Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Die Sammlung Carl Cords (1879-1945) - Erforschung einer bedeutenden Ostasiatika-Sammlung des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt a.M.

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main Bundesland Hessen Website http://www.museumangewandtekunst.de/de/museum/provenienzforschung.html Lost Art-Meldung zu Fundmeldungen der Einrichtung Ansprechpartner
  • Matthias Wagner K
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionDirektor Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main
    Telefon: +49 (0)69 212 340 37
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilmatthias.wagner-k@stadt-frankfurt.de
Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Oktober 2019 bis September 2020

Beschreibung

Dank der Unterstützung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg kann das Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, seine Aktivitäten im Bereich Provenienzforschung weiterverfolgen und die systematische Bestandsprüfung seiner eigenen Sammlung intensivieren. Bereits seit 2016 unterzieht das Museum Angewandte Kunst seine Bestände einer gründlichen Erforschung, um Objekte mit ungeklärten oder lückenhaften Provenienzen im Zeitraum 1933 bis 1945 zu untersuchen und um Werke zu identifizieren, die während der NS-Herrschaft verfolgungsbedingt entzogen wurden.

Das neue bis Herbst 2020 angelegte Projekt erforscht die umfangreiche Ostasiatica-Sammlung von Carl Hugo Cords (1879-1945) aus Zoppot bei Danzig. Es handelt sich um ein Konvolut von heute knapp 1.000 Objekten, die der Sammler dem Museum für Kunsthandwerk (heute Museum Angewandte Kunst) 1943 schenkte. Seit Ende der 1920er Jahre war Cords Mitglied der Ostasiatischen Gesellschaft Berlin und stand mit zahlreichen Händlern und Sammlern in Europa und China im Austausch. Den Schwerpunkt seiner Sammlung bildet chinesisches Porzellan und Exportporzellan aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Laut einem Bericht des damaligen Direktors des Frankfurter Museums für Kunsthandwerk, Walter Mannowsky (1881-1958), erhielt die Sammlung von Carl Cords gerade in der Zeit zwischen Frühjahr 1938 und Herbst 1942 zahlreiche Neuzugänge. Ziel ist es daher, ungeklärte Provenienzen in der Sammlung Cords aufzuklären, Verdachtsmomente aus der Zeit ab 1933 zu identifizieren, systematisch zu erforschen und ihre Provenienz im Sinne einer zeitgenössischen Museologie digital zu erfassen.

Darüber hinaus sollen auch weiterführende Fragen zur Erwerbspraxis und den Umständen des Objektankaufs beantwortet werden: Zum einen ist über die Biografie von Carl Cords als Sammler asiatischer Kunst bisher wenig bekannt. Ziel des Projekts ist es daher, sein vielseitiges Netzwerk zu anderen Sammlern und Händlern in China und Europa sowie seine Rolle innerhalb dieser Verflechtungen mit zu beleuchten.

Somit möchte das Museum mit dem Projekt auch einen Beitrag zur Erforschung des transnationalen Kunstmarkts und des Handels mit Ostasiatika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liefern, der seitens der globalen Kunstgeschichte und Provenienzforschung derzeit besondere Bedeutung zukommt. Zum anderen rücken bei der Erforschung „kolonialer Provenienzen“ neben den Akteuren auch die genauen Umstände des kolonialzeitlichen Erwerbs ins Visier.

© Museum Angewandte Kunst, Frankfurt a.M., November 2019