Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Recherche nach NS-Raubgut in den Beständen der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Goethe-Universität / Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main Bundesland Hessen Website https://www.ub.uni-frankfurt.de/projekte/provenienz.html Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. November 2020 bis November 2022

Beschreibung

Die Geschichte der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS) beginnt weit vor der Gründung der Goethe-Universität 1914. Ihre Wurzeln lassen sich bis 1484 zur ehemaligen Ratsbibliothek in der Stadt Frankfurt zurückführen. 1763 begründete der Frankfurter Arzt Johann Christian Senckenberg in seinem Testament die spätere Senckenbergische Bibliothek. 1928 übernahm die Stadt auch die 1888 eröffnete Rothschild‘sche Bibliothek.
Rothschild‘sche, Senckenbergische und Stadtbibliothek übernahmen 1914 die Literaturversorgung für die neu gegründete Universität Frankfurt am Main. Am 22. März 1944 wurde das Gebäude der Stadtbibliothek bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main zerstört. Nur ein gutes Drittel der Bestände konnte durch Auslagerung nach Oberfranken gerettet werden, der Rest wurde, wie auch ein Großteil der Verwaltungsakten, vernichtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadtbibliothek mit weiteren Bibliotheken zur Stadt- und Universitätsbibliothek (StUB) Frankfurt zusammengeschlossen. Seit 2005 sind StUB sowie die Senckenbergische Bibliothek in der UB JCS unter Trägerschaft der Goethe-Universität vereinigt. In den Beständen der UB JCS befinden sich zahlreiche Dauerleihgaben, die nicht Eigentum der Universität sind, sondern v. a. der Stadt Frankfurt am Main, der Dr. Senckenbergischen Stiftung und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
In dem Projekt sollen zwei Teilbereiche des Altbestandes mit Erscheinungsjahren bis 1945 untersucht werden. In den Teilbeständen wurden bei Stichproben bereits mehrere Verdachtsfälle gefunden. Der zu untersuchende Bereich umfasst die Signaturen 00/ sowie 42/ bis 45/ und soll per Autopsie auf Provenienzmerkmale hin geprüft werden, insgesamt ca. 79.000 Bände. Zugangsbücher aus dieser Zeit sind vorhanden, geben jedoch kaum Auskunft über verdächtige Zugänge.
Die UB JCS dokumentiert ihre Rechercheergebnisse im Katalog der Bibliothek. Auf diesem Weg werden die gewonnenen Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gleichzeitig wird eine vertiefte Kooperation zwischen den Provenienzforschung betreibenden Bibliotheken ermöglicht.
Das Projekt wird der Öffentlichkeit in Fachzeitschriften und auf Konferenzen vorgestellt. Eine Ausstellung ist in Planung.

© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main, November 2020