Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Systematische Prüfung der Erwerbungen der Gemäldegalerie und des Altertumsmuseums der Stadt Mainz in den Jahren 1933-45

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Landesmuseum Mainz, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz Bundesland Rheinland-Pfalz Website http://www.landesmuseum-mainz.de/das-museum/forschungsprojekte/provenienzforschung/ Ansprechpartner
  • Dorothee Glawe M.A.
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionProvenienzforschung
    Telefon: +49 (0) 6131 2857-144
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAildorothee.glawe@gdke.rlp.de
Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Dezember 2019 bis November 2021

Beschreibung

1967 wurden das Altertumsmuseum und die Gemäldegalerie der Stadt Mainz, damals beides Museen in städtischer Trägerschaft, zum Mittelrheinischen Landesmuseum Mainz zusammengeschlossen. Ein Großteil des heutigen Objektbestandes des Landesmuseums stammt daher aus den Beständen beider Vorgängerinstitutionen. Diese Objekte sollen nun in ihrer Gesamtheit für die Ankaufsjahre 1933-1945 systematisch überprüft und untersucht werden, um möglicherweise oder eindeutig NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter im Bestand zu identifizieren.

Die noch vorhandenen Inventare zeigen, dass in dem zu beforschenden Zeitraum rund 540 Neuzugänge für das Altertumsmuseum sowie 225 für die Gemäldegalerie erfasst sind. Eine erste Durchsicht lässt darauf schließen, dass bei rund 350 Objekten ein verfolgungsbedingter Entzug mit höchster Wahrscheinlichkeit auszuschließen sein wird. Dies betrifft vor allem Objekte aus archäologischen Funden um Mainz wie auch direkte Erwerbungen bei zeitgenössischen Künstlern. Weitere etwa 80 der zwischen 1933 und 1945 erworbenen Objekte befinden sich heute nicht mehr im Besitz des Museums. Die rund 335 verbleibenden Objekte bedürfen einer tiefergehenden Untersuchung, da ihre Provenienzen für den Zeitraum nach 1933 Lücken aufweisen oder aber die Erwerbungsumstände unklar sind. Zur genauen Erfassung der Erwerbungen wird zunächst aus den in großen Teilen nur fragmentarisch erhaltenen Archivalien des Hausarchivs des Landesmuseums sowie nach der Begutachtung der Objekte selbst eine detaillierte Liste aller zwischen 1933-45 erworbenen Objekte erstellt werden. Auf dieser Grundlage wird entschieden, welche Provenienzen konkret im zweiten Teil des Projektes eingehender untersucht werden müssen.

Ziel der Recherche wird dabei nicht nur die Klärung der Provenienzen und Erwerbsumstände der Objekte sein, sondern auch eine generellere Untersuchung der Ankaufspolitik der Jahre 1933-45 für das Altertumsmuseum und die Gemäldegalerie. Denn die bis 1967 zwar formal getrennten Institutionen unterstanden bereits seit den 1930er Jahren immer wieder denselben Direktoren. Die Untersuchung wird daher auch aufschlussreiche Informationen über die Sammlungspolitik sowie im weiteren Verlauf über den regionalen Kunsthandel im Allgemeinen liefern.

Die Ergebnisse der Recherchen werden durch eine laufende Aktualisierung in der hausinternen Datenbank dokumentiert. Um die Ergebnisse transparent zu vermitteln, werden im Landesmuseum außerdem im Rahmen der „Kunst in der Mittagspause“ regelmäßig Kurzführungen zu einzelnen Objektbiographien, sowie besondere Rahmenprogramme zum Holocaust-Gedenktag, zum Tag der Provenienzforschung und der Mainzer Museumsnacht stattfinden.

© Landesmuseum Mainz, Dezember 2019