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Wiesbaden: NS-Raubgut wird an Erben der Familie Flersheim restituiert

Datum 03.07.2020

Der Ver­ein zur För­de­rung der bil­den­den Kunst in Wies­ba­den e.V. re­sti­tu­ier­te En­de Mai 2020 das Ge­mäl­de „Pro­zes­si­on im Ge­bir­ge“ von Adolf Höl­zel an die Er­ben der Frank­fur­ter Fa­mi­lie Flers­heim. Das Ge­mäl­de, bei dem es sich um NS-Raub­gut han­delt, be­fin­det sich als Dau­er­leih­ga­be im Mu­se­um Wies­ba­den.

Die jü­di­sche Fa­mi­lie Flers­heim war in Frank­furt am Main bis in die NS-Zeit über meh­re­re Ge­ne­ra­tio­nen hin­weg an­säs­sig. Nach ih­rer Hei­rat im Jahr 1892 leb­ten der El­fen­bein­händ­ler Ernst Flers­heim (1862–1944) und sei­ne Frau Ger­trud (1872–1944) mit ih­ren drei Kin­dern Hans (1893–1933), Edith (1895–1992) und Mar­ga­re­te (1904–1940) im Frank­fur­ter Westend, wo sie ei­ne be­deu­ten­de Bil­der­samm­lung vor­wie­gend deut­scher Künst­ler des 19. und 20. Jahr­hun­derts auf­bau­ten. Die sich spä­tes­tens mit dem Macht­an­tritt der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten im Jahr 1933 ste­tig ver­stär­ken­den an­ti­se­mi­ti­schen Re­pres­sio­nen zwan­gen die Fa­mi­lie 1936/37 zur Flucht aus Frank­furt in das ver­meint­lich si­che­re Aus­land. Die bei­den Töch­ter Edith und Mar­ga­re­te konn­ten 1936 nach Lon­don und Brüs­sel flüch­ten. Ernst und Ger­trud Flers­heim emi­grier­ten 1937 nach Ams­ter­dam. Nach dem Ein­marsch der deut­schen Wehr­macht in die Nie­der­lan­de im Mai 1940 wur­den die bei­den in­haf­tiert und spä­ter in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ber­gen-Bel­sen de­por­tiert, wo sie 1944 er­mor­det wur­den. Im Zu­ge ih­rer Emi­gra­ti­on nach Ams­ter­dam lie­ßen sie im Mai 1937 we­sent­li­che Tei­le ih­rer Kunst­samm­lung bei dem Frank­fur­ter Auk­ti­ons­haus Hu­go Hel­bing ver­stei­gern, dar­un­ter auch das Höl­zel-Ge­mäl­de. Auf die­ser Auk­ti­on er­stei­ger­te die Samm­le­rin Han­na Bek­ker vom Rath (1893–1983) das Werk. Das Ge­mäl­de ging zu­sam­men mit an­de­ren Wer­ken 1987 aus ih­rem Be­sitz an den Ver­ein zur För­de­rung der bil­den­den Kunst in Wies­ba­den e.V. über, der es fort­an als Dau­er­leih­ga­be dem Mu­se­um Wies­ba­den zur Ver­fü­gung stell­te. Das Kon­vo­lut aus der Samm­lung Bek­ker vom Rath stellt ei­nen we­sent­li­chen und in­ter­na­tio­nal be­ach­te­ten Kern­be­stand des Mu­se­ums dar.

Edith Flers­heim be­müh­te sich nach 1945 um Rück­er­stat­tung der Ob­jek­te aus der Kunst­samm­lung ih­rer El­tern. Ei­ni­ge Ge­mäl­de in Pri­vat­samm­lun­gen und öf­fent­li­chen Mu­se­en konn­ten aus­fin­dig ge­macht wer­den und es kam zu güt­li­chen Ei­ni­gun­gen und Re­sti­tu­tio­nen. Der Ver­bleib des Höl­zel-Ge­mäl­des war da­ge­gen lan­ge un­be­kannt. Im Jahr 2005 stell­ten die Er­ben der Fa­mi­lie Flers­heim dann auf der vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­nen Da­ten­bank „Lost Art“ ei­ne Such­mel­dung zu dem Ge­mäl­de ein. Dar­auf wur­de die Zen­tra­le Stel­le für Pro­ve­ni­enz­for­schung in Hes­sen auf­merk­sam. Ge­mein­sam mit dem Mu­se­um wur­de dann ge­prüft, ob es sich bei dem in den Be­stän­den des Mu­se­ums be­find­li­chen Höl­zel-Bild um das aus der Samm­lung Flers­heim han­del­te. Die Er­geb­nis­se führ­ten im Ab­gleich mit den Quel­len der Er­bensei­te En­de Mai 2020 zur of­fi­zi­el­len Re­sti­tu­ti­on des Bil­des an die Er­ben von Ernst und Ger­trud Flers­heim.

Bis zu sei­ner Über­füh­rung zu den Er­ben in die USA wird das Ge­mäl­de vom 30. Ju­ni bis 30. Au­gust 2020 in der Ge­mäl­de­ga­le­rie des Mu­se­ums Wies­ba­den prä­sen­tiert.

Lost Art-Mel­dung

Mu­se­um Wies­ba­den

Adolf Hölzel, Prozession im Gebirge, Öl & Leinwand, um 1909/1910 Adolf Hölzel, Prozession im Gebirge, Öl & Leinwand, um 1909/1910 Adolf Hölzel, Prozession im Gebirge, Öl & Leinwand, um 1909/1910 Quelle:  Museum Wiesbaden / Bernd Fickert