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INSIGHT D.O.M. – Provenienzrecherchen zu Käufen, Schenkungen und Übernahmen am Deutschen Optischen Museum zwischen 1933 und 1945

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Deutsches Optisches Museum Jena Bundesland Thüringen Website https://www.deutsches-optisches-museum.de/forschung.html Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Januar 2020 bis Dezember 2020

Beschreibung

Das Deutsche Optische Museum (D.O.M.), 1922 als Optisches Museum gegründet, bewahrt eine hochkarätige wissenschaftlich-technische Sammlung, die in Form und Umfang einzigartig ist. Neben mehr als 20.000 optischen Instrumenten und Geräten zählen zu ihrem Bestand gut 5.500 historische Bücher, mehr als 700 Graphiken und Gemälde sowie 1.500 Guckkastenbilder, die die Entwicklung optischer Errungenschaften kulturhistorisch dokumentieren. Trotz der herausragenden Bedeutung der Sammlung waren die Museumsbestände bis 2018, als die „Stiftung Deutsches Optisches Museum“ die Trägerschaft des Museums übernahm und dessen Neuausrichtung begann, nur in Teilen erfasst und die Geschichte des Museums sowie die Sammlungsgenese nicht tiefergehend erforscht. Bis zum Jahr 2023 soll das D.O.M. als nationales Leitmuseum der Optik und Schaufenster der Optikforschung aufgebaut werden. Der Bestand wird mithilfe eines modular aufgebauten, insgesamt webbasierten Workflowtools erstmalig komplett erfasst, digitalisiert und kontextualisiert. Eng verbunden mit dieser umfassenden Bestandsanalyse ist die bewusste Übernahme der ethischen Verantwortung, die „Gemeinsame Erklärung“ auf der Grundlage der „Washingtoner Prinzipien“ von 1998 umzusetzen. Dies bedeutet, die eigene Sammlung transparent und systematisch nach NS-verfolgungsbedingt entzogenen Objekten zu durchsuchen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dies erfolgt erstmals im Rahmen des zunächst auf ein Jahr angelegten Projekts zur Provenienzforschung „Insight D.O.M“ seit 1. Januar 2020. Die Käufe, Schenkungen und Übernahmen im Zeitraum von 1933 bis 1945 sollen systematisch erforscht und auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft werden. Die bisher unveröffentlichten ca. 500 Akteneinheiten, etwa 30 laufende Meter, werden intensiv analysiert. Bis zu 1.700 Objekte fanden im Untersuchungszeitraum Eingang in die Sammlung. Feststellbar sind in etwa 40 Korrespondenzen Ankäufe von einschlägigen Kunsthändlern und Kunstantiquariaten, die nachweislich auch mit jüdischem Besitz gehandelt haben. Ziel ist eine möglichst umfassende Rekonstruktion der Erwerbungskontexte und des beteiligten Netzwerkes aus Institutionen, Kunsthändlern und Kunstantiquariaten sowie das Herbeiführen „fairer und gerechter Lösungen“ bei der möglichen Restitution von Objekten. Dadurch wird ein fundamentaler Beitrag zur Auseinandersetzung mit der eigenen Institutions- und Sammlungsgeschichte geleistet. Gleichsam dient das Forschungsprojekt dazu, Strategien und Systematiken in der Provenienzforschung zu entwickeln, die für die Identifizierung von Raubgut technischen Charakters als Modell für andere wissenschaftlich-technische Museumssammlungen dienen kann.

Relevante handelnde historische Personen und Institutionen

Leitendes und wissenschaftliches Personal

Moritz von Rohr (1868–1940), Geschäftsführer Optisches Museum

Hans Boegehold (1876–1965), nachfolgender Geschäftsführer Optisches Museum

Hans Harting (1868–1951), wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Carl Zeiss Jena und Mitglied der Geschäftsleitung

Carl Poppe (1872–1947), Verwalter der Sammlungen des Optischen Museums

Fritz Ortlepp (1897­–1959), Verwalter des Optischen Museums unter Leitung Boegeholds

Gewerbliche Lieferanten

Julius Carlebach (1909–1964), Kunsthändler, Berlin

Kunstantiquariat Karl Gerlinghaus, München

Buch- und Kunstantiquariat Heinrich Tiedemann, Berlin

Kunsthandlung F.A.C. Prestel

Weiterführende Aktivitäten

Ziel ist eine umfassende Transparenz der Forschungsansätze, der Ergebnisse und der Methodik der Provenienzforschung am Deutschen Optischen Museum in Bezug auf die Sammlungs- und Institutionengeschichte durch Publikationen, Aufsätze, Veranstaltungen und Ausstellungen.

© Deutsches Optisches Museum Jena, Februar 2020