf Mosse (1843–1920). Hierbei geht es zunächst um die Identifizierung der Werke im Einzelnen und die Rekonstruktion der Sammlung im Ganzen, die mehrere 1000 Werke umfasst haben soll. Auf dieser Grundlage ist das konkrete Ziel, den Verbleib der identifizierten Werke zu erforschen, das heißt die einzelnen Stationen und Wege bis zum heutigen Standort nachzuvollziehen und die genauen Verlustumstände während des NS-Regimes zu klären. Dabei sollen Erkenntnisse über das Verwertungssystem von entzogenem Kulturgut in der Frühphase des nationalsozialistischen Regimes gewonnen werden. Die Forschungsergebnisse beider Annäherungen – Provenienz- und Kontextforschung – sollen in ihrem relationalen Bedeutungsgefüge sowohl zur allgemeinen Aufklärung von NS-Verbrechen beitragen als auch ein ehrendes Gedenken an Rudolf Mosse, den prägenden Kunstförderer, Mäzen und Philanthropen, wachrufen.

Das Forschungsvorhaben zum Aufbau, zur Bedeutung und zum Verlust der Kunstsammlung Rudolf Mosses im zeitgeschichtlichen Zusammenhang ist in vielerlei Hinsicht innovativ. Erstmals kooperieren deutsche Institutionen mit Nachfahren von Opfern des Holocausts. Dafür hat die Mosse-Erbengemeinschaft gemeinsam mit der Freien Universität Berlin die Mosse Art Research Initiative (MARI) ins Leben gerufen. Für die Realisierung des Projekts haben im Wesentlichen die Kulturstiftung der Länder sowie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz beigetragen. Weitere Kooperationspartner sind die Staatlichen Museen zu Berlin, die Stiftung Jüdisches Museum Berlin und das Landesarchiv Berlin, ebenso die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, das Wallraf-Richartz-Museum Köln, das Museum Wiesbaden, das Museum der Stadt Worms und die Mathildenhöhe Darmstadt. Auf diese Weise soll bisher generiertes Wissen zur Kunstsammlung von Rudolf Mosse weiter aktiv genutzt, und die Kommunikation unter den Partnern mit naturgemäß unterschiedlichen Interessen beflügelt werden.

Thematischer Abriss

Der deutsch-jüdische Verleger Rudolf Mosse gehörte zu den einflussreichsten Akteuren der Berliner Wirtschaftselite im Kaiserreich. Am 1. Januar 1867 legte er mit der „Annoncen-Expedition Rudolf Mosse“ den Grundstein für sein zukünftiges Verlagsimperium. Das als offene Handelsgesellschaft (oHG) eingetragene Unternehmen verfügte schon bald über 250 Zweigniederlassungen im In- und Ausland und gab mehr als 130 Fachzeitschriften, populäre Blätter und Tageszeitungen heraus. Mosse gelang es, sich neben Leopold Ullstein und August Scherl an die Spitze des in der Gründerzeit schnell expandierenden Zeitungswesens hochzuarbeiten. 1872 erschien in seinem Verlag erstmals das Berliner Tageblatt, das als auflagenstärkste Zeitung zum liberalen Leitmedium des Volkes avancierte. Das Mosse-Verlagshaus (1900–1903) im historischen Zeitungsviertel in Berlin-Mitte zeugt noch heute von der Bedeutsamkeit des ehemaligen Konzerns.

Als wohlhabender Mann ließ sich Rudolf Mosse in der Mitte Berlins, am Leipziger Platz 15, ein neo-barockes dreigeschossiges Stadtpalais (1881–1885) von den damals für Villenbauten begehrten Architekten Gustav Ebe und Julius Benda errichten. Dort trug er seine erlesene Kunstsammlung zusammen, von der er einen Teil ab 1909 der Öffentlichkeit zugänglich machte. Der Schwerpunkt der Sammlung lag auf der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts. Neben Gemälden und Bildwerken sammelte Mosse auch Arbeiten auf Papier, Miniaturen, Kunsthandwerk, Antiken, Ägyptische Altertümer und Benin-Bronzen. Zudem baute er eine Bibliothek mit wertvollen Handschriften und seltenen Büchern auf. Nach Rudolf Mosses Tod im September 1920 und vier Jahre später dem seiner Frau Emilie erbte deren einzige (Adoptiv-) Tochter, Erna Felicia Lachmann-Mosse, das gesamte Vermögen, zu dem neben Verlagskonzern und Stadtpalais weitere Immobilien und Grundstücke in Schenkendorf, Berlin und Umgebung gehörten. Felicias Ehemann Hans Lachmann-Mosse, der bereits 1910 als persönlich haftender Gesellschafter in den Verlag eingetreten war, fungierte fortan als Generalbevollmächtigter in allen Angelegenheiten.

