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Systematische Erforschung der kunsthandwerklichen Sammlungsbestände des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, auf unrechtmäßig angeeignete Kunstobjekte aus jüdischem Besitz, sowie Klärung offener Fragen zu verbliebenen Objekten aus der Sammlung Goldschmidt-Rothschild

Zuwendungsempfänger Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main Bundesland Hessen Website http://www.museumangewandtekunst.de/de/museum/provenienzforschung.html Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner
  • Matthias Wagner K
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionDirektor Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main
    Telefon: +49 (0)69 212 340 37
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilmatthias.wagner-k@stadt-frankfurt.de
Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. August 2016 bis Februar 2018
  2. März 2018 bis August 2019

Beschreibung

Seit August 2016 prüft das Museum Angewandte Kunst seine kunsthandwerklichen Sammlungsbestände auf unrechtmäßig angeeignete Objekte aus jüdischem Besitz zur Zeit des Nationalsozialismus. Durch die systematische Erforschung des Bestandes ab 1933 bis in die Nachkriegsjahre möchte das Museum Angewandte Kunst seiner historischen Verantwortung nachkommen und seine Verbindlichkeiten im Sinne des Washingtoner Abkommens (1998) erfüllen.

Des Weiteren sieht das Projekt vor, die Recherche zur Sammlung Maximilian von Goldschmidt-Rothschild auf Grundlage des vorausgegangenen Forschungsprojekts (2009), gefördert von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung, weiterzuführen. Aktuelle Nachforschungen betreffen die detaillierte Aufarbeitung der Akten, um alle Objekte, die sich noch im Bestand des Museums befinden, zu identifizieren. Unabhängig vom geförderten Projekt soll auch der Verbleib der restlichen Sammlung untersucht werden.

In den Inventarlisten des Museum Angewandte Kunst (ehemals Museum für Kunsthandwerk) aus den Jahren 1933 bis 1945 und den Nachkriegsjahren wurden bislang über 2.000 Objekte mit ungeklärten Provenienzen aufgefunden, überwiegend aus den europäischen und asiatischen Sammlungsbereichen. Das Forschungsinteresse richtet sich auf all jene Kunstgegenstände, die von den verantwortlichen Museumsakteuren bei einschlägigen deutschen bzw. französischen und niederländischen Kunsthandlungen gekauft und ab 1933 bis in die Nachkriegsjahre bei Auktionshäusern ersteigert wurden oder als Schenkungen ans Haus kamen. Die Inventarlisten verweisen auf Erwerbungen bei einer Reihe von Kunsthändlern in Frankfurt am Main, etwa Hugo Helbing, Joseph Fach, Wilhelm Henrich, Walter Hauth, Walter Carl, und Carl Müller-Ruzika. Auch überregionale Kunsthandlungen, wie die „Galerie für Alte Deutsche Kunst“ in Bremen, das Berliner Auktionshaus Hans W. Lange und die Münchener Händler Julius Böhler, Siegfried Lämmle und Adolf Weinmüller sind verzeichnet. Über 50 Provenienzen von Objekten aus den Beständen des Museum Angewandte Kunst wurden im Paris der Besatzungszeit (1940-44) angekauft, so etwa bei den Kunsthandlungen Buvelot, Tierard, Garabet-Kevorkian, Chalom, Perret-Vibert, Michon, und Kalebdjian.

Zudem finden sich in den Sammlungsbeständen heute noch zahlreiche Artefakte, die als „Übernahmen“ für das Museum erworben wurden, oder Ankäufe, die als „Frankfurter Altbesitz“, „Finanzamt Frankfurt“, „von der Stadt überwiesen“, oder „Pfandhaus Frankfurt“ in den Inventarlisten aufgeführt werden. Darunter fallen auch zahlreiche Silberobjekte aus ehemals jüdischem Besitz (sogenanntes Judensilber), die mit einer „Judennummer“ gekennzeichnet wurden.

Im Zuge der Provenienzforschung der kunsthandwerklichen Sammlungsbestände des Museum Angewandte Kunst soll von Fall zu Fall geklärt werden, ob sich unter den zu untersuchenden kunst-handwerklichen Objekten NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut befindet. Erste Ergebnisse werden voraussichtlich Anfang 2018 in einer Publikation der Schriftenreihe der Gesellschaft für Frankfurter Geschichte e. V. veröffentlicht und sind Inhalt einer geplanten Ausstellung im Museum Angewandte Kunst in Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt (23. Mai bis 14. Oktober 2018).

weitere Projekte dieser Einrichtung

© Museum Angewandte Kunst Frankfurt am Main, September 2017