Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Hannover – Berlin – Wien: Erwerbungen des Bomann-Museums im regionalen und überregionalen Kunst- und Antiquitätenhandel

Förderbereich NS-Raubgut Zuwendungsempfänger Bomann-Museum Celle Bundesland Niedersachsen Website http://www.bomann-museum.de/ Ansprechpartner
  • Dr. Jochen Meiners
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionMuseumsdirektor
    Telefon: +49 (0) 5141 12 45 01
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAiljochen.meiners@celle.de
  • Christopher M. Galler
    Projektbericht_Ansprechpartner_FunktionWissenschaftlicher Mitarbeiter
    Telefon: +49 (0) 5141 12 45 05
    Projektbericht_Ansprechpartner_EMAilchristopher.galler@celle.de
Projekttyp Langfristiges Projekt zur systematischen Prüfung von Sammlungsbeständen Projektlaufzeit
  1. Mai 2019 bis Mai 2021

Beschreibung

Im Rahmen des Vorgängerprojekts in den Jahren 2016–2019 stellte sich heraus, dass die Zahl der Sammlungszugänge des Bomann-Museums in der NS-Zeit höher war als ursprünglich angenommen. Zudem ist für viele Erwerbungen im regionalen und überregionalen Kunsthandel eine vertiefende Provenienzrecherche nötig. Daher soll dieses langfristige Forschungsprojekt einerseits der systematischen Überprüfung der Sammlungszugänge zwischen 1941 und 1945 dienen. Dies betrifft ca. 1.200 Objekte. Andererseits sind vertiefende Recherchen zu 163 Erwerbungen im regionalen Kunst- und Antiquitätenhandel und zu 176 Erwerbungen in Berlin und Wien zentraler Bestandteil.

Der damalige Museumsdirektor Albert Neukirch (1884–1963) tätigte regional vor allem beim Kunst- und Antiquitätenhandel in Hannover Ankäufe. Hier sind vornehmlich die Kunsthändler Emil Backhaus, Franz Lafaire, Menges & Söhne, Erich August Nolte, Erich Pfeiffer und Karl von der Porten zu nennen. Der Verkauf erfolgte in der Regel freihändig. Lediglich für Karl von der Porten sind gelegentlich Auktionen dokumentiert. Auf seiner Auktion im Jahr 1938 bot auch Museumsdirektor Neukirch für das Celler Museum mit. Durch bisherige Forschungen ist bekannt, dass einige der genannten Kunsthändler nachweislich mit entzogenen Kulturgütern handelten. Dies trifft vor allem auf Emil Backhaus zu, der als Taxator der Devisenstelle tätig war und in dieser Funktion Umzugsgut von Juden im Hinblick auf Kulturgüter durchsah, die er von der Mitnahme ins Ausland ausschließen konnte. Diese kaufte er häufig selbst an und zahlte die Erlöse auf Sperrkonten ein. Aufgrund der Häufigkeit solcher Ankäufe beantragte er im April 1939 eine permanente Genehmigung für die Einzahlung auf Sperrkonten.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit werden auf verschiedene Weise kommuniziert. Von Juli 2019 bis zum März 2020 läuft eine Sonderausstellung, die im Wesentlichen Ergebnisse des Vorgängerprojekts vermittelt. In einer Sektion werden jedoch im monatlichen Wechsel neue Objekte eingebracht, deren Provenienz in diesem Projekt eingehender überprüft wird. Im Herbst 2020 findet eine Tagung statt, bei der die bisherigen Forschungsergebnisse zum Kunsthandel in Niedersachsen vorgestellt und diskutiert werden. Dabei sollen die in Celle und in anderen Museen aus dem Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen gewonnenen Erkenntnisse zusammengeführt werden. Die Tagungsbeiträge werden in einem Band festgehalten, der im Jahr 2021 erscheint.

© Bomann-Museum Celle, Februar 2020