Wie viele Unternehmen geriet auch die Mosse oHG zu Beginn der 1920er-Jahre durch die Inflation sowie ab 1929 durch die Weltwirtschaftskrise und die in Deutschland ausgelöste Bankenkrise in finanzielle Schwierigkeiten. Dennoch lässt sich entgegen bisheriger Angaben von Historikern kein Konkursantrag vor 1933 nachweisen.3 Unmittelbar nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler stand der Verlagskonzern im Visier der durch Joseph Goebbels forcierten Gleichschaltung des Pressewesens. Die Reichsregierung handelte mit Lachmann-Mosse eine Art „Pachtvertrag“ aus, der den Anfang eines komplizierten Sanierungsverfahrens des hoch verschuldeten Unternehmens über verschiedene Auffanggesellschaften bilden sollte, der letztendlich aber einer faktischen Entmachtung gleichkam. Im Gegenzug erhielten das Ehepaar Lachmann-Mosse und ihre drei Kinder Rudolf jr., Hilde und Gerhard (später George) die für ihre Emigration notwendigen Auslandspapiere.

Mit der Umwandlung des Rudolf Mosse Stiftungsvertrags in einen Nießbrauchvertrag am 5. Mai 1933 gerieten nun auch die Kunstsammlung samt Bibliothek sowie die kostbaren Einrichtungsgegenstände des Palais’ am Leipziger Platz in die Verhandlungsmasse, ebenso die Kunst- und Einrichtungsgegenstände der Villa in der Maassenstraße und Schloss Schenkendorf. Gut ein Jahr später beauftragte die zwischenzeitlich gegründete Rudolf Mosse Treuhandverwaltung GmbH den Kunsthändler Karl Haberstock zusammen mit dem Kunsthistoriker und Mitinhaber des Berliner Auktionshauses Lepke, Hans-Karl Krüger, die Verwertung der Kunstsammlung durchzuführen. Die Auktion fand am 29. und 30. Mai 1934 in den Räumen des Mosse-Palais’ am Leipziger Platz statt. Eine Woche später versteigerte das Auktionshaus Union das Inventar der Villa in der Maaßenstraße und von Gut Schenkendorf. Von dem Liquidationserlös sollten die Eheleute Hans und Felicia Lachmann-Mosse laut dem im Januar 1934 getroffenen Vergleichsvorschlag keine Anteile erhalten.

Anfang der 1950er Jahre stellte Felicia, die 1938 von Hans Lachmann-Mosse geschieden worden war, bei den Wiedergutmachungsämtern von Berlin einen Antrag auf Rückerstattung ihrer Vermögensverluste. Das Kammergericht Berlin stellte 1954 fest, dass die Antragstellerin seit April 1933 „die rechtliche, tatsächliche und wirtschaftliche Verfügungsbefugnis“ über ihr Privatvermögen verloren hatte. Im Januar 1956 konnte ein Teilergebnis mit einem Vergleich erzielt werden, bei dem Felicia eine Entschädigungssumme in Höhe von 12.650 DM zugesprochen wurde. Damit sollten die bei der Speditionsfirma Georg Silberstein & Co in Berlin eingelagerten Gegenstände – darunter ausgewählte Kunstwerke – abgegolten werden, die sich die Lachmann-Mosses nach Paris hatten schicken lassen wollen, die jedoch 1940 nach Ausbürgerung der Familie durch Anordnung des Reichsführers SS Heinrich Himmler in Deutschland versteigert wurden. Weitere Rückerstattungsansprüche in Betreff der ehemaligen Kunstsammlung ihres Vaters musste Felicia 1960 zurückziehen, da die für eine Verhandlung notwendigen Ermittlungen nicht vorangetrieben werden konnten.

