Website of the German Lost Art Foundation

Provenienzrecherche in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin

funding area Nazi confiscated art Grant recipient Zentral- und Landesbibliothek Berlin State Berlin Website http://www.zlb.de/NS-Raubgut in der ZLBLooted Cultural Assets Lost Art-Report to the Found-Object Reports of the institution Contact person
  • Sebastian Finsterwalder / Christiane Kleist-Fiedler
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionNS-Raubgutforschung
    Telephone: +49 (0) 30 902 267 33
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilraubgut@zlb.de
Project type Long-term project to systematically investigate collection holdings Funding duration
  1. November 2009 to October 2011
  2. November 2011 to January 2013

Description

In den Beständen der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) befinden sich Bücher, die ihren rechtmäßigen Eigentümern während der NS-Herrschaft zwischen 1933 und 1945 entzogen wurden. Dieses Raubgut, genauer "NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut", umfasst nicht nur Objekte, die gewaltsam durch die Exekutivorgane des Dritten Reiches entwendet oder durch diskriminierende Gesetze enteignet wurden, sondern auch jene, die von den Verfolgten verkauft werden mussten, um ihre Flucht oder das Überleben zu ermöglichen.

Unsere Aufgabe ist die Überprüfung der verdächtigen Bestände, die Identifikation der geraubten Bücher und die Ermittlung ihrer Herkunft, um diese an die rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben zurückzugeben.

Die oft unscheinbaren Bücher sind als Träger der Erinnerung an die Verfolgten und deren Schicksal von unschätzbarem Wert. Sie sind meist die einzigen Erinnerungsstücke aus der Zeit vor der Verfolgung, an das frühere eigene Leben oder das der ermordeten Familienmitglieder.

Insgesamt müssen in den Beständen der Zentral- und Landesbibliothek mehr als 200.000 verdächtige Bücher überprüft werden. Jedes Exemplar wird am Regal aufgesucht, die darin enthaltenen Provenienzhinweise fotografiert und in einer Datenbank erfasst. Ein Stempel, eine Unterschrift, eine kleine Randnotiz oder ein Exlibris können zum rechtmäßigen Eigentümer führen oder auch zur Feststellung, dass es sich nicht um Raubgut, sondern um Eigentum der ZLB handelt. Für einen großen Teil der Bücher, die keine besonderen Spuren aufweisen, wird man diese Aussagen nicht abschließend treffen können und sie werden bis auf weiteres als verdächtige Zugänge geführt.

Die Namen von tausenden Personen und Körperschaften konnten bisher in den Büchern gefunden werden und alle müssen identifiziert und hinsichtlich einer NS-Verfolgung überprüft werden. Dann erst kann man sich auf die Suche nach den heutigen Eigentümern machen. Die dafür notwendigen Archivrecherchen können von uns nicht alleine durchgeführt werden und so stellen wir alle Informationen zu den Büchern und den vermuteten Eigentümern der Öffentlichkeit und anderen Forschungsprojekten zur Verfügung.

Die Ergebnisse unserer Recherchen werden auf der Seite NS-Raubgut in der ZLB und in der Provenienzdatenbank Looted Cultural Assetsund dokumentiert. Zusätzlich melden wir unsere Funde an die Datenbank Lost Art .

ZLB1 Source:  Zentral- und Landesbibliothek Berlin

ZLB2 ZLB2 Source:  Zentral- und Landesbibliothek Berlin

ZLB3 ZLB3 Source:  Zentral- und Landesbibliothek Berlin

ZLB4 ZLB4 Source:  Zentral- und Landesbibliothek Berlin


Publication

Gerlach, Annette: Provenienzrecherchen im Bestand der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. In: Bibliothek: Forschung und Praxis, 36. Jg. (2010), Heft 1, S. 57 - 59.

Gerlach, Annette: Die Recherche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut im Bestand der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Ein Werkstattbericht. In: Koordinierungsstelle Magdeburg (Hrsg.): Die Verantwortung dauert an. Beiträge Deutscher Einrichtungen zum Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut. Magdeburg, 2010. S. 75-90.

Gerlach, Annette; Prölß, Peter: Forschungs-Verbunddatenbank „Provenienzforschung“. In: Bibliotheksdienst 46 (2012), Heft 1, S. 15-21.

Prölß, Peter: Buchwege. Projektergebnisse der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Beitrag zum Vierten Hannoverschen Symposium: „NS-Raubgut in Museen, Bibliotheken und Archiven“ 2011.