Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Erforschung von Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR

I. Grundlagen

Fördergrundlage zur Erforschung von Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR

Grundlinien zur Erforschung von Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR (PDF, 58 KB)

Pressemitteilung zum Start der Pilotprojekte zur Grundlagenforschung über Kulturgutverluste in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR

II. Projekte

1. Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden

Projekt: „Die MfS-Aktion ‚Licht‘ 1962

Laufzeit: 24 Monate (ab 01.09.2017)

Im Rahmen einer Kooperation mit dem HAIT wird die sogenannte „Aktion Licht“ wissenschaftlich aufgearbeitet. Bei dieser geheimen Aktion des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) wurden im Januar 1962 seit 1945 noch verschlossene Tresore, Depots, Gewölbe und Keller nichtprivater Liegenschaften (z.B. Banken) geöffnet und geleert.

Der Inhalt (z.B. Schmuck, Münzen, Wertpapiere, Briefmarken, Kunstwerke aller Art, Noten, Autographen, Dokumente) wurde auf unterschiedlichste Art verwertet. Informationen über Anlass, Ablauf und Akteure, vor allem aber Art, Umfang und Schicksal der dabei gefundenen Kulturgüter, die Aktenlage und die Möglichkeiten, heute noch den Herkunftsverlauf von beschlagnahmtem Kulturgut zu ermitteln, sollen zum Ende des Projektes erstmals für die Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden.

 

2. Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

Projekt: „Erstellung eines Spezialinventars für ausgewählte Aktenbestände des MfS zu Entziehungen von Kunst- und Kulturgut in SBZ und DDR unter dem Aspekt der Provenienzforschung

Laufzeit: September 2017 bis Februar 2018; April 2018 bis September 2019

In einem Kooperationsprojekt mit dem BStU wird ein Spezialinventar entstehen, das ausgewählte Aktenbestände des MfS zur Entziehung von potentiellem Kunst- und Kulturgut in SBZ und DDR auf die Bedürfnisse der Provenienzforschung abgestimmt erfasst.

Die Ergebnisse werden in einem sogenannten „Findbuch“ in gedruckter und elektronischer Form als Recherchewerkzeug zur Verfügung stehen. Es soll einen schnellen Zugriff auf Aktenbestände zum Umgang des MfS mit Kulturgütern (Entzug, Lagerung und Transfer) ermöglichen. Eine Besonderheit dieser Kooperation ist die Nutzung vorhandener Kompetenzen: Die archivalische Erschließung erfolgt durch Mitarbeiter des Stasi-Unterlagen-Archivs, inhaltlich-wissenschaftliche Vorschläge werden durch Mitarbeiter des Zentrums erarbeitet.

 

3. Museumsverband des Landes Brandenburg e.V.

Projekt: „Zwischen Schlossbergung und Kommerzieller Koordinierung. Pilotprojekt zur Untersuchung kritischer Provenienzen aus der Zeit der SBZ und DDR in brandenburgischen Museen

Laufzeit: 9 Monate (ab 01.10.2017)

Im Rahmen einer Kooperation werden durch eine Pilotstudie in vier brandenburgischen Museen einzelne Objekte bzw. Bestände hinsichtlich kritischer Provenienzen aus der Zeit zwischen 1945 und 1990 untersucht. Hauptziel ist es zunächst, die Wege zu beschreiben, auf denen die betreffenden Objekte in die Museen gelangten oder aus ihnen entfernt wurden. Außerdem sollen auch nach 1990 erfolgte Rückgaben und Entschädigungen beschrieben werden.

Um die Vorgänge auf verschiedenen Verwaltungsebenen (Bezirk, Kreis, Stadt, Museum) nachvollziehen zu können, wurden als Fallbeispiele ein ehemaliges Bezirksmuseum der DDR (Frankfurt/Oder), zwei Kreismuseen (Eberswalde, Neuruppin) sowie ein „einfaches“ Stadtmuseum (Strausberg) ausgewählt. Die betreffenden Museen haben ihr Einverständnis erklärt, und es wurde vorab gesichert, dass ausreichendes Archivmaterial in den Museen, Stadt- und Kreisarchiven vorliegt und zugänglich ist. Recherchen werden auch auf Landesebene (Brandenburgisches Landeshauptarchiv) und im Bundesarchiv Berlin, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) durchgeführt.

III. Berichterstattung

„Konststölder i DDR kartläggs“ in: Kulturnytt (29.05.2017), Hörbeitrag des Sveriges Radio, Länge 8:02 Minuten.

„Enteignung von Kulturgütern in der DDR wird erforscht. Weg beschlagnahmter Kunstwerke soll geklärt werden“ in: Kulturnachrichten (01.09.2017), Hör- und Online-Beitrag des Deutschlandfunk Kultur.

„Provenienzforschung. Pilotprojekt zu ‚Aktion Licht‘“ in: Neues Deutschland (02.09.2017), Online-Ausgabe.

„Kunst aus DDR-Tresoren. Ein neues Kapitel in der Raubkunst-Forschung. Gilbert Lupfer im Gespräch mit Britta Bürger“ in: Fazit – Kultur vom Tage (03.09.2017), Hörbeitrag des Deutschlandfunk Kultur, Länge 7:19 Minuten.

„Kulturgutverluste. ‚Klarheit über den Umfang dieser Enteignungen erhalten‘. Gilbert Lupfer im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske“ in: Kultur heute (04.09.2017), Hörbeitrag des Deutschlandfunks, Länge 5:22 Minuten.

Andreas Förster: „DDR-Raubkunst. Als die Stasi Hunderte Tresore und Bankschließfächer plünderte“ in: Berliner Zeitung (27.09.2017), Online-Ausgabe.

Andreas Förster: „Plündern für Devisen“ in: Sächsische Zeitung (06.10.2017), S. 3. [online verfügbar]

Mathias Deinert: „Die Forschung zu Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR. Aufgaben und Möglichkeiten des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste“ in: Museumsblätter – Mitteilungen des Museumsverbandes Brandenburg, Heft 31 (Dezember 2017), S. 82–87.

Mathias Deinert: „Kulturverluste in SBZ und DDR. Drei Pilotprojekte zur Grundlagenforschung“ in: Provenienz & Forschung, Heft 01/2018, S. 66 f.