Ähnlich unergiebig erwies sich ihr Bemühen um die ehemaligen Grundstücke und Immobilien, die bei Antragstellung im Gebiet der neu gegründeten DDR lagen, für die das Bundesrückerstattungsgesetz keine Wirkung ausstrahlte. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung konnten auf Grundlage des Gesetzes zur Regelung offener Vermögensfragen (VermG BGBl. I S. 2591, 29.9.1990) die Erben nach Felicia und Hans Lachmann-Mosse, die mittlerweile beide verstorben waren, erneut einen Antrag auf Rückerstattung stellen. Mit Bescheid vom 11. November 1992 wurde unbezweifelbar anerkannt, dass die Familie Lachmann-Mosse seit dem Frühjahr 1933 aus rassischen Gründen verfolgt wurde und die Eigentumsverluste als NS-verfolgungsbedingte Vermögensverluste (VermG § 1 Absatz 6) zu bewerten sind. In der Folge übertrug man die Eigentumsrechte am Gut Schenkendorf und dem Grundstück des ehemaligen Mosse-Palais’ am Leipziger Platz 15 an die Erben nach Rudolf Mosse zurück. Danach nahm die Mosse Stiftung auch die Suche nach den Kunstwerken aus der ehemaligen Mosse Sammlung wieder auf.

Zielsetzungen und zentrale Fragestellungen

Ziel des Projekts ist es, die ehemalige Sammlung von Rudolf Mosse so weit wie möglich zu rekonstruieren und den Verbleib der einzelnen Werke zu klären.

Die Sammlung soll bis zu ihrer Zerschlagung durch die Nationalsozialisten an die 4.000 Positionen umfasst haben. Sie ist bis heute in ihrer Bedeutung und Zusammensetzung unerforscht. Ausgangspunkt unserer Arbeit sind die Sammlungs- und Auktionskataloge speziell das Mosse Eigentum betreffend. Allerdings ist bekannt, dass hierin nicht die komplette Sammlung erfasst ist. Das Fehlen vollständiger Inventare, genauer Werkbeschreibungen und Fotographien sowie die verschiedenen Szenarien, die zum Verlust der Sammlung und dem Transfer der Objekte führten, machen den hohen Schwierigkeitsgrad des Mosse-Falles aus. Parallel zur Einzelwerkrecherche und eng damit verwoben soll die Entstehungsgeschichte der Sammlung im Kontext der damaligen Zeit sowie die Verfolgungssituation der Mosse-Familie und der dadurch ausgelöste Aneignungsmechanismus des NS-Regimes erforscht werden, um auf Grundlage der Befunde das ganze Ausmaß der durch die Zerschlagung der Sammlung bis heute fortwirkenden Folgen erfassen zu können.

Wesentlich für das Gelingen des anspruchsvollen Vorhabens ist die Bündelung von Ressourcen mit bereits generiertem Wissen. Hierfür ist das Projekt als eine Kooperation zwischen den Erben nach Rudolf Mosse, den bisher mit Restitutionsansprüchen konfrontierten Museen – allen voran die Stiftung Preußischer Kulturbesitz – sowie den Archiven mit zentralen Aktenbeständen und der FU Berlin als idealem Träger eines Projekts der beschriebenen Spannweite konzipiert. Über die normalerweise üblichen Austauschwege hinaus, ist auf diese Weise ein Informationsnetzwerk höchster Kompetenz entstanden, das als ein Modell für die Provenienzforschung der Zukunft dienen soll. Weitaus effizienter als die Förderung zahlreicher Einzelprojekte ist die Planung von wissenschaftlich koordinierten Verbundforschungsprojekten, die in der Lage sind, im Rahmen konkreter Desiderata den Mehrwert der Provenienzforschung zu nutzen und zum Beispiel die komplexen Sachverhalte des NS-Kunsthandels, seine wirtschaftlichen Strukturen und Distributionswege weiter zu klären.

Projektrelevante historische Personen und Auktionshäuser

Projektrelevante historische Personen


RUDOLF MOSSE (8.5.1843–8.9.1920), Verlagsbuchhändler, 1874 Heirat mit Emilie Loewenstein, 1867 Firmengründer des Mosse Verlagskonzerns, Kunstsammler, 1918 Ehrendoktorwürde Universität Heidelberg. Nachlass Leo Baeck Institute, New York

EMILIE MOSSE (23.12.1851–12.10.1924), geb. Loewenstein, 1874 Heirat mit Rudolf Mosse, 1909 Wilhelmsorden für soziales Engagement

