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Zur Rolle der Leipziger Versteigerungshäuser Klemm und Thiemig bei der Verwertung des Eigentums von Emigraten und deportierten jüdischen Bürgern im Zeitraum 1933 bis 1945

Zuwendungsempfänger Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig Bundesland Sachsen Website http://www.staatsarchiv.sachsen.de/ Ansprechpartner Projekttyp Langfristiges Projekt zur Erschließung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Oktober 2011 bis November 2012

Beschreibung

Ziel des Projektes war die Erstellung eines Spezialfindhilfsmittels für die Provenienzrecherche zu den Aktivitäten der Leipziger Versteigerungshäuser Klemm und Thiemig bei der Verwertung NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere solchem aus jüdischem Besitz. Die Grundlage dafür bildeten die zum Versteigerungshaus Hans Klemm (Leipzig) im Sächsischen Staatsarchiv an den Standorten Leipzig und Dresden verwahrten Unterlagen sowie Akten des Bestandes Oberfinanzpräsident Leipzig.

Das Arbeitsergebnis ist eine Datenbank, in der sämtliche relevanten Daten zur Enteignung, der kostenlosen Weitergabe, des Verkaufs und Erwerbs von Gütern aus dem Besitz rassisch Verfolgter recherchierbar sind.

Die Projektarbeit hat neue Erkenntnisse über die Beraubung rassisch Verfolgter in Leipzig und Mitteldeutschland erbracht. Dadurch, dass das Versteigerungshaus Hans Klemm als eine zentrale Durchgangsstelle bei der Zerstreuung des Besitzes der rassisch Verfolgten fungierte und dessen Geschäftsunterlagen zu großen Teilen erhalten geblieben sind, konnten Formen und Dimensionen des Eigentumstransfers sowie die Rolle verschiedener Akteure akribisch rekonstruiert werden. Aber nicht nur hinsichtlich der Opfer, sondern besonders auch mit Blick auf die Nutznießer des Beraubungsgeschehens hat das Forschungsprojekt neue Erkenntnisse geliefert. Die systematische Untersuchung des Eigentumstransfers konnte ein institutionalisiertes und ein informelles System der Vorteilsnahme vor den eigentlichen öffentlichen Versteigerungen des Raubgutes sichtbar machen. Es konnte auch auf statistischem Wege verdeutlicht werden, dass der größte Teil des von den rassisch Verfolgten geraubten Eigentums – abzüglich des von institutionellen Nutznießern angeeigneten Anteils – von ,Endverbrauchern‘ erworben wurde, die keinen Zweifel haben konnten, woher die „aus nichtarischem Besitz“ stammenden Güter kamen1.

1) Thomas Ahbe: Das Versteigerungshaus Hans Klemm und die Ausplünderung der Leipziger Juden im »Dritten Reich«. Opfer – Täter – Nutznießer. In: Susanne Schötz (Hg.): Leipzigs Wirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart. Akteure, Handlungsspielräume, Wirkungen. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2012.

Veröffentlichung

Thomas Ahbe: Das Versteigerungshaus Hans Klemm und die Ausplünderung der Leipziger Juden im »Dritten Reich«. Opfer – Täter – Nutznießer. In: Susanne Schötz (Hg.): Leipzigs Wirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart. Akteure, Handlungsspielräume, Wirkungen. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2012, S. 305-335. [http://www.thomas-ahbe.de/arisierung_versteigerungshaus_klemm.pdf]

© Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig