Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Provenienzrecherche Graphische Sammlungen

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Städtische Museen Freiburg (Freiburg im Breisgau) Bundesland Baden-Württemberg Website http://www.freiburg.de/pb/,Lde/265394.html Ansprechpartner
  • Christiane Grathwohl-Scheffel M.A.
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionWissenschaftliche Mitarbeiterin/Provenienzforschung, Museum für Neue Kunst/Städtische Museen Freiburg
    Telefon: +49 (0) 761 201 2586
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilchristiane.grathwohl-scheffel@stadt.freiburg.de
Projekttyp Langfristiges Projekt zur Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Januar 2016 bis Februar 2019

Beschreibung

Die Graphischen Sammlungen von Augustinermuseum und Museum für Neue Kunst, die seit den 1990er Jahren in zwei getrennten graphischen Kabinetten untergebracht sind, sollen im neu erbauten Haus der Graphischen Sammlung, (eröffnet im Herbst 2016), wieder unter einem Dach zusammengeführt werden. Aus diesem Anlass sollen die Bestände der vor 1945 entstandenen und von 1933 bis heute in die Museen gelangten Graphiken auf ihre Provenienz hin untersucht werden. An die 10.000 Datensätze wurden geprüft und diejenigen herausgefiltert, die zur genaueren Untersuchung auffordern. Ein Konvolut von 160 Datensätzen wurde ermittelt, das in 87 Datensätze zur Originalgraphik und 73 Datensätze zur Druckgraphik zu unterteilen ist. Ein Datensatz kann Konvolute bis zu 155 Zeichnungen versammeln oder auch nur eine einzelnes Blatt bezeichnen.

In den 1930er Jahren wurden die meisten Graphiken direkt bei den Künstlern oder aus Ausstellungen im Kunstverein erworben. Diese können als unbedenklich gelten. Vereinzelt wurde jedoch auch bei Kunsthändlern, in Galerien oder bei Privatpersonen gekauft. Der damalige Museumsdirektor Dr. Werner Noack konzentrierte sich mit seiner Ankaufspolitik weitgehend auf regionale Kunst. Die in seiner Amtszeit (1923 bis 1953) getätigten Ankäufe sollen genauer untersucht werden, unter besonderem Augenmerk auf die Lebensumstände der handelnden Personen. Ab den 1950er Jahren erfolgten die Graphikankäufe durch den nachfolgenden Museumsdirektor Dr. Hermann Gombert (1953 bis 1974) hauptsächlich über Galerien und Auktionshäuser. Dazu gehören u.a. die Galerie Wolfgang Ketterer (Stuttgart/München), die Galerie Vömel (Düsseldorf) und die Galerie Valentien (Stuttgart), die Galerie Elfriede Wirnitzer (Baden-Baden) und die Galerie Klihm (München). Dr. Hans Hellmut Klihm hat als Verfasser am Katalog für Grafik des Sonderauftrags Linz mitgearbeitet und ist eindeutig als am NS- Kulturraub beteiligte Person identifiziert. Über seine Galerie kamen im Jahr 1965 verschiedene bedeutende graphische Blätter von Otto Dix, Erich Heckel und Karl Hofer in die Freiburger Museumssammlung. Besonderes Augenmerk liegt auch auf den Werken, die 1959 in der Auktion Nr. 33 im Auktionshaus Stuttgarter Kunstkabinett von Roman Norbert Ketterer ersteigert wurden.

In allen Fällen waren bisher über die vorherigen Besitzer bzw. Eigentümer der angekauften Graphiken keine Nachforschungen angestellt worden. Es sind nur wenige Informationen vorhanden und bisher keine weiteren Anstrengungen zur Aufklärung der jeweiligen Herkunft unternommen worden. Ziel ist es soweit als möglich, die Vorgeschichte der Blätter bzw. der mit den Werken in Verbindung stehenden, namentlich bekannten handelnden Personen in Erfahrung zu bringen. Das Forschungsprojekt wird seit Beginn des Jahres 2016 für 2 Jahre vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg gefördert. Es ist geplant die Forschungsergebnisse fortlaufend zu kommunizieren und interessierten Besuchern Einblick in diesen wichtigen Aufgabenbereich des Museums zu ermöglichen

© Städtische Museen Freiburg