ERNA FELICIA LACHMANN-MOSSE (20.5.1888–13.2.1972), geborene Marx, 1893 Adoption von Rudolf und 1919 von Emilie Mosse, 1909 Heirat mit Hans Lachmann, 1924 Alleinerbin des Mosse Vermögens, 1933 Emigration nach Paris, 1938 Scheidung von Hans Lachmann-Mosse, 1939 Eimigration in die USA, Nachlass Leo Baeck Institute, New York

HANS LACHMANN-MOSSE (9.8.1885–8.4.1944), geb. Lachmann, Verlagsbuchhändler, 1909 Heirat mit Felicia Mosse, 1920 Generalbevollmächtigter des Mosse-Konzerns, 1933 Emigration nach Paris, 1938 Scheidung von Felicia Mosse, 1939 Heirat mit Carola Strauch, 1940 Emigration in die USA. Nachlass Leo Baeck Institute, New York

HILDE LACHMANN-MOSSE (28.1.1912–15.1.1982), Tochter von Felicia und Hans Lachmann-Mosse, 1933 Emigration in die Schweiz, Studium der Medizin an der Universität Basel, 1938 Dr. med., 1938 Emigration nach New York, Fachärztin für Kinderpsychologie und -psychiatrie in Harlem. Nachlass Leo Baeck Institute, New York

RUDOLF LACHMANN-MOSSE (5.4.1913–3.5.1958), erster Sohn von Felicia und Hans Lachmann-Mosse, 1932 Studium der Staatswissenschaften an der Universität Zürich, Dr. eoc. Publ., 1941 Übersiedlung in die USA, 1945–1958 Wirtschaftswissenschaftler im State Department, Washington D.C.

GERHARD LACHMANN-MOSSE (George L. Mosse) (20.9.1918–22.1.1999), jüngster Sohn von Felicia und Hans Lachmann-Mosse, 31.3.1933 Emigration in die Schweiz, 1939 Emigration in die USA, 1946 PhD Harvard University, 1955 Lehrstuhl für Europäische Geschichte an der Universität von Wisconsin-Madison. Nachlass Leo Baeck Institute, New York

HANS FRANK (23.5.1900–16.10.1946), Reichsminister, Mitglied des Reichstages (NSDAP); 1933 Gründung der Akademie für Deutsches Recht, 1935 Sitz der Akademie im Mosse-Palais am Leipziger Platz 15, 1939–1945 Generalgouverneur in Polen, 1946 vom Internationalen Militärgerichtshof als einer der Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt. Teilnachlässe in Bundesarchiv Koblenz, Institut der Nationalen Erinnerung Warschau, Archiv des Instituts für Zeitgeschichte München

KARL HABERSTOCK (19.6.1878–6.9.1956), Kunsthändler Berlin, 1934 im Auftrag der Rudolf Mosse Treuhandverwaltung GmbH gemeinsam mit Hans Carl Krüger Verwertung der Kunstsammlung Rudolf Mosses, 1939–1942 Chefeinkäufer für den „Sonderauftrag Linz“ unter der Leitung von Hans Posse. Nachlass Kunstmuseum Augsburg / Karl Haberstock Archiv

HANS CARL KRÜGER (9.5.1870–5.7.1949), Kunsthändler Berlin, 1910 Eintritt in Firma Kunst-Auctions-Haus Rudolph Lepke Berlin als persönlich haftender Gesellschafter, 1934 im Auftrag der Rudolf Mosse Treuhandverwaltung GmbH gemeinsam mit Karl Haberstock Verwertung der Kunstsammlung Rudolf Mosses, 1935 Arisierung des Auktionshauses. Handelsregisterakte Krüger, WGA-Akte Krüger-Erben, Landesarchiv Berlin, Personenakte RdbK, Bundesarchiv Berlin

HANS ROSENHAGEN (1.5.1858–1943), Kunstkritiker Berlin, München. 1933 Verfasser der sogenannten „Wertstellungliste“ der Rudolf Mosse Kunstsammlung, 1934 Verfasser des Einführungstextes des Auktions-Katalogs „Kunstsammlung Rudolf Mosse, Berlin“, Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus, Berlin 29./30. Mai 1934. Teilnachlass Bayerische Staatsbibliothek München

FRITZ STAHL (eigentlich: Siegfried Lilienthal) (1864–1928), Publizist, Kunst- und Architekturkritiker, Redakteur des „Berliner Tageblatt“, beriet Rudolf Mosse bei Aufbau und Zusammenstellung der Kunstsammlung. Nachlass nicht bekannt

THEODOR WOLFF (2.8.1868–23.9.1943), Cousin von Rudolf Mosse, seit 1887 Mitarbeit im Mosse Verlag, 1894-1906 Pariser Korrespondent, 1906–1933 Chefredakteur des Berliner Tageblatts, 1933 Entlassung durch Hans Lachmann-Mosse, 1934 Emigration nach Frankreich, 1943 Deportation ins KZ Sachsenhausen. Nachlass Bundesarchiv Koblenz

Projektrelevante Auktionshäuser


RUDOLF LEPKE’S KUNST-AUCTIONS-HAUS, BERLIN (Potsdamer Str. 122 a–b), 1885/86–1900 Rudolph Lepke (1845–1904) alleiniger Inhaber des Kunst-Auctions-Hauses (Kochstraße 28/29), 1900 Übernahme durch Hans Carl Krüger und die Brüder Adolf und Gustav Wolffenberg, 29./30.5.1934 Versteigerung der Kunstsammlung Rudolf Mosse, Berlin, 1935 Übernahme der Anteile der Wolffenbergs durch Hans-Carl Krüger und Arisierung des Kunst-Auctions-Hauses, ab 1936 Beteiligung an der Verwertung der beweglichen Vermögenswerte jüdischer Bürger, 1938 letzte Auktion. Handelsregisterakte, Versteigerungsakten RKK Landesleitung Berlin, Landesarchiv Berlin

AUKTIONSHAUS UNION (Tiergartenstraße 6), Inhaber Kurt Wacker, stiller Teilhaber Leo Spik, 6./7.6.1934 Versteigerung der Kunst- und Einrichtungsgegenstände der Villa von Felicia und Hans Lachmann-Mosse, Oktober 1934 Erwerb des Auktionshauses durch Leo Spik, Versteigerungen kompletter Wohnungs- und Villeneinrichtungen, Durchführung von durch das Finanzministerium veranlassten Zwangsversteigerungen. Handelsregisterakte, Versteigerungsakten RKK Landesleitung Berlin, Landesarchiv Berlin

Transparenz

Das Forschungsprojekt „Berliner Mäzenatentum. Die Kunstsammlung Rudolf Mosse (1843—1920). Aufbau — Bedeutung — Verlust“ ist unter dem Namen der kooperativ tätigen „Mosse Art Research Initiative“ am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität und beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste unter folgenden URLs publiziert: FU Berlin: http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/khi/forschung/projekte/drittmittelprojekte/mari/index.html

PRESSEKONFERENZ 7. MÄRZ 2017 (Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern)

Gesprächspartner Podium: Roger Strauch (Vertreter der Erbengemeinschaft nach Rudolf Mosse), Hermann Parzinger (Generaldirektor SPK), Isabel Pfeiffer-Poensgen (Generalsekretärin Kulturstiftung der Länder), Klaus Krüger (Univ-Prof. KHI, Freie Universität Berlin) und Meike Hoffmann (Koordinatorin MARI, Freie Universität Berlin), Moderation: Christa Beckmann (Stabsstelle Presse und Kommunikation FU Berlin)

PRINTMEDIEN (Auswahl):

  • Christine Boldt: Auf der Suche nach der verlorenen Kunst. Die Provenienzforscherin Meike Hoffmann rekonstruiert mit Experten und Studierenden die während der NS-Zeit zerschlagene Kunstsammlung des Berliner Verlegers und Mäzens Rudolf Mosse, in: Tagesspiegel, Berlin, Beilage Freie Universität Berlin, 6.04.2017
  • Christine Boldt: In search of Lost Art. Provenance researcher Meike Hoffmann works with experts and students to reconstruct the art collection, in: Stabsstelle Presse und Kommunikation, Freie Universität Berlin, 21.04.2017
  • Kate Connolly: Nazi art theft: Germany helps Jewish collector’s heirs hunt stolen works, in: the guardian, 7.03.2017
  • Kate Connolly: German state joins hunt for artworks confiscated by Nazis, in: the guardian, 8.03.2017
  • Johannes Fellmann: Erstes Kooperatives NS-Raubkunst-Projekt, in: ArsProToto, 2/2017, S. 64f.
  • Markus Geiler: Erben und Forscher fahnden gemeinsam nach NS-Raubkunst – Gemeinsames Forschungsprojekt zur Kunstsammlung des Verlegers Rudolf Mosse, in: epd, 7.03.2017
  • Kirsten Grieshaber: German groups, Jewish heirs unite efforts to locate lost art, in: The Associated Press, 7.03.2017
  • Catherine Hickley: Heirs of Jewish publisher team up with German museums to track down Nazi-looted art, in: The Art Newspaper, 8.03.2017
  • Historic alliance to locate looted Holocaust art is an exercise in 'reconciliation’, in: The Times of Israel, 9.03.2017
  • Meike Hoffmann koordiniert das Projekt–Modellprojekt zur Suche nach NS-Raubkunst aus Mosse-Sammlung, Südtirol News, 7.03.2017
  • Andreas Kilb: Mosse-Projekt. Sammler-Erben helfen bei Provenienzforschung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.03.2017
  • Nicola Kuhn: Auf der Suche nach den Mosse-Bildern, Tagesspiegel, Berlin, 7.03.2017
  • Nicola Kuhn: Am Brunnen vor dem Schlosse, Tagesspiegel, Berlin, 10.07.2017
  • Annika Middeldorf: Forschung zum Verbleib von entzogenen Werken aus der Sammlung des jüdischen Verlegers Rudolf Mosse, idw, 7.03.2017
  • Modellprojekt zur Suche nach NS-Raubkunst aus Mosse-Sammlung, Salzburger Nachrichten, 7.03.2017
  • Colin Moynihan: German Foundation to Help Jewish Heirs in Search for Nazi Looted Art, in: The New York Times, 7.03.2017
  • Matthias Nöther: Mosse-Erben und Forscher fahnden gemeinsam nach NS-Raubkunst, Berliner Morgenpost, 8.03.2017
  • Juliane Primus: Die Suche nach den verlorenen Mosse-Schätzen, Bild Berlin-Brandenburg, 8.03.2017
  • NS-Raubkunst: Mosse-Erben und Forscher fahnden, Die Welt, Geuilleton Kompakt, 8.03.2017
  • NS-Raubkunst: Wo sind die Werke der Sammlung Mosse, Deutsche Welle, 7.03.2017
  • Brigitte Werneburg: Ganz neues Kapitel. Restitution Amerikanische Erben finanzieren gemeinsam mit deutschen Institutionen ein Forschungsprojekt zur Rekonstruktion der Kunstsammlung des Verlegers Rudolf Mosse, taz.die tageszeitung, Berlin, 8.03.2017
  • Wo ist die verschollene Sammlung von Mosse? Mosse-Erben und Freie Universität suchen jetzt gemeinsam danach, Berliner Zeitung, 8.03.2017

RADIO- UND FERNSEHBERICHTE (Auswahl):

  • Gegnerische Seiten starten gemeinsame Suche, Meike Hoffmann im Gespräch mit Eckhard Roelcke, Deutschlandradio Kultur – Fazit, 07.03.2017 23:08 Uhr
  • Modellprojekt zur Suche nach NS-Raubkunst aus Mosse-Sammlung, 3sat, Kulturzeit-News, 07.03.2017
  • Raubkunst-Forschungsinitiative "Dieses Modellprojekt wird Zukunft haben", Meike Hoffmann im Gespräch mit Beatrix Novy, 7.03.2017
  • Mosse: Forschung nach NS-Raubkunst, Stilbruch RBB, 30.03.2017
  • Neue Wege bei der Suche nach Raubkunst. Auf der Suche nach Raubkunst aus der Nazizeit geht die Freie Universität Berlin einen neuen Weg, Kulturradio vom RBB, 7.03.2017

MARI PUBLIKATIONEN

Die Resultate der Provenienz- und Kontextforschung sollen in ihrem relationalen Bedeutungsgefüge zeitnah über ein Internetportal samt Datenbank sowie in Ausstellungen, Symposien und Monographien publiziert werden und damit über die Aufklärung von NS-Verbrechen hinaus, ein ehrendes Gedenken an Rudolf Mosse als prägenden Kunstförderer, Mäzen und Philanthrop wachgerufen werden.

WEBSEITE UND DATENBANK DER MOSSE ART RESEARCH INITIATIVE

Angesichts der hohen kulturpolitischen Relevanz des Projektes wird zur internen Kooperation sowie zur Vermittlung der Arbeitsergebnisse an die Öffentlichkeit ein Portal zur digitalen Präsentation, Erschließung und Visualisierung der Forschungsergebnisse entwickelt, das ein effizient auf die Bedürfnisse der Provenienzforschung zugeschnittenes Arbeitsinstrument darstellt.

MARI setzt dabei konsequent auf die Verwendung und Weiterentwicklung von Open Source Modulen. Die eingesparten Mittel für Lizenzgebühren werden in die Entwicklung maßgeschneiderter Module investiert, die Schnittstellen zu vorhandenen Datenquellen (Kooperationspartner und Normdaten) bereitstellen sowie eine Aufbereitung der vorhandenen und neu generierten Daten nach den Prinzipien des Semantic Web ermöglichen und die Forschungsergebnisse auf erkenntnisfördernde Weise visualisieren. MARI möchte damit das bearbeitete Material und die generierten Erkenntnisse den sehr unterschiedlichen Zielgruppen (Provenienzforscher, Historiker, Archivare, Leiter und Mitarbeiter von Behörden und Museen, Anwälte, interessierte Laien) in vielfältigen, jeweils adäquaten Erschließungsformen zugänglich machen.

Bei aller Komplexität des Informationsangebots soll die Internetpräsenz für das breite Publikum ansprechend und einladend sein, zugleich für die Forschung ein umfassendes und effizientes Arbeitsinstrument. Um beides zu erreichen, ist ein neues ausgereiftes Usability-Konzept Basis der Publikation.

Geplante Publikation des Internetportals: 29. Januar 2018, Gemeinsame Veranstaltung mit SPK/SMB

BUCH-PUBLIKATIONEN

  • Katalog in Begleitung einer geplanten Ausstellung zu den identifizierten und lokalisierten Werken aus der ehemaligen Sammlung Rudolf Mosse
  • Publikation der Beiträge des geplanten Symposiums zum Abschluss der ersten Förderphase des Projekts: „Berliner Mäzenatentum. Die Kunstsammlung Rudolf Mosse (1843—1920). Aufbau—Bedeutung—Verlust“

VORTRÄGE UND AUFSÄTZE

  • Meike Hoffmann: Die Kunstsammlung Rudolf Mosse (1843—1920). Aufbau — Bedeutung — Verlust, gehalten im Rahmen der 32. BERLINER SOMMER - UNI (28.08. - 03.09.2017), Humboldt Universität zu Berlin, Berliner Akademie für weiterbildende Studien e.V., 30.08.2017
  • Meike Hoffmann: Die Mosse Art Research Initiative (MARI)–Provenienzforschung der Zukunft, Stadtgespräche: Eine Ringveranstaltung der Technischen Universität Dortmund und des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, 23.11.2017
  • Meike Hoffmann: Beitrag über Rudolf Mosse und seine Kunstsammlung zur ersten Publikation der Schriftenreihe des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, 2018
  • Meike Hoffmann: Beiträge über die bisherigen Rechercheresultate von MARI für eine Mosse Ausgabe von ArsProToto, Berlin 2018

SYMPOSIEN UND AUSSTELLUNGEN

  • 28.11.2017 Workshop „Transparenz und Visualität – Konzepte für die Online-Publikation von Provenienzrecherchresultaten“, Freie Universität Berlin, Kooperationspartner und geladene Teilnehmer
  • 29. Januar 2018 Gemeinsame Pressekonferenz mit SPK/SMB, Alte Nationalgalerie Berlin, Kooperationspartner, geladene Teilnehmer und Öffentlichkeit
  • Präsentation von MARI in der Medienstation der Ausstellung zu den Mosse Restitutionen und Rückerwerbungen der ANG, Januar/Februar 2018
  • April 2018 Workshop „Wo stehen wir — Bilanz und Perspektiven zur Halbzeit“, Freie Universität Berlin, Kooperationspartner und geladene Teilnehmer
  • Februar 2019 Symposium „Berliner Mäzenatentum. Die Kunstsammlung Rudolf Mosse (1843—1920). Aufbau—Bedeutung—Verlust“, Freie Universität Berlin, Kooperationspartner, geladene Teilnehmer und Öffentlichkeit
  • 2020 Ausstellung der während der Projektzeit identifizierten und lokalisierten Werke

* Ölskizze des Gastmahls von Anton von Werner Gastmahl von Anton von Werner, Ölskizze Quelle:  Kunsthistorisches Institut der Freien Universität

© Kunsthistorisches Institut der Freien Universität, Dezember